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[User-Review] Crucial P5 2TB M2 NVMe SSD im Benchmark

Stunrise

Semiprofi
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Hallo liebe Community,

in diesem Leserartikel werde ich die Crucial P5 2TB SSD mit drei anderen SSDs in Real World Gaming Tests prüfen. Ziel des Tests ist zu ermitteln welchen Einfluss die verschiedenen Leistungsklassen von SSDs auf Spiele haben. Besonders im Fokus sind dabei die bekannten Nachladeruckler durch Streaming der Spielwelt, welche unregelmäßige Frametimes in Spielen zur Folge haben.

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SSDs im Test
  • Intel Optane 900p 480GB (PCIe NVMe)
  • Western Digital SN750 1TB (M.2 NVMe)
  • Crucial P5 2TB (M.2 NVMe)
  • Samsung 860 Evo 500GB (SATA AHCI)
Die Crucial P5 SSD wurde mir von Hardwareluxx kostenfrei zugeschickt und ich darf diese nach Veröffentlichung des Leserartikels behalten. Einzige Bedingung ist die Veröffentlichung eines beliebigen Tests binnen vier Wochen nach Erhalt der SSD. Die restlichen drei SSDs waren bereits vorhanden.

Testsystem
  • Intel Core i9 7900X 4,7Ghz (3,2Ghz Mesh)
  • 32GB DDR4-3600 Quad Channel 16-16-16-32 1T (Custom Subtimings)
  • MSI RTX 3080 Ventus 1845Mhz 20,3Gbps
  • Windows 10 Pro 2004
  • Deaktivierte Meltdown/Spectre Patches
  • Deaktivierte C-States (max C1)
  • Speed Shirt Performance Mode (EPP 0)
Als Testsystem dient mein Gaming-PC, der nur beste Komponenten beinhaltet und von A-Z auf niedrigste Latenzen und höchste Leistung optimiert ist. Jede Energiesparfunktion fordert ihren Tribut in Form von erhöhten Latenzen, weshalb bis auf EIST und C1 alles deaktiviert ist. Dies gilt auch für alle Microsoft Mitigations gegen Spectre und Meltdown.

Ladezeiten in Spielen

Die Ladezeiten wurden mit der iPhone HighSpeed Kamera (240Fps) aufgezeichnet und im Anschluss über das Video die Ladezeit geprüft. Wie man erkennen kann, macht es für das Laden eines Spielstands absolut keinen Unterschied, was für eine SSD zum Einsatz kommt.
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Frametimes in Spielen

Zahlreiche Spiele haben durch ein Streaming der Spielwelt von der Game Engine immer wieder mit Einbrüchen bei den Frametimes zu kämpfen. Bekannte Spiele mit diesen Problemen sind Star Wars: Fallen Order und S.T.A.L.K.E.R, bei welchen ich die Frametimes mit CapFrameX getestet habe. Jede SSD wurde dabei 3 mal gemessen und der Durchschnitt ermittelt. Für einen brauchbaren Vergleich sind reproduzierbare Werte wichtig, weil ansonsten der Zufall über das Endergebnis entscheidet. Aus diesem Grund kann ich für S.T.A.L.K.E.R leider kein Diagramm liefern – ich habe permanent unterschiedliche Frametimes erhalten, welche absolut nicht reproduzierbar oder vergleichbar sind. In Star Wars: Fallen Order dagegen war der Verlauf gut reproduzierbar und ich konnte auch eine Szene finden, bei der reproduzierbar immer zum selben Moment ein Streaming Ruckler auftritt.


Im Video bei 0:42 kann man einen deutlichen Streaming Ruckler erkennen, welcher immer exakt an dieser Stelle auftritt. Neben dem reproduzierbaren Streaming Ruckler finden sich in der Benchmarkszene auch Kämpfe mit Gegnern, um ein realistisches Abbild des Spiels zu erzeugen. Getestet wurde in WQHD mit maximalen Details.
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Die verschiedenen SSDs liegen hauchdünn beisammen, lediglich die Optane SSD kann einen winzigen Vorsprung verbuchen. Die Streaming Problematik wird nicht spürbar durch schnellere SSDs entlastet.

Performance bei Aufzeichnung mit Geforce Experience

Die verwendete SSD hat keinerlei Einfluss auf die Performance während einer Geforce Experience Aufzeichnung. Es war vollkommen irrelevant, ob die Optane 900p oder Samsung 860 Evo zum Einsatz kommt, der Leistungsverlust beim Aufzeichnen (Instant Replay) mit GeForce Experience war absolut identisch. Ich erspare mir an dieser Stelle ein weiteres Diagramm, welches Unterschiede im Bereich der Messgenauigkeit zeigt.

