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[User-Review] Mein Lesertest des DeepCool AK620

elbastron

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Dank Hardwareluxx konnte ich erfreulicherweise einen Deepcool AK620 testen. Vorab möchte ich schon mal sagen: das gute Stück gefällt mir richtig gut! Aber eins nach dem anderen. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass der Test im November stattfinden würde - leider fiel's jetzt etwas später in die Vorweihnachtszeit, weswegen ich nicht mehr ganz so ausführlich testen konnte wie ursprünglich geplant. Coronabedingte KiTa-Schließungen für mein Söhnchen haben mir auch nicht gerade mehr freie Zeit beschert. Da ich jedenfalls über die Feiertage die Verwandschaft besuche, verbleibt leider keine Zeit mehr und mein gestraffter Testbericht muss nun raus :) Irgendwas ist eben immer. DeepCool gibt es schon seit 1996, ist mir aber erst seit kurzem überhaupt ein Begriff - genau genommen seitdem dieser Lesertest auf Hardwareluxx beworben wurde. Kühler wie den Assassin III habe ich zwar wahrgenommen, den Hersteller dazu selbst aber scheinbar nie in meinem Hinterstübchen abgespeichert. Da mir einige Produkte der Marke also schon ein Begriff sind, gehe ich durchaus mit hohen Erwartungen und viel Vorfreude in den Test.

Ersteindruck

Der Kühler kommt in einer ganz schlichten Verpackung, die den Charme von Recycling-Pappe erweckt. Nicht falsch verstehen, ich finde das absolut gut und unterstütze das in jeglicher Hinsicht! Wer sich für dieses Produkt entscheidet, wird ohnehin keine flashy Präsentation erwarten, weder außerhalb noch innerhalb der Verpackung. Ökologischer Umgang mit den Ressourcen ist jederzeit begrüßenswert. Zudem bin ich absoluter Freund davon, nicht ständig von auf "Gamer" ausgerichtetem Marketing konfrontiert zu werden.

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Kinderspielzeug und große-Kinder-Spielzeug

In der Verpackung findet man dann den Kühler mit vormontierten Lüftern vor, zudem alles Zubehör innerhalb eines kleinen Kartons. Enthalten sind ein Schraubenzieher, Wärmeleitpaste sowie die Kits für die einzelnen unterstützen Sockel und ein Y-Kabel für die beiden PWM-Lüfter. Aus meiner Sicht kann man hier nichts vermissen. Ich verweise hier für weitere (viel) hübsche(re) Fotos auf den Hardwareluxx-Test.

Wenn man aber den Unterschied in der vermeintlichen Wertigkeit zwischen dem Deepcool und einem be quiet! Dark Rock 4 - zu dem ich in diesem Testbericht noch öfter Vergleiche anstellen werde - an einem Bild ausdrücken wollte, würde ich dieses nehmen:
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Der AK620 ist einwandfrei verarbeitet, die Lamellen sitzen richtig und man schneidet sich daran nicht die Hände auf, ich kann keinerlei Schönheitsfehler erkennen; im Vergleich zum Dark Rock 4 wirken er sowie Zubehör aber vielleicht etwas "schmucklos". Eventuell kommt das rein von der schwarzen Lackierung, an die ich mich mittlerweile gewöhnt hatte, eventuell erfüllt der Schraubenzieher speziell einfach zu minimal seine geforderte Funktionalität. Grundsätzlich: Die Montage lässt sich damit gut fertigstellen, jedoch wäre mir der be quiet! Dreher lieber, da er schlichtweg länger ist und die Montage sich damit insgesamt weniger fummelig gestaltet. Idealerweise hat man ohnehin sein eigenes Werkzeug bereit. Da er aber beigelegt ist, werde ich ihn hier auf jeden Fall verwenden.

Die Lüfter selbst sehen ebenfalls einwandfrei aus und sind in den Ecken sogar entkoppelt - wenn auch eher minimal. Bei einem kurzen Test konnte ich keinerlei Lagerschleifen oder andere störende Geräusche wahrnehmen.

Testsystem & Montage

Meine Hardware sieht wie folgt aus:

MSI Z590 Unify
Intel i7-11700 (Limits: 200W, Tau offen)
32 GB Crucial Ballistix DDR4-3600 RAM
Gigabyte Aorus RTX 3080 Xtreme
WD Black SN850 1TB
WD Black SN750 1TB
Fractal Design Define 7 Compact
4 x Noctua NF-P14s redux-1500 PWM
2 x Noctua NF-P12 redux-1700 PWM

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"Platz ist in der kleinsten Hütte!"

