Nokia Asha 501 im Test

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Billiger, immer billiger sollen sie sein. Smartphones sind heute allgegenwärtig – und verkaufen sich gerade im günstigen Segment extrem gut. Das beweisen immer wieder Aldi, Lidl und Co., wenn mal wieder ein „Smartphone“ für 99 Euro im Angebot ist. Auch Nokia ist sich dessen bewusst und hat die Lumia-Reihe in jeder Preiskategorie platziert. Von extrem günstig bis High-End für mehr als 600 Euro kann man hier alles kriegen. Unter 100 Euro sieht es jedoch schlecht aus – und genau hier setzt man mit der Asha-Serie an. Wir haben uns das Asha 501 mit Nokias eigenem System „Asha 1.0“ einmal angesehen.

Wir bedanken uns bei 'getgoods.de' für die schnelle und problemlose Bereitstellung des Testsamples.

Aktuell gibt es das Asha 501 in Deutschland lediglich als Dual-SIM-Variante. Dafür in den Farben Schwarz, Weiß, Grün, Rot, Gelb oder Blau. Je nach Farbe kostet das Gerät unter 80 Euro. Wie „smart“ ein Device sein kann, das mit einem so günstigen Preis lockt, wollten wir selbst erfahren.

Optik, Haptik, Hardware – der erste Eindruck

Bei diesem Preis ist natürlich zu erwarten, dass an irgendeiner Ecke gespart wurde. Durch das eigene System fallen zumindest keine Lizenzkosten an. Doch das kann nicht alles sein, immerhin gibt es diese bei Googles Android ebenso nicht.

Sollte an der Verarbeitung gespart worden sein? Es gibt wenige Dinge an einem Smartphone, die so sehr stören wie eine schlechte Verarbeitung (abgesehen von Software-Bugs oder extremer Trägheit). Aber auch hier hat Nokia sich nicht lumpen lassen. Das verwendete, eingefärbte Polycarbonat fühlt sich sehr hochwertig an und lässt das Gerät dank verschiedener Farben sehr modern wirken.

Praktisch: Die Hülle ist mit einem ähnlichen Öffnungsmechanismus wie beim Lumia 620 ausgestattet, sitzt dadurch sehr passgenau und ist dennoch einfach zu entfernen. Darunter befinden sich der 1200 mAh starke Akku sowie ein microSD-Kartenslot. Fast unsichtbar und in derselben Farbe wie das Gehäuse sind die an der rechten Seite angebrachten Buttons (Power und Lautstärke-Regler). Auf der Rückseite befindet sich eine 3,2 MP Kamera, leider fehlt ein LED-Blitz.

Auf der Kopfseite des Smartphones wurden microUSB-Anschluss, 3,5-mm-Klinkebuchse sowie ein proprietärer Ladeanschluss platziert. Wieso die Ladefunktion nicht über den ebenfalls verbauten microUSB-Anschluss realisiert wurde, darüber kann nur spekuliert werden.

Prozessor 1 GHz
Display & Auflösung 3-Zoll; 320 x 240 px
Akku 1200 mAh, entnehmbar
Kamera (sekundär) -
Kamera (primär)

3,2-MP, QVGA-Video

int. Speicher 128 MB; per microSD erweiterbar
Maße / Gewicht 99,2 x 58 x 12,1 mm; 98,2 g
Die Übersicht aller Features befindet sich auf der letzten Seite des Testberichts.

Die Frontseite ist nicht ganz so üblich wie bei „Standard“-Smartphones. Das Display ist mit 3-Zoll deutlich kleiner als bei aktuellen Geräten, die Ränder rundherum deutlich größer. Unter dem Display findet sich ein Home/Zurück-Knopf, der einen immer wieder zum letzten Menüpunkt zurückbringt. Zudem kann das Gerät über einen Klick auf diesen Button auch aus dem Standby geholt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Wecken über einen „Double-Tap“ auf das Display, wie es auch bei Nokias Windows Phone Serie mit dem GDR2/Amber-Update oder dem alten N9 mit Meego möglich war.

 

Doch wo hat Nokia gespart, wenn man solche Premium-Features in seiner günstigsten Produktlinie anbieten kann? Ganz klar bei der Hardware. Das Display ist mit lediglich 3-Zoll zwar durchaus für die meisten Aufgaben ausreichend, die geringe Auflösung von 320 x 240 px führt jedoch zu häufigem Zoomen. Die durchschnittliche maximale Helligkeit liegt bei 207 cd/m², der Kontrast bei 941:1 Mit 64 MB RAM, 128 MB internem Speicher und EDGE als maximaler Datengeschwindigkeit hinkt man dann endgültig weit hinter den „Billig-Androids“ hinterher. Die Dual-SIM-Funktion kann leider nicht - wie in alten Zeiten bei ISDN-Verbindungen - dazu genutzt werden, die Kanäle zu bündeln und somit die doppelte Geschwindigkeit auf Kosten der Telefonie-Funktion zu erhalten (wobei dies wohl eine echte Innovation wäre!).

