Praxistest: eBook-Reader Sony PRS-T2

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sony prs t2 teaser kleinAmazon hat mit dem Kindle das Synonym für eBook-Reader geschaffen. Dabei wird aber oft vergessen, dass es noch zahlreiche weitere interessante Geräte gibt, die sich gerade, wenn es um den Content geht, deutlich flexibler zeigen. Sony strengt sich mit dem neuen PRS-T2 an, den Markt der eBook-Reader aufzumischen. Ob dies dem Leichtgewicht gelingt, klärt unser Praxistest.

Auf das gute alte, bewährte Papier wurde nicht erst einmal ein Abgesang geschrieben -  anders als beispielsweise die digitalen Tonträger klammert sich der bewährte „Datenträger“ hierzulande aber noch mit aller Gewalt an die Regale der reichlich vorhandenen Buchläden. Gerade der Online-Riese Amazon ist es aber, der mit seinem Kindle und einem schier gigantischen eBook-Angebot versucht, den Markt rund um digitale Bücher ans Laufen zu bringen.

Anders als leider viel zu oft wahrgenommen, besteht der eBook-Markt aber eben nicht nur aus Amazon, sondern auch aus zahlreichen weiteren Anbietern wie beispielsweise Kobo und eben Sony. Deren neuer eBook-Reader PRS-T2 kostet rund 135 Euro und ist in den drei Farben Schwarz, Rot und Weiß verfügbar. Im Preis mit enthalten sind drei eBooks, unter anderem der erste Harry-Potter-Band – der allerdings nur in englischer Sprache.

Das Gerät:

Sony PRS-T2

Sony stellte uns die mattschwarze Version des PRS-T2 zur Verfügung. Das sieht schick aus und erweist sich als angenehm pflegeleicht. Auch wenn man den Reader über eine längere Zeit in der Hand hat, störende fettige Fingerabdrücke sind kaum festzustellen. Die gummierte Rückseite neigt allerdings dazu, wie magnetisch auf Staub zu wirken. Sowohl die Materialgüte als auch die Verarbeitungsqualität können aber auf der ganzen Linie überzeugen, der PRS-T2 hat ohne Frage das Zeug zum ständigen Begleiter.

Sony PRS-T2

Ein Segen für Vielreisende. Wer gerne im Zug oder Flugzeug liest, wird sich schon bald fragen, wie es so lange möglich war, mit Softcover- oder noch schlimmer Hardcover-Büchern auszukommen. Leseratten, die regelmäßig mit Notebook, Kamera, etwas Kleinkram und natürlich einem Buch unterwegs sind, werden sicher nachvollziehen können, was wir meinen.

Das Gewicht fällt mit 164 Gramm angenehm leicht aus, einhändiges Lesen ist so problemlos über einen sehr langen Zeitraum möglich. Damit ist der PRS-T2 übrigens ein wenig leichter als Amazons Kindle und laut Sony der leichteste verfügbare Reader überhaupt. Ob ein paar Gramm mehr oder weniger (und um einen größeren Unterschied geht es wirklich nicht) aber wirklich entscheidend sind, sollte jeder selbst entscheiden.

Sony PRS-T2

Unter dem 6 Zoll durchmessenden E-Ink Pearl-Display hat Sony fünf Buttons integriert. Zwar besitzt der PRS-T2 auch eine berührungssensitive Oberfläche, die zum Blättern genutzt werden kann, gerade bei einem so simplen Konzept wie dem Lesen eines Buches sehen wir eine auf das Wesentliche reduzierte Bedienung aber als praktischer an. Zudem ist der PRS-T2 auf diese Weise auch einhändig bedienbar. Das wäre zwar theoretisch auch mit der Touchbedienung möglich, erfordert aber eine gewisse Fingerfertigkeit.

Sony PRS-T2

Auf der Unterseite des Readers integriert Sony den Hauptschalter, der auch dazu genutzt wird, das Gerät aus dem Stand-by aufzuwecken. Direkt daneben befindet sich ein Micro-USB-Anschluss, über den der Reader mit Daten versorgt werden kann, über den der PRS-T2 aber auch geladen wird, wenn unser Testkandidat mit dem Rechner verbunden wird. Ein separates Netzteil liegt nicht bei. Neben der Möglichkeit, Daten vom heimischen PC zu beziehen, besteht auch die Möglichkeit, Bücher direkt über das integrierte WLAN zu ordern.