Das Setup verdeutlicht so ziemlich gut, warum Luftkühler immer noch einen Platz in dieser Welt haben. Im kompakten Define 7 ist mit einem Setup wie meinem schlicht kein Platz für einen Radiator. Ein Frontradiator wird durch die lange Grafikkarte verhindert, im Deckel geht es mit den Kühlkörpern der Spannungswandler sowie den CPU Stromanschlüssen erheblich eng zu. Schon mit den beiden Noctua Lüftern im Deckel wird der Anschluss der Kabel fummelig - selbst einen 240mm Radiator samt Lüfter einzubauen bereitet hier vermutlich keine Freude.

Die Montage des AK620 derweil geht prima von statten, hier schlägt Deepcool meinen "alten" be quiet! bereits. Die Backplate mitsamt Schrauben und Abstandhaltern von der Gegenseite ist bereits vormontiert, hier spart man schon die ersten Sekunden.

Die weitere Montage gleicht sich dann erstmal ziemlich hinsichtlich der Montagestege, bis man schließlich den Kühlkörper selbst auf die CPU setzt. Während bei be quiet! eine kleine Brücke positioniert und dann auf den Montagestegen festgeschraubt werden muss, verfügt der Deepcool über 2 gefederte Montagehülsen, die auf Gewinde auf den Stegen geschraubt werden. In der Praxis ist das erheblich leichter und wird auch von vielen Herstellern so gehandhabt. Während der Dark Rock 4 bei mir immer noch etwas Spiel hatte oder während der Montage leicht auf der CPU herumrutschen konnte, sitzt der AK620 auch wirklich fest. Die Positionierung an sich ist schon erheblich leichter, das Konzept überzeugt mich voll und ganz.

Anschließend müssen nur noch die Lüfter montiert werden. Beide? Eigentlich könnte man den äußeren Lüfter montiert lassen, da man nur an die beiden Montagehülsen mittig des Kühlers gelangen muss. Andererseits ist es überhaupt kein Problem, die Lüfter auch nachträglich einzuklemmen. Auch das gelingt gefühlt weniger fummelig als bei be quiet!, da die Klammern weniger Kraft erfordern, um eingespannt zu werden.

Ein paar kleine Anmerkungen und warum ich kurzzeitig ein Idiot war:

1.) Anstelle der mitgelieferten Wärmeleitpaste verwende ich die Arctic MX-5. Die verwende ich bereits am DR4, was der Vergleichbarkeit zugute kommt.

2.) In meinem Gehäuse, einem Fractal Design Define 7 Compact, geht es für ein ATX-Gehäuse durchaus etwas beengt zu. Mit 2 Lüftern im Deckel könnte man vermutlich verzweifeln, wenn man den Kühler einbaut und anschließend noch das oder die Lüfterkabel befestigen will. Zum Glück lässt sich im Define der Deckel lösen!

3.) Mit meinem Crucial Ballistix RAM mit etwa 40mm Bauhöhe überragt der äußere Lüfter den RAM ohne Probleme und muss nicht versetzt werden.

4.) Ich habe wie der erste Trottel auf Erden bei der Montage vergessen, die Schutzfolie auf dem Kühlersockel zu entfernen. Das ist natürlich sehr schlecht für die Wärmeleitfähigkeit und ließ mich auch umgehend in einen Blue Screen booten. Immerhin habe ich mit meiner verbliebenen Geistesgegenwart den Rechner direkt ausgeschaltet und das Unglück behoben und auch meine Hardware funktioniert noch. Zugegebenermaßen hatte ich schon Tage, an denen ich mich schlauer gefühlt habe; wenn man etwas idiotensicher macht, macht irgendjemand größere Idioten.

Folgend noch ein Bild vom eingebauten Produkt, das Auge testet bekanntlich mit:

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Hinterher ist man immer schlauer, wie einem hier vielleicht auffällt, habe ich die Plasteblenden am Kühler falsch herum montiert. Macht funktionell natürlich nichts aus, aber das Logo ist so 180° gedreht. Im Vergleich zu den meisten höherwertigen Kühlern, die nach oben hin stolz Alu präsentieren, wirken die Blenden weniger hochwertig; aus dem richtigen Winkel wirkt der Kühler so aber nicht weniger schwarz als die anderen komplett in lebensbejahendes Schwarz gehüllten Kühler auf dem Markt, was erstmal schick ist. Weiteres aus der Kategorie "was habe ich da gemacht?!":

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"Passt, wackelt und hat Luft." Die eine Klammer sitzt nicht richtig, was mir auch erst einige Zeit später nach Begutachten des Fotos auffiel. Beim Aufbau war ich wohl in einem Zustand geistiger Umnachtung. Fest saß es trotzdem!


