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[User-Review] Crucial P5 NVMe SSD mit 2TB im Lesertest

Anmerkung: Die P5 ist aktuell bei Amazon mit einem deutlichen Rabatt erhältlich, was einige Informationen und Preisvergleiche im Testbericht, welchen ich über die letzten 3 Wochen erstellt habe obsolet macht. Eventuell handelt es sich aber auch nur um ein temporäres Angebot.

Im Rahmen des Hardwareluxx-Lesertests habe ich von der HWLuxx-Redaktion und Micron/Crucial die Möglichkeit bekommen, die neue Crucial P5 SSD mit 2TB zu testen und diese anschließend zu behalten. Ich bedanke mich für diese Möglichkeit und das entgegengebrachte Vertrauen. Meine persönliche Meinung zum Produkt bleibt hiervon natürlich unberührt.

Lieferumfang und erster Eindruck
Die Crucial P5 kommt in einer simplen, dünnen Pappverpackung mit einfachem Plastikinlay. Für den aufgerufenen Preis von rund 300€ in der 2TB-Version ist das ausreichend, aber im Vergleich zu den Verpackungen welche Samsung bei den M.2 SSDs verwendet ist die Verpackung weniger wertig, bei mir kam sie auch schon recht mitgenommen an. Die Verpackung ist, abgesehen vom Aufdruck bei der P1 und P2 identisch. Dabei gibt es noch einen Hinweiszettel, welcher auf die Crucial-Website verweist. Hier gibt es Einbauanleitungen und eine Acronis-Version welche zum klonen der SSD verwendet werden kann.

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Die SSD selbst ist einseitig bestückt, die Rückseite ist also frei. Damit dürfte es also in keinem gängigen System Probleme geben. Das PCB ist schwarz, auf den Komponenten gibt es einen schwarzen, dünnen Aufkleber, der aber anscheinend nur optischer Natrur ist und keine Wärmeleitfunktion besitzt.

Testablauf und Testsysteme
In meinem Testbericht setze ich verschiedene Schwerpunkte. Im Ersten Teil des Testes ermittle ich die Leistung der P5 bei verschiedenen Arten des Zugriffs, Kopierleistungen, Stabilität und Konsistenz der Leistung und vergleiche unter anderem mit der Crucial P2 (1TB), welche ich extra für diesen Test als Vergleich innerhalb des Crucial-Sortiments erworben habe, Micron 1300 SATA-SSDs (1TB), sowohl einzeln als auch 2 Stück und 3 Stück im Raid 0 um zu ermitteln, ob es Anwendungsfälle gibt, in denen ein SATA-Raid0 trotz höherer Ausfallwahrscheinlichkeit Vorteile bieten könnte.

Die Eckdaten des Testsystems für den ersten Teil des Tests lauten wie folgt:
Intel Core i7 9700
64GB DDR4, 2666MHz
ASRock B365M Pro4-F
256GB Samsung PM851 (OS)
Windows 10 Education, 20H2, 64bit

Im zweiten Teil des Testes werde ich die Silicon Power P34A80 in meinem Notebook gegen die P5 ersetzen und ermitteln, ob es spürbare Unterschiede im Alltagsbetrieb gibt und wie es mit Ladezeiten von Spielen/Anwendungen aussieht, welche den Preisunterschied zu einem günstigen Modell wie der P34A80 rechtfertigen. Dafür wird das System 1 zu 1 mit der von Crucial zur Verfügung gestellten Acronis-Version geklont.

Folgendes Notebook wird verwendet:
HP Elitebook 855 G7
AMD Ryzen 5 Pro 4650U
24GB DDR4, 3200MHz
Windows 10 Pro, 20H2, 64bit

Technische Daten
Die P2 hat einen deutlich niedrigeren Preis pro TB als die P5. Ich möchte feststellen, ob diese Preisunterschiede berechtigt sind und ob sich der Aufpreis lohnt. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede, Stand 30.01.2021 unter Annahme des günstigsten, lieferbaren Geizhals-Preises inkl. Versand:

Kapazität / ModellCrucial P2Crucial P5Differenz in % P2 zu P5
500GB58,83€70,89€+20,49%
1TB94,89€142,61€+50,28%
2TB216,51€307,72€+42,12%

Für den Test ist zu beachten, dass der Vergleich unterschiedlicher Modelle mit verschiedenen Kapazitäten nicht optimal ist, aber definitiv grob aufzeigt, welche Unterschiede die Modelle in der Praxis haben.