Das Ökosystem:

Besonders interessant für aufstrebende Consuming-Devices ist nicht nur die Hardware, sondern in einem noch größeren Umfang das Ökosystem, über den Content bezogen werden kann. Das hat Apple mit iTunes in Perfektion vorgemacht und auch Amazon sieht sich in der Zwischenzeit nicht mehr als reiner Online-Händler, sondern als Content-Lieferant. Letzteres hat die diesjährige Kindle-Fire-Präsentation gezeigt – vom Android-Betriebssystem war nichts mehr zu sehen, stattdessen wurden Amazons Angebote, die neben dem Kindle-Store auch Video-Streaming über ein Lovefilm-Abo und vieles mehr umfassen, in den Mittelpunkt gerückt.

Sony PRS-T2

Da wird schnell klar, dass es weitere Anbieter (leider) schwer haben, gegen eine solche Content-Macht anzukommen. Während sich Amazon aber vor offenen Formaten drückt und seinen Kindle-Modellen Material nur im proprietären Kindle-Format zur Verfügung stellt, können Sony und Konsorten ihre Vorteile in diesem Bereich klar ausspielen.

Sony PRS-T2

Sony setzt neben dem allseits bekannten PDF-Format auf das offene ePub-Format. Aus Gründen des DRMs müssen gekaufte Bücher aber auf den jeweiligen Adobe-Account registriert werden. Zudem erweist sich der Buchkauf in unseren Augen bei Sony noch als zu kompliziert. Der auf der Startseite angebotene Button zum Reader-Store führt ins Leere, da der entsprechende Handel in Deutschland noch nicht verfügbar ist. Der Button „Weitere Shops“ stellt sich im Grunde genommen aber nur als Weblink dar, sodass der Weg zum Kauf über den Browser in unseren Augen der einfachere Weg ist.

So ganz intuitiv geht der Kauf eines eBooks bei einem ePub-führenden Store (z. B. Libri) doch nicht von der Hand. Zunächst muss der Download in das Reader-Programm importiert werden, für den Adobe-Account freigeschaltet werden, um dann erst auf den PRS-T2 übertragen werden zu können – das muss doch auch einfacher gehen.

Zusätzlich gibt es beim PRS-T2 auch die Möglichkeit den Reader direkt über Windows mit Lesematerial zu versorgen. Wird das Gerät über den USB-Port angeschlossen, werden zwei Laufwerke erkannt - eines für die Setup-Daten, ein zweites um Sonys kleinen Reader mit Dokumenten zu versorgen. Gerade Nutzer von offenem Material können so recht problemlos arbeiten.


In der Praxis:

Befindet sich einmal ein Buch auf dem Reader, kann der Sony PRS-T2 auf der ganzen Linie überzeugen. Das E-Ink-Display ist sehr kontrastreich und lässt sich aus allen Blickwinkeln hervorragend ablesen und strapaziert die Augen dabei zu keinem Zeitpunkt über Gebühr. Wer der Meinung ist, ein kleines Android-Tablet könnte einen E-Ink-Reader ersetzen, wird schnell eines Besseren belehrt. Mit dem PRS-T2 mehrere Stunden im neuesten Thriller zu schmökern … überhaupt kein Problem. Hingegen mit einem aktuellen Tablet mit kapazitivem Touchscreen zu lesen, ist eine ganz andere Sache und dabei sehr weit vom Gefühl auf Papier zu lesen entfernt. Ein Gefühl, dass sich übrigens bei der Verwendung der PRS-T2 immer wieder einstellt.

Sony PRS-T2

Dabei können wir Leser natürlich von der digitalen Darstellung profitieren, denn das Schriftbild kann angenehm nach den eigenen Vorlieben eingerichtet werden. Der Nutzer hat die Möglichkeit sich sowohl PDF- als auch ePub-Daten auch um 90° gedreht darstellen zu lassen.

