Werbung
Wer bereits eine Powerstation von Bluetti hat, kann mittels des Baclo Transfer Hubs diese in ihrer Funktionsweise erweitern. Anstatt nur direkt an den AC-Ausgängen die entsprechenden Verbraucher anschließen zu können, ermöglicht der Baclo Transfer Hub eine Einspeisung ins Hausnetz mit dynamischer Lastversorgung und bis zu 800 W. Wir haben uns die Funktion im Alltag angeschaut.
Vor einigen Wochen hat Bluetti mit dem Balco 260, dem Balco 500 und dem Balco Transfer Hub seine neue Produktfamilie für Balkonkraftwerke vorgestellt. Besonders interessant ist der Balco Transfer Hub für Nutzer, die bereits eine Powerstation wie den Elite 300 (Test) sowie einen AC200MAX oder AC240 (beide im Test) besitzen und diese nicht nur beim Camping oder als Notstromversorgung, sondern auch zur Unterstützung der Stromversorgung im Alltag einsetzen möchten. Nachdem der Balco Transfer Hub nun erhältlich ist, werfen wir einen genaueren Blick auf die Hardware und ihre Funktionsweise.
Grundsätzlich spricht wenig dagegen, eine Powerstation manuell zur Versorgung einzelner Verbraucher einzusetzen. So lässt sich der Elite 300 direkt über seine AC-Ausgänge beispielsweise mit einer Waschmaschine oder einem Wäschetrockner verbinden und kann diese Geräte mit Energie versorgen. Die Powerstation selbst kann entweder über den integrierten MPPT-Laderegler mit Solarstrom oder über das Stromnetz geladen werden. Allerdings setzt das Nachladen über das AC-Netz ein manuelles Eingreifen voraus. Zudem können auf diese Weise ausschließlich Geräte betrieben werden, die direkt an den AC-Ausgängen der Powerstation angeschlossen sind und sich damit in direkter Nähe zur Powerstation befinden.
Der Balco Transfer Hub erweitert dieses Konzept deutlich. Er speist bis zu 800 W in das Hausnetz ein, sodass die bereitgestellte Energie im gesamten Haushalt von beliebigen Verbrauchern genutzt werden kann. Hierfür wird der Hub sowohl mit der vorhandenen Powerstation als auch mit dem Hausnetz verbunden. Um den aktuellen Stromverbrauch zu erfassen und die Einspeisung entsprechend zu steuern, bietet Bluetti zwei Lösungen an: Zum einen das Smart Meter (S Meter), das von einem Elektriker im Sicherungskasten installiert wird und den Gesamtverbrauch des Haushalts misst. Zum anderen stehen die S1 Smart Plugs zur Verfügung, die den Energiebedarf einzelner angeschlossener Geräte erfassen. Bis zu acht smarte Steckdosen können verwaltet und deren Bedarf (teilweise) kompensiert werden.
Mit diesem Ansatz folgt Bluetti einem Konzept, das bereits von Anker bei den Solix-Systemen umgesetzt wird. Auch zahlreiche andere Hersteller von Heimspeichern setzen zur Verbrauchserfassung entweder auf eigene Smart-Steckdosen oder auf kompatible Lösungen etablierter Anbieter wie Shelly.
Zur Inbetriebnahme werden die beiden Stecker des Balco Transfer Hub in eine freie Steckdose sowie den AC-Ausgang der Powerstation gesteckt. Daraufhin sollten die LEDs des Transfer Hub bereits leuchten. Damit die Powerstation aber auch aus dem Netz geladen werden kann, wird der AC-Eingang der Powerstation noch mit der Schuko-Steckdose an der Front des Transfer Hub verbunden.
Der Transfert Hub selbst kann an einer freien Wand montiert werden. Dazu sind die entsprechenden Montagemöglichkeiten auf der Rückseite vorhanden. Zur Kühlung ist die Rückseite zudem mit Lamellen versehen. Das Gehäuse selbst besteht zwar aus Plastik, insgesamt aber macht die Verarbeitung einen vernünftigen Eindruck – sicherlich kein unwichtiger Punkt bei einer solchen Installation.
Zur Überwachung des gesamten Stromverbrauchs bietet Bluetti einen Smart Meter (S Meter) an. Dieser muss von einem Elektriker im heimischen Sicherungskasten verbaut werden und überwacht den Verbrauch über die drei Phasen des Hausnetzes. Das Smart Meter kostet 99 Euro.