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In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten technischen Daten der P5 sowie der P2 in der 1TB und 2TB Variante (1TB hier im Vergleichstest, die 2TB Variante zum Vergleich bei gleicher Kapazität) zu sehen:

Crucial P5 2TBCrucial P2 1TBCrucial P2 2TB
Lesen (sequenziell)3400MB/s2400MB/s2400MB/s
Schreiben (sequenziell)3000MB/s1800MB/s1900MB/s
IOPS 4k R/W430K/500Kk.A.k.A.
TBW1200TB300TB600TB
DRAM-Cache2GB LPDDR4KeinerKeiner
DatenschutzfunktionenAES 256, TCG Opalk.A. im Datenblattk.A. im Datenblatt
Garantie5 Jahre oder TBW erreicht5 Jahre oder TBW erreicht5 Jahre oder TBW erreicht

Die P5 wirkt also zumindest auf dem Datenblatt wie ein spürbares Upgrade zur P2 – vor allem der DRAM-Cache, die höheren Geschwindigkeiten und die bessere TBW fallen auf. Zwar wird auch die P2 wesentlich mehr schaffen, aber zumindest für die Garantie ist der doppelt so hohe Wert bei der P5 von Relevanz. Jedoch schreiben die meisten Otto-Normalnutzer selbst in 5 Jahren nicht ansatzweise so viel auf die SSD. Anzumerken ist noch, dass die P5 einen von Micron selbst entwickelten Controller nutzt. Ein großer Pluspunkt für die P5 ist damit, dass man ein komplett von Micron gefertigtes Produkt erhält und keine Komponenten von Fremdherstellern, die ggf. mal unangekündigt durch die eines anderen Herstellers ersetzt werden.

CrystalDiskMark
Als theoretischen Benchmark habe ich den Crystaldiskmark ausgeführt. Die Messung wurde jemals 3 mal ausgeführt und gemittelt. Ich habe ebenfalls den AS-SSD Benchmark durchgeführt, verzichte aber hier auf die Publikation der Werte, weil es hier massive Abweichungen gab, bei der P5 vor allem nach unten. Auch der Kopierbenchmark hat von Durchlauf zu Durchlauf extreme Unterschiede aufgewiesen (ich tippe hier auf RAM-Caching).

Bei der sequenziellen Geschwindigkeit kommt die P5 den Werten aus dem Datenblatt sehr nahe. Der SATA Raid0 skaliert mit 2 SSDs noch gut, bei der dritten ist der Gewinnzuwachs jedoch deutlich geringer, bei den 4K Benchmarks wird es sogar wieder langsamer. Ansonsten ist festzuhalten, dass die P5 in jedem Test wie erwartet am besten abschneidet.

CDM RND4K Q1T1.pngCDM RND4K Q32T1.pngCDM SEQ1M Q1T1.pngCDM SEQ1M Q8T1.png

Leistungstest
Im Leistungstest muss sich die P5 bei praxisnahen Kopiertests mit der P2 und den Micron-SATA SSDs messen. Zu Beginn habe ich eine 63,1GB große Videodatei auf derselben Partition kopiert, um zu ermitteln, wie gut die Kopiergeschwindigkeit ist. Hier ist die P5 mit Abstand vorne und liefert ein sehr gutes Resultat ab. Die P2 folgt kurz darauf, die Micron 1300 sind selbst zu dritt im Raid0-Verbund weit abgeschlagen. Ebenfalls wird hier deutlich, dass der Raid mit der dritten SSD nicht mehr gut skaliert.

Sehr interessant ist der Kopiertest mit kleinen Dateien. Hierfür habe ich meine gemoddete Oblivion-Installation genommen, die mit einer Ordnergröße von 16,5GB insgesamt 29.922 Dateien enthält, einige etwas größer, andere sehr klein. Hier liegt die P5 knapp hinter zwei SSD 1300 im Raid0, während 3 SSD 1300 im Raid0 langsamer sind. Hier zeigt sich ein Problem, welches man bei einem Raid0 mit vielen Platten erwarten kann: Die sequenzielle Geschwindigkeit steigt, bei kleinen Dateien dauert es länger, weil ja auf alle 3 Festplatten gleichzeitig geschrieben wird und immer auf die langsamste gewartet werden muss. Die P2 hat hier das Problem des fehlenden DRAM-Caches. Dennoch ist sie schneller als eine einzelne SATA-SSD.