Das Navigieren im System geht recht flott vonstatten – mit der smoothen Bedienung eines Tablets sollte allerdings nicht gerechnet werden. Geht man davon aus, dass der Reader wohl fast ausschließlich das Umblättern von Seiten bewerkstelligen muss, entstehen hier keine Einschränkungen. 

Textstellen im Dokument/Buch können markiert (temporär oder dauerhaft) und beispielsweise an Evernote übertragen werden. Darüber hinaus lassen sich auch Notizen zu einzelnen Textstellen vornehmen. Eingaben können entweder über ein Onscreen-Keyboard oder aber handschriftlich mittels eines beiliegenden Stylus vorgenommen werden. 

Zusätzlich bietet der Reader einen rudimentären Browser – Surfen macht auf dem monochromen Display aber nur bedingt Spaß. Je textlastiger eine Webseite ist (z. B. Wikipedia), desto angenehmer ist das mobile Reader-Surfen aber. Praktischer finden wir da schon die Integration des Cloud-Notizbuchs Evernote. Wer aber ein Smartphone oder Tablet sein Eigen nennt, wird wohl stets zu diesen Devices greifen.

Die Akkulaufzeit wird von Sony mit rund 8 Wochen angegeben. Ganz so lange stand uns das Gerät aber leider nicht zur Verfügung. Trotz der intensiven Nutzung hielt unser Testmuster aber den gesamten Testzeitraum von drei Wochen durch, ohne einmal geladen zu werden – hier zeigt sich also ein elementarer Vorteil, gegenüber der Notlösung mit einem Tablet zu lesen.

Fazit:

Sony hat mit dem PRS-T2 einen rundum überzeugenden eBook-Reader im Angebot, dessen größtes Problem aktuell noch die Content-Beschaffung darstellt, der davon abgesehen aber voll und ganz überzeugen kann.

Der Sony PRS-T2 sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sehr hochwertig verarbeitet und was besonders wichtig ist: angenehm leicht. So steht dem stundenlangen einhändigen Lesen nichts im Wege. Die extrem flache Bauform in Kombination mit dem robusten Gehäuse macht den Reader noch dazu natürlich zum idealen Begleiter für lange Urlaubsreisen, Vielflieger und Zugfahrer – gerade im mobilen Segment kann Sonys Leichtgewicht sein Können auf der ganzen Linie ausspielen.

Das neue Display erweist sich dabei als ausgesprochen scharf und kontrastreich. Der PRS-T2 ermöglicht so ein sehr langes, ermüdungsfreies Lesen. Wer mit dem Gedanken gespielt hat, ein normales Tablet als eBook-Ersatz zu nutzen, der sollte zunächst ein E-Ink-Gerät nutzen, der Unterschied ist eklatant.

Neben fünf integrierten Hardkeys kann auch das Touchdisplay zur Bedienung genutzt werden. Das erleichtert aus unserer Sicht die Bedienung bei der Einrichtung merklich, im eigentlichen Lesebetrieb würden uns die Hardkeys aber ausreichen. So altmodisch die Bedienung mit „echten“ Tasten darüber hinaus erscheinen mag, gerade beim einhändigen Lesen kann so einfacher umgeblättert werden, als mit einem reinen Touchscreen-Gerät.

Etwas zu kompliziert finden wir es aktuell noch, ein eBook auf Sonys Reader zu bugsieren, hat man sich aber einmal an das Prozedere gewöhnt, geht der Kauf zwar recht gut von der Hand, ein intuitiver Buchkauf sieht aber doch anders aus. So muss vor dem Kauf abgewogen werden, ob das einfache Kindle-Prinzip gefordert wird oder die Vorteile überwiegen einen Reader zu besitzen, der auch offene Formate darstellen kann. So bleibt erst einmal nur zu hoffen, dass Sony seinen Reader Store auch in Deutschland anbieten wird, ein entsprechendes Icon ist schließlich schon integriert, führt aktuell aber noch ins Leere.

Preislicht rangiert unser Testkandidat mit rund 135 Euro auf einem Niveau mit der Kindle-Touch-Version, geht also in Ordnung. Wer auf der Suche nach einem sehr günstigen Reader ist, findet auch günstigere Geräte, dann aber ohne Touchscreen.