Die einfachere Möglichkeit sind die smarten Steckdosen namens S1 Smart Plug. Diese überwachen den Verbrauch der einzelnen Steckdose und so lassen sich einzelne Verbraucher einbinden. Der Preis für den S1 Smart Plus liegt bei 39 Euro.
Eingebunden werden beide Verbrauchsmesser zunächst per Bluetooth in der Bluetti-App. Dort findet dann auch die Einbindung in das heimische WLAN statt. Alle Geräte, die Verbrauchsmesser, der Balco Transfer Hub und auch die Powerstation müssen sich im gleichen WLAN befinden, um miteinander kommunizieren zu können.
Datenschutzhinweis für Youtube
An dieser Stelle möchten wir Ihnen ein Youtube-Video zeigen. Ihre Daten zu schützen, liegt uns aber am Herzen: Youtube setzt durch das Einbinden und Abspielen Cookies auf ihrem Rechner, mit welchen Sie eventuell getracked werden können. Wenn Sie dies zulassen möchten, klicken Sie einfach auf den Play-Button. Das Video wird anschließend geladen und danach abgespielt.
Ihr Hardwareluxx-Team
Youtube Videos ab jetzt direkt anzeigen
Geladen wird die Powerstation entweder AC-seitig direkt über dem Transfer Hub. Eine LED-Leiste zeigt dabei an, wie voll der Akku noch ist. Einsehen lässt sich dies aber natürlich auch über die App. Über den Taster an der Front des Transfer Hub ist es möglich, die Aufladung der Powerstation zu starten. Dies kann in dieser Form manuell geschehen, wenn beispielsweise eine größere PV-Anlage auf dem Dach sitzt, welche bei Überschuss in die Powerstation laden soll oder wenn ein Balkonkraftwerk eines anderen Herstellers aktuell für den Überschuss sorgt.
Die Powerstation Elite 300 verfügt aber auch über einen eigenen MPPT-Laderegler. Dieser kann bis zu 1.200 W in den Akku laden, wenn am String bei 12 bis 60 V und maximal 22 A die entsprechenden PV-Module angeschlossen sind.
Software und Systembetrieb
Soweit die Hardware. Kommen wir zur Integration des Systems in der Bluetti-App, über die sich neben den wichtigsten Einstellungen das System auch überwachen lässt. Zunächst müssen dazu alle Geräte eingebunden werden. Dies geschieht initial per Bluetooth, letztendlich wird den Geräten aber das heimische WLAN zur Verfügung gestellt.
Neben der Powerstation Elite 300 und dem Balco Transfer Hub haben wir noch zwei S1 Smart Plug verwendet, die jeweils eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner überwachten.
Nicht getestet haben wir den KI-Modus, bei dem das Gerät nach einer Anlernphase selbst erkennen können will, wann die Sonne scheint, wann der Stromverbrauch stattfindet und auch wann der Strom an der Börse besonders niedrig ist (im Falle der Verwendung eines dynamischen Stromtarifs). Entladung und Ladung des Akkus sollen dann entsprechend den besten Voraussetzungen gesteuert werden.
Die Selbstnutzung dürfte für die meisten Anwender der präferierte Weg sein. Hier wird über die S1 Smart Plus oder das S Meter der Verbrauch ermittelt und bis zu einer Grenze von 800 W liefert die Powerstation dann die entsprechende Leistung ins heimische Netz.
Im Backup-Modus wird der Akkuladestand der Powerstation immer auf 100 % gehalten, um längstmöglich eine Versorgung der angeschlossenen Geräte sicherstellen zu können. Darüber soll dann unter anderem sichergestellt werden, dass ein angeschlossener Kühlschrank bei Stromausfall so lange wie möglich weiterbetrieben werden kann.
Im Modus "Benutzerdefiniert" kann eine Grundlast angegeben werden (beispielsweise 200 W), die dann unter anderem auch zeitgesteuert ins Hausnetz eingespeist wird. Genau wie in der Selbstnutzung wird zudem ein SoC-Bereich bzw. ein Mindestwert festgelegt, bis zu dem sich der Akku entladen kann.
Schlussendlich lässt sich im Falle des Betriebs der Powerstation mit DC-Solareingang mitsamt des Blaco Transfer Hub auch eine Einspeisung einrichten. Diese ist auf 800 W begrenzt und eine Vergütung bekommt der Nutzer selbst nach Anmeldung des Balkonkraftwerks im Marktstammdatenregister nicht.
Fazit
Bluetti ist im Bereich der Balkonkraftwerke noch neu am Markt. Zwar bietet man schon seit einigen Jahren mobile und stationäre Speicher an, wenn es aber darum geht, Kleinerzeuger zu werden, war das Produktportfolio bis zur Vorstellung der Balco-Systeme noch leer.