SequenziellKopieren.pngKleinKopieren.png

Im 7Zip Test haben wir beim Packen der Dateien wie erwartet trotz des i7 und der schnellsten Komprimierung ein CPU-Bottleneck, beim entpacken auch, was mich doch etwas irritiert hat. Warum jedoch das Packen der Dateien auf dem Raid0 aus Micron SSDs merklich schneller ging ist mir ein Rätsel. Ich schätze hier hat eine unbekannte Variable (Caching?) mit reingespielt, da sonst Werte zwischen 310 und 325 Sekunden ermittelt worden sind. Ansonsten kann man hier wohl sagen, dass eine NVMe für das schnellere Packen von Dateien eher in wenigen Fällen Sinn macht, weil oft die CPU limitiert.

7ZipPacken.png7ZipEntpacken.png

Abhängigkeit der Leistung von den Temperaturen / Allgemeine Stabilität bei Dauerschreiblast
Das ursprüngliche Ziel in diesem Teil des Tests war eigentlich, herauszufinden, ob es zu einer Drosselung bei langen Schreibvorgängen kommt.
Leider hat sich im Nachhinein die verwendete Testkonfiguration des PassMark Performance Test als suboptimal herausgestellt, da hier ein festes Muster in einem festen Speicherbereich geschrieben worden ist.
Zumindest bei den NVMe SSD sind die Testergebnisse daher eher aus Sicht der Temperaturen interessant - ansonsten kann man sagen, dass dieser Teil des Tests etwas schiefgegangen ist.

Dauerschreibtest Crucial P5 - 1. Bild ohne Kühlung, 2. Bild mit Kühlung. Man beachte ebenfalls die deutlich bessere Latenz. Auf dem Zweiten Bild ist leider die X-Achse falsch beschriftet.
525sec_750gb_sequen_passmark-59-69grad.PNG336sec_750gb_sequen_passmark_max59grad.PNG

Dauerschreibtest Crucial P2 - 1. Bild ohne Kühlung, 2. Bild mit Kühlung. Hier übertrifft die P2 Ihre Werte aus dem Datenblatt. Da der Test ein festes Muster geschrieben hat, tippe ich auf Komprimierung.
342sec_750gb_passmark_44grad.PNG341sec_750gb_sequen_passmark_42grad.PNG

Dauerschreibtest 1x Micron 1300 / 2x. Micron 1300 / 3x Micron 1300
1620_sec_passmark_sequenc.PNG829sec_750gb_sequen_passmark.PNG600sec_750gb_sequen_passmark.PNG

Ich habe jedoch nach dem Test nochmal geschaut, wie sich die Performance der P5 bei langen Schreibvorgängen mit "echten Dateien" von einer anderen NVMe (Samsung PM981 512GB - seq. Lesegeschwindigkeit 3000MB/s) verhält. Hier begann der Kopiervorgang mit gut 2GB/s, nach ca. 70 Gigabyte sank die Geschwindigkeit auf 750MB/s, stieg dann langsam auf ca. 1GB/s und nach 125GB kam dann ein Einbruch auf 200MB/s, immer wieder mit kurzzeitigen Steigerungen, vermutlich dadurch verursacht, das ohne Kühlkörper eine Temperatur von 68 Grad Celsius erreicht worden ist. Mit entsprechender Kühlung gehe ich von einer dauerhaften Geschwindigkeit zwischen 0,75-1GB/s aus. Wer viel auf der SSD schreibt braucht definitiv einen Kühler.

Der Praxistest
Im Praxistest möchte ich herausfinden, ob die Crucial P5 mit einem Preis von circa. 150€ pro Terrabyte im Vergleich zu meiner Silicon Power P34A80 SSD für derzeit circa. 118€ pro Terrabyte performt und ob man zwischen verschiedenen NVMe SSDs einen größeren Unterschied merken kann.

Mit Hilfe der Acronis TrueImage for Crucial Software, welche man kostenlos nutzen kann, wenn man eine Crucial-SSD im System hat, habe ich den kompletten Inhalt meines Notebooks auf die neue SSD geklont. Dies ist sogar möglich, während die zu klonende Installation läuft. In meinem Fall habe ich jedoch beide SSDs in meinen Desktop-PC eingebaut, da mein NVMe-USB-Adapter leider Probleme verursacht hat, die aber mit der P5 nicht zu tun haben.

Das Klonen ist sehr einfach – man wählt Quell- und Ziel-SSD aus und wenn man möchte erledigt das Programm alles weitere selbst. Alternativ kann man die Partitionen auch selbst anpassen.
Acronis.PNGAcronis2.PNGAcronis3.PNG
Für die Knapp 450GB Daten auf meiner Notebook-SSD hat der Klonvorgang keine 10 Minuten gebraucht – da ich von NVMe auf NVMe geklont habe also wie erwartet.
klonen.PNGklonen2.PNG
Nach dem Einbau startete das System ohne Probleme.