Testdurchführung

Zum Vergleich habe ich den bereits mehrfach erwähnten be quiet! Dark Rock 4 genutzt. Der "kleine" Single Tower ist bemerkenswert leise und für e Ich habe den Test für mich möglichst praxisnah gestaltet, heißt: Die Gehäuselüfter arbeiten alle auf den üblichen Settings. Meine Lüftersteuerung regelt wie folgt:

40°C: 35%
55°C: 50%
70°C: 65%

Der CPU Kühler selbst war eingangs 40%/60%/80% geregelt, wobei der von be quiet! verwendete Lüfter (Silent Wings 135 PWM) die meiste Zeit kaum hörbar war. Im Testverlauf habe ich die Lüfterkurve für den AK620 etwas angepasst, wie man im Testverlauf sehen kann. Mein Arbeitszimmer (was mehr und mehr von meinem Söhnchen okkupiert wird) war während des Tests auf 17°C temperiert (eigentlich fast brr, aber ich wollte die Heizung nicht aufdrehen).

Für den Test nutze ich Prime95 (3x10min Average) sowie eine halbstündige AFK-Fahrt in Forza Horizon 5 und die durchschnittlichen Temperaturen im Idle über 10 Minuten. Ausgelesen wird mit HWiNFO64. Ausgelesen wird die Package Temperatur.

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Bereits im Idle sind die Temperaturen deutlich niedriger als beim Dark Rock 4. Die Lüfter blasen eben nicht nur im Duo, sondern auch jeder für sich bereits mit mehr Umdrehungen. Aus dem geschlossenen Gehäuse heraus ist es allerdings im Abstand von einem Meter flüsterleise.

Unter Volllast durch Prime95 gehen die Temperaturen dann zwar hoch, sind aber DEUTLICH unter denen des Dark Rock 4. Der Dual Tower mit 2 Lüftern macht sich hier immens bemerkbar. 9°C Differenz (13%) sind durchaus ein erheblicher Unterschied. Dafür bleibt der Dark Rock 4 aber auch leiser.

Mein FH5 Test ist zumindest für mich deutlich praxisnaher als Prime95 laufen zu lassen; wer hat schon permanent 100% Last auf seiner kompletten CPU. Der AK620 zieht auch hier davon, wenn auch nicht mehr so deutlich wie zuvor. Bei unter 50°C bleibt das System im Spielbetrieb weiter schön leise. Da die CPU-Temperatur aber seltener über die nächste Schwelle in der Lüfterkurve steigt, laufen natürlich auch meine Gehäuselüfter eher auf Sparflamme; dadurch waren meine GPU-Temperaturen minimal höher (ca. 1-2°C).

Das bringt mich auf einige Ideen:

1.) Zuerst reduziere ich die Lüftergeschwindigkeit für die beiden PWM-Lüfter des AK620. Die Lüfterkurve ist jetzt: 35%/45%/65%, womit auch die Geräuschkurve für mich wieder wesentlich angenehmer wird.
2.) Man könnte doch einen der beiden Lüfter entfernen... das mache ich mal für den äußeren der beiden. Die Lüfterkurve wird auch hierfür reduziert.

Ersteres bietet sich vor allem an, da die Lüfter jenseits der 60% PWM Speed doch merklich hörbar werden. Zweiteres - wenn man schon für 2 Lüfter zahlt (also nicht wie ich glücklicher Produkttester), warum sollte man die nicht nutzen? Hier kann ich nur antworten: For science! Und: weil's geht. Im folgende die Tabelle für die jeweiligen Testreihen:

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Wie man sieht, ist der AK620 mit reduzierter Lüftergeschwindigkeit im Idle plötzlich "nur noch" gleichauf mit dem Dark Rock 4. In Prime95 ist er dann immer noch besser, der Unterschied fällt allerdings nicht mehr so immens aus. In FH5 steht er dann genau mittig zwischen DR4 und der vorigen Lüfterkurve. Die Lautstärke ist jetzt subjektiv gleichauf mit dem insgesamt immer sehr leise agierenden DR4, der sich in meinem Setup also keineswegs verstecken muss.