Der Balco Transfer Hub stellt eine Alternative dar, wenn bereits eine Powerstation vorhanden ist, deren Funktion um eine automatische Lastverwaltung erweitert werden soll. Ohne den Einbau des Smart Meters im Sicherungskasten handelt es sich dabei um eine reine Steckerlösung, die jeder in Betrieb nehmen kann. Es genügt, den Balco Transfer Hub direkt an der Wand neben der Powerstation zu installieren. Dann werden einfach die Schuko-Stecker eingesteckt und schon kann es losgehen.
In der ersten Inbetriebnahme hatten wir aber auch einige Probleme. So musste die Firmware der S1 Smart Plugs und des Balco Transfer Hub mehrfach aktualisiert werden, bis alle Geräte sich in der App auch gefunden haben und gemeinsam arbeiten. Letztlich lief dann aber alles.
Die S1 Smart Plugs melden den Verbrauch an den Balco Transfer Hub und nach wenigen Sekunden übernimmt dann die Powerstation eine Last von bis zu 800 W. Über ein bis zwei Sekunden findet noch ein vollständiger Netzbezug statt, dann kompensiert der Transfer Hub im Zusammenspiel mit der Powerstation mit bis zu 800 W. Konkurrierende Systeme können hier etwas schneller sein, beim Gesamtverbrauch im Jahr aber spielt die kurze Verzögerung kaum eine Rolle.
Weiterhin sollte Bluetti noch etwas an seiner App arbeiten. Teilweise stimmen die Übersetzungen nicht und dies kann dann auch für Verwirrung in der Funktion sorgen, wenn der Nutzer nicht eindeutig weiß, was denn nun gemeint ist. Auch zeigte die LED-Leiste nicht immer den aktuellen Ladestand des Elite 300 an, obwohl die Systeme zueinander kompatibel sein sollten. Zudem funktionierte dann die Ladetaste am Transfer Hub nicht und so musste der AC-Ladevorgang über die App angestoßen werden, was aber auch hin und wieder erst mit der zweiten Aktivierung funktionieren wollte.
Wer bereits eine kompatible Powerstation besitzt, bekommt den Balco Transfer Hub aktuell für 293 Euro. Nutzerbar ist er mit einer Elite 100 V2, Elite 200 V2, Elite 300, Elite 400, Apex 300 sowie den Modellen AC180, AC200Max und AC200L. Um den Transfer Hub nutzen zu können, muss entweder ein S Meter für 99 Euro oder mindestens ein S1 Smart Plug für 39 Euro erstanden werden. Mit dem kleinen Elite 200 kostet der Balco Transfer Hub schon 1.499 Euro. Eine Anker SOLIX Solarbank 4 E5000 Pro mit 5 kWh Kapazität und 2.000 Wp Modulen kostet mit 1.974 Euro natürlich fast 500 Euro mehr, beinhaltet dann aber auch schon das Smart Meter, den größeren Speicher und die notwendigen PV-Module. Ähnliche Angebote gibt es auch zum Beispiel von Ecoflow und einigen mehr.
Für Bluetti als Anbieter sollte man daher auf dessen Balco-Systeme warten oder hat schon eine Powerstation und will diese mit dem Balco Transfer Hub in der Funktion erweitern.
- einfache Inbetriebnahme der reinen Steckerlösung
- Nachrüstoption für Powerstation-Besitzer
- Nutzung eines Smart Meter von Shelly möglich
- geringe Verzögerung in der Last-Ermittlung
Update: Shelly-Kompatibilität vorhanden
Etwas, was wir in der ursprünglichen Version des Tests noch kritisiert hatten, war die fehlende Kompatibilität in der Verbrauchserfassung zu bestehenden Systemen wie dem von Shelly. Viele Balkonkraftwerke mit und ohne Speicher sowie reine AC-Speicher setzen auf Shelly bzw. die Pro 3 EM, um den Gesamtverbrauch des Haushalts zu erfassen.
Bluetti bietet zwar auch ein eigenes Smart Meter (S Meter), besser, weil offener und für zukünftige Erweiterungen auch sinnvoller, ist aber die Nutzung eines Shelly. Nach einem erneuten Firmware-Update des Balco Transfer Hub waren wir nun auch in der Lage, diesen zu finden und einzubinden. Damit entfällt auch einer unserer Kritikpunkte am Balco Transfer Hub von Bluetti. Inzwischen findet sich der entsprechende Hinweis auch auf der Produkteseite.