Die Akkulaufzeit ist dafür trotz 1200 mAh Akku extrem gut. Zwei bis drei Tage Nutzungsdauer waren bei unserem Test immer möglich – kein Wunder: Die großen Akkufresser wie hochauflösende Displays oder schnelle Mobilfunkverbindungen fehlen dem Asha 501. Besonders enttäuschend: die Ortung beim Asha 501 geschieht lediglich über das Mobilfunknetz, ein GPS-Chip ist nicht verbaut.

Man sieht also: Nokia kocht auch nur mit Wasser. Während die Hardware an sich nur wenig aussagt, da diese gegebenenfalls perfekt auf das verwendete, eigene Asha-Betriebssystem abgestimmt sein könnte, ist die EDGE-Verbindung für ein Smartphone definitiv ein Flaschenhals, der nicht schönzureden ist.

Aus ergonomischer Sicht ist das Asha natürlich ein Volltreffer. Gerade mal 98 Gramm und dank 3-Zoll-Display so klein, dass es selbst von Kindern mit einer Hand bedient werden kann, dürfte der Formfaktor viele „Gelegenheitsnutzer“ ansprechen. Trotzdem wird durch die breiten Ränder um das Gerät extrem viel Platz verschenkt – und mit 12,1 mm gehört es trotz schwacher Hardware nicht gerade zu den schlankeren Vertretern.

Der erste äußere Eindruck sowie die Daten auf dem Papier lesen sich nicht schlecht – aber auch nicht so gut, als dass man schon hier sagen könnte, das Gerät ist ein Preis-Leistungs-Champion. Dafür sind die Billig-Androids einfach zu nah auf den Fersen.


Gerade beim Asha ist ein Blick auf die Software höchst interessant. Bietet es doch mit dem „Asha 1.0“-System etwas Neues. Startet man das System, wird man vom Lockscreen begrüßt. Farbenfroh und mit Datum und Uhrzeit ausgestattet, erinnert er ein wenig an Windows Phones. Entsperrt man das Gerät, wird man von einer alphabetisch geordneten App-Flut begrüßt. Optisch erinnert diese sehr stark an Meego, wie es auf dem Nokia N9 zum Einsatz kam.

Auch weitere Elemente erinnern an das verstorbene System: wischt man nach links oder rechts kommt man zum „Heute“-Bildschirm, der chronologisch Infos von Facebook, Twitter, geschossenen Fotos, letzten Surfergebnissen und vielem anderen auflistet. So hat man seine letzten Aktivitäten und die neusten Ereignisse in sozialen Netzwerken immer im Blick. Ein Wisch von der oberen Bildschirmkante bringt die Schnellzugriffe auf WLAN, Bluetooth, Datenverbindung sowie die Lautsprechersteuerung zum Vorschein. Hier kann auch eingesehen werden, mit welchem WLAN man sich bspw. gerade verbunden hat.

Befindet man sich innerhalb einer App, können – sofern das Programm dies erlaubt – weitere Optionsmenüs vom unteren Bildschirmrand „hervorgewischt“ werden. Beenden kann man die Programme mit einem Klick auf den Home-Button (wenn dieser keine Zurück-Funktion auslöst) oder man wischt die App einfach zur Seite heraus und landet so wieder in der App-Übersicht.

Das sollte man allerdings nur tun, wenn man sich sicher ist, das Programm zu schließen. Ladezeiten von 5 bis 6 Sekunden sind an der Tagesordnung, Multitasking gibt es nicht. Auch das restliche System bedient sich immer wieder recht träge und nervt den Nutzer mit Wartezeiten. Immerhin: Ruckler haben wir fast nie zu Gesicht bekommen.

Premium-Features wie „Double-Tap to Wake“ oder „Glance Screen“ sind auch auf dem Asha verfügbar. Ebenso gibt es den Nokia Xpress Browser, der mit integrierter Kompression ein schnelleres Surferlebnis garantieren soll – das ist bei einer EDGE-Verbindung aber auch dringend nötig. Wirklich effektiv schien das in unserem Test nicht zu sein – und auch eine schnellere Verbindung würde hier wohl nichts nutzen. Über WLAN mit DSL 50.000 verbunden, war die Ladezeit aufwendigerer Webseiten noch immer deutlich höher als bei Konkurrenz-Geräten. Hier kommt wohl der verbaute Prozessor bei der Verarbeitung ins Schwitzen.

Positiv überrascht waren wir von zwei Dingen: Zum einen ist die Tastatur trotz geringer Größe extrem gut tippbar, sodass Tippfehler nur selten auftreten. Zum anderen hat Nokia aktuell eine ganze Reihe von Spielen für die Asha-Serie kostenlos verfügbar gemacht. Während des Tests waren dies: Zumas Revenge, Worms 2010, Sims Medieval, Sims 3 World Adventures, Sims 3 Supernatural, Sims 3, Sims 2, Tetris Pop,, Tetris, Spore Origins, Spore Creatures, Sim City Deluxe, Plants vs. Zombies, Paggle, NFS: &C3, Chuzzle, Bejeweled Twist, Bejeweled 3, Bejeweled, Tetris Revolution, Fifa World Cup 2010, Sims 2 Pets, Medal of Honor, Game of Life, Sms 3 Ambitions, Sim City Metropolis, 12x1 Solitaire und NFS: Undercover.