Mit nur einem Lüfter war der AK620 bei mir im Idle plötzlich sogar etwas schlechter als der DR4. Hier habe ich die reduzierte Lüfterkurve belassen, der Fan dreht im Idle also mit 35% Speed. In Prime 95 war er dann nur geringfügig schlechter als zuvor mit 2 Lüftern, die Überraschungen reißen hier nicht ab.
Aber: Die nackten Zahlen sprechen nicht die ganze Wahrheit. Was man während der Prime95 Runs deutlich merken konnte war, dass die Temperaturen öfter über 80°C gingen. Dann lief der Lüfter aufgrund der eingestellten Lüfterkurve entsprechend stärker an, was sich in der Lautstärke definitiv bemerkbar machte. In FH5 gestaltete sich das Bild gleichermaßen: insgesamt kaum schlechter, dafür häufiger über der nächsten Schwelle der Lüfterkurve. In dem Temperaturbereich war der Unterschied allerdings kaum hörbar.

Insgesamt möchte ich noch anfügen, dass der AK620 mich vor allem natürlich mit höherer Drehzahl mächtig ins Staunen gebracht hat. Allerdings zeigt sich auch: der "kleine" Dark Rock 4 erledigt seine Aufgabe auch als Single Tower sehr gut. Die 11000er Intel Prozessoren können ja durchaus ordentlich Hitze generieren, dennoch muss man hier überlegen, ob ein solcher Dual Tower evtl. mehr Leistung bietet, als man schlussendlich nötig hat.


Lautstärke

Die Lautstärke habe ich aus 50cm Entfernung bei geöffnetem Gehäuse gemessen.

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Unter 60% waren die beiden Lüfter des AK620% zwischen den anderen Lüftern (@35%) nicht mehr herauszuhören. Unter 40% war es subjektiv für mich flüsterleise. Die Geräuschentwicklung jenseits der 80% Marke wird für mich lauter als wünschenswert, bei voller Leistung ist das Geräusch etwas unangehm; die Lüfter scheinen sich in Rage zu schwingen. Erfreulicherweise müssen sie bei mir im durchschnittlichen Betrieb fast nie so stark drehen. 39,9 dB(A) sehen in einer Tabelle nicht viel aus; als gängige Vergleiche nimmt man oft ein normales Gespräch bei ca. 50dB(A) oder leichten Regen bei 40. Mir ist das aber definitiv zu laut - ich sitze nicht permanent mit Kopfhörern vorm PC und übertöne so die Geräusche aus dem Gehäuseinneren.


Fazit

Nach meinen Testreihen bin ich mit dem AK620 auf 2 Lüfter mit reduzierter Lüfterkurve zurückgegangen. Insgesamt bin ich absolut zufrieden:

- Einwandfreie Verarbeitung
- Montage kinderleicht (aber wie man sieht, irgendwer macht trotzdem Unsinn)
- gute RAM Clearance
- starke Kühlleistung

Bedenkt man jetzt den fast schon sensationellen Kostenpunkt (UVP: 69,90€, aktuell unter 60€ zu haben) ist der AK620 plötzlich nicht einmal teurer als der Dark Rock 4, schlägt diesen aber kühlungstechnisch praktisch immer und das z.T. mehr als deutlich. Zudem hat man vor allem mehr Reserven - falls man denn den Kühler bei einem Plattformwechsel wirklich mitziehen will und dann noch entsprechende Kits für neue Sockel bereitstehen. Günstiger zu haben wären z.B. noch ein Scythe Fuma 2 oder Mugen 5.

Da fragt sich fast: Was macht der AK620 falsch? Aus meiner Sicht nichts. Selbst mit nur einem Lüfter hat der AK620 die offene Rocket Lake CPU bestens unter Kontrolle. Richtig brillieren kann er aber natürlich erst mit 2 Lüftern, die man dann am besten auch noch ordentlich drehen lässt. Die Kühlleistung und die Reserven scheinen mir immens, allerdings wird der Kühler dann auch zünftig laut. Wer die maximale Kühlleistung nicht benötigt, dreht dann eben nach Bedarf an der Lüfterkurve und kommt zu einem angenehm ruhigen Betrieb. Insgesamt hat man ein rundes Gesamtpaket, welches sich bei mir keine Schwächen erlaubte.
 

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