Wie erwartet hat man bei der alltäglichen Benutzung des Gerätes – also das Nutzen von simplen Programmen wie einem Webbrowser, Microsoft Office oder dem Öffnen von Dateien keinen Unterschied gespürt. Auch beim Starten von Spielen war kein Unterschied zu spüren.

Ich habe einige Messungen durchgeführt, (jeder Test wurde jeweils 3-mal durchgeführt, jeder Durchgang nach einem Neustart des Notebooks, Netzbetrieb und Energieprofil aus Ausgeglichen, Ergebnisse anschließend gemittelt. Keine Abweichungen größer als 5% zwischen den einzelnen Messungen) welche mein Gefühl bestätigt haben.
Beim Systemstart war die Silicon Power SSD tatsächlich eine knappe Sekunde langsamer, ansonsten lieferten sich die beiden SSDs ein knappes Kopf an Kopf Rennen und lagen maximal 0,5 Sekunden auseinander.

Booten.pngWord.pngGTAV.pngFallout4.pngOpenBVE.png

Die Quintessenz aus dem Praxistest ist also, dass eine günstige NVMe-SSD mit DRAM-Cache für den Ottonormalbenutzer eine gute Wahl ist und der Aufpreis zu einer SSD wie der P5 hier nicht nötig ist. Interessant wäre noch der Vergleich zu einer SATA gewesen, aber auch hier hätte man vermutlich minimale Unterschiede von maximal 1-2 Sekunden gehabt. Da NVMe SSD mittlerweile ähnlich viel Kosten und viele moderne Notebooks wie das Elitebook 855 G7 gar keinen SATA-Anschluss mehr haben ist der fehlende Vergleich wohl verschmerzbar.

Fazit
Crucial deckt mit der P5 nun auch endlich den oberen Leistungsbereich bei den PCIe 3.0 SSDs ab und liefert nochmal ein deutliches Upgrade zur P2, wozu wohl besonders auch der DRAM-Cache beiträgt, wie man beim Kopiertest mit vielen kleinen Dateien erkennen kann. Auch bei sequenziellen Schreibvorgängen wird eine höhere Leistung erreicht. Leider hat dies auch zur Folge, dass man bei einer hohen Dauerbelastung einen Kühlkörper benötigt, um konstante Leistung abrufen zu können. Für meine persönliche Arbeit mit vielen großen Videodateien hat sich durch den Test definitiv kristallisiert, dass eine gute NVMe-SSD die deutlich bessere Wahl im Vergleich zu einem Raid 0 aus mehreren SATA-SSD ist, da die Geschwindigkeiten hier nochmal deutlich besser sind und natürlich das Ausfallrisiko geringer ist.
Der Praxistest hat jedoch auch gezeigt, das für viele Normalnutzer und Gamer wohl auch eine günstigere NVMe mit DRAM-Cache ausreichen sollte, denn im Alltag, also bei der Verwendung von Windows, Starten von Programmen und Spielen, sind die Unterschiede zur günstigeren Silicon Power P34A80 kaum messbar geschweige denn spürbar. Einen guten Eindruck hat die von Crucial zur Verfügung gestellte Acronis-Version zum klonen hinterlassen. Diese hat schnell, fehlerfrei und einfach ihren Dienst verrichtet. Alles in allem kann ich die P5 für den anspruchsvollen Anwender und Enthusiasten wärmstens empfehlen, rate aber dazu, zumindest zu einem kleinen Kühlkörper zu greifen - die dünne Metallplatte auf meinem B365M Pro-4F genügte bereits um die Temperaturen deutlich zu senken und ein drosseln zu verhindern.

Zum Schluss noch ein persönliches Fazit von mir zum Test: Es hat sehr viel Spaß gemacht, hat mir persönlich aber auch gezeigt, dass so ein Test deutlich mehr Arbeit ist, als man sich denkt. Vor allem war es nicht gerade einfach, konstante Testbedingungen sicherzustellen, weil sehr viele Faktoren bereits unterschiedliche Ergebnisse hervorrufen können. So ist im Test mit meinem Notebook zeitweise der Virenscanner angesprungen, was für ordentliche Leistungseinbrüche gesorgt hat. In der Hinsicht fühle ich mich in meiner Testmethodik, Tests mehrmals durchzuführen und Ergebnisse zu mitteln, sowie stark abweichende Ergebnisse nicht zu werten, bestätigt.
Die P5 setze ich nun als Arbeitslaufwerk primär für Videocutting und Konvertierung in meinem Server ein.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und ggf. Fragen oder Feedback - ist ja mein erster Lesertest :d
 

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