Die allgemeine App-Auswahl ist dank Nokias Here Diensten und YouTube-Unterstützung hingegen gar nicht so schlecht. Whatsapp, einer der aktuell wichtigsten Messenger, fehlt der Plattform jedoch noch. Update: WhatsApp ist über einen Trick erreichbar.

Insgesamt ist das Asha OS 1.0 durchaus interessant, wenngleich rudimentär. Für Smartphone-Neulinge oder Menschen, die nicht so viele Funktionen benötigen, sicherlich ausreichend. Wer jedoch auch mal mit Freunden „App“-Tipps austauschen möchte, erwirbt hier definitiv das falsche System. Und wer Wert auf schnelle Bedienung mit wenigen Wartezeiten legt, sollte sich überlegen, ob er nicht mindestens das doppelte Budget einplanen will.


Mit dem Asha 501 bringt Nokia wahrlich einen extrem günstigen Spross in die Smartphone-Welt. Eigentlich für andere Märkte entwickelt, ist das hardwaretechnisch abgespeckte Gerät auch bei uns erhältlich. Und somit sicherlich für alle interessant, die ein „smartes“ Gerät haben wollen, jedoch nur wenig Geld investieren können.

Da macht es vielleicht auch nichts, wenn man unterwegs nur mit EDGE surft. Eventuell verzichtet der eine oder andere sowieso ganz auf mobiles Internet und verlässt sich auf die WLAN-Funktionen zuhause.

Die Verarbeitung sowie Optik und Haptik sind Nokia beim Asha 501 sehr gelungen. Die Software ist in Ordnung, so lange man keine größeren Ansprüche stellt. Auch Nokias eigene Dienste bereichern das Smartphone-Erlebnis deutlich. Wer jedoch die Dual-SIM-Funktion nicht nutzt, wird im Android-Lager für den gleichen Betrag mehr Smartphone bekommen.

Als Alternative wäre beispielsweise das Huawei Vision zu nennen. Für aktuell ebenfalls etwa 80 Euro kommt es mit einer 1 GHz Single-Core CPU (Qualcomm MSM8255), 512 MB RAM, 3,7-Zoll-Display mit einer Auflösung von 800 x 480 px, HSPA und einer 5 MP Kamera mit LED-Blitz sowie a-GPS. Natürlich ist mit Android 2.3 nicht mehr das aktuellste System auf dem Vision, lässt sich jedoch mit etwas Fachwissen per Custom Rom auf Android Jelly Bean 4.1 updaten. Wer einen Bekannten oder Freund hat, der diese Hilfestellung leisten kann, wird mit dem Vision sicherlich deutlich mehr Spaß haben als mit dem Asha 501 – wenngleich letzteres deutlich stylischer aussieht und mit Sicherheit auch die längere Akkulaufzeit bietet.

Positive Aspekte des Nokia Asha 501:

Negative Aspekte des Nokia Asha 501:

Persönliche Meinung

Das Asha 501 ist stylisch, schick, gut verarbeitet und kompakt gebaut. Kaufen würde ich es mir aber niemals – EDGE ist einfach zu langsam, um ein Smartphone ernsthaft unterwegs nutzen zu können. Ebensowenig würde ich mir das Huawei Vision kaufen – aber ich kenne genug Menschen, die mit einem Smartphone dieser Preisklasse und Ausstattung sehr zufrieden sein würden. Es bietet prinzipiell alles, was man ernsthaft bei einem Smartphone braucht. Wer technikverliebt ist, wird aber sicherlich auch hier nicht zugreifen. Für Einsteiger oder Wenignutzer, die das günstige Smartphone nur als Telefon mit ein paar netten Zusatzfunktionen sehen, sind beide Geräte sicherlich interessant. Wobei in diesem Fall das Huawei Vision definitiv mehr Software fürs Geld bietet. (Marc-Georg Pater)


Nokia Asha 501

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Preis ab 89,90 Euro
Produktseite www.nokia.com

 

Display 3-Zoll
Auflösung 320 x 240 Pixel (133 ppi)
Prozessor 1 GHz
RAM 64 MB
interner Speicher 128 MB; per microSD erweiterbar
Akku 1200 mAh; entnehmbar
Abmessungen 99,2 x 58 x 12,1 mm
Gewicht 98,2 g (inkl. Akku)

 

Primärkamera 3,2 MP, Fixfokus, f2.8
QVGA-Videoaufnahme (320 x 240 px)
Sekundärkamera -
Datendienste EDGE / GSM
aGPS
Bluetooth 3.0, WLAN
Anschlüsse microUSB, 2-mm-Ladeanschluss
microSD-Slot
3,5-mm-Klinke
Betriebssystem Nokia Asha 1.0

 

Besonderheiten DualSIM
Lieferumfang Nokia Asha 501
Ladegerät
4 GB MicroSD-Karte
Headset
Anleitung