CrystalDiskMark

Im CrystalDiskMark zeigt sich das zu erwartende Bild. Die Crucial P5 SSD hängt gemeinsam mit der WD Black SN750 im Schnittstellenlimit von PCIe 3.0 x4 und liefert durchgängig minimal bessere Performance, verliert allerdings bei 4K Random Write deutlich gegen die Konkurrenz. Die wichtigsten Werte für daily Use sind Sequential Read und Random 4K Read, vor allem bei letzterem kann die Crucial P5 sich leicht von der Konkurrenz absetzen. Die Optane schwächelt bei den sequentiellen Transferraten, zieht aber bei den wichtigen 4K Reads auf und davon. Die SATA SSD sieht kein Land mehr und kann nur noch bei den 4K Reads halbwegs mithalten.

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Fazit des SSD Tests

Im Gaming Alltag macht es absolut keinen Unterschied ob eine günstige SATA SSD, eine Oberklasse NVMe SSD oder ein Enthusiastenprodukt wie Optane zum Einsatz kommt. Schuld ist dabei nicht die Leistungsfähigkeit der SSDs selbst, sondern dass beim Gaming die SSD kaum benötigt wird. Höherpreisige NVMe SSDs sind extrem schnell und um ein vielfaches leistungsfähiger als die günstigen SATA-Varianten, können diese hohe Performance aber weitestgehend nur in synthetischen Szenarien ausspielen.

Ich habe mich bewusst für Real World Tests entschieden, welche im Vergleich zu synthetischen Benchmarks immens aufwändig sind, weil Unboxing-Videos und schöne Fotos schon Zuhauf im Netz zu finden sind und mir keinen Mehrwert liefern. Unglaublich gerne hätte ich euch neue Erkenntnisse präsentiert - aber die Realität ist, dass aus gutem Grund fast keine Gaming Tests zu SSDs existieren. Unterschiede sind entweder nicht vorhanden oder so gering, dass sie im Bereich der Messgenauigkeit liegen. Ich für meinen Teil ziehe aus dem Test die Konsequenzen und verkaufe deshalb die Optane SSD, da sie mir keinen Vorteil in der Praxis bietet.

Crucial P5 M.2 SSD

Die Crucial P5 ist eine NVMe SSD der Oberklasse mit TLC Speicher und liefert eine gute Leistung, die in etwa auf Augenhöhe mit einer Samsung 970 Evo und Western Digital Black SN750 ist. DRAM, Garantie und TBW entsprechen der Oberklasse und gleichen denen der zwei genannten Konkurrenzprodukte. Problematisch ist in meinen Augen der derzeitige Marktpreis von mehr als 300€, welcher in direkter Konkurrenz zu den nochmals schnelleren SSDs mit PCIe 4.0 liegt und gleichermaßen auch 20€ überhalb der gleichwertigen 970 Evo von Samsung.
 
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thb

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Es kommt wohl auch auf das Spiel an, ob bzw. welche Unterschiede in den Ladezeiten auftreten.
Techspot hat dazu einen durchaus umfangreichen Test gemacht. Teilweise sind keine Unterschiede zwischen PCIe und Sata SSD vorhanden, bei einigen Spielen wurde jedoch ein Unterschied von mehreren Sekunden gemessen.
 

Stunrise

Semiprofi
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@thb
In meinem Test waren absolut alle Ladezeiten fast pixelgenau gleich lang und zwar über alle Spiele und alle SSDs. Outer Worlds habe ich explizit mit getestet und da war die Optane um rund 0,1s schneller als die anderen drei. Techspot hat bei Outer Worlds recht große Unterschiede identifiziert, aber ich kann bei meinem Setup dieses Verhalten nicht nachvollziehen. Überhaupt sind deren Ladezeiten ungewöhnlich schnell, dort arbeitet ein Ryzen 3900X und die laden das Game in 11s, während bei mir mit dem 7900X 4,7Ghz 14,5s fällig werden (+31%). Natürlich verwenden wir andere Savegames, aber ich kann es mir in der Summe nicht erklären - weder die Unterschiede zwischen den SSDs, noch die allgemein extrem niedrigen Ladezeiten.

Ich bin in diesen Test völlig ohne Erwartung gegangen und wollte neutral wissen, wie gut sich die SSD in meinem Setup schlagen und welche SSD ich danach verkaufe (ich brauch ja keine drei SSDs). Am Ende ists die Optane geworden (ist schon im MP), weil ich beim allerbesten Willen keinen Vorteil in der Praxis für mich erkennen kann. SATA oder QLC (mit 80MB/s) würde ich jetzt zwar nicht kaufen, aber ein größerer Aufpreis für Luxus SSDs ist nüchtern nicht zu rechtfertigen. Eine typische NVMe TLC SSD mit DRAM wie Samsung 970 Evo, Crucial P5, WD SN750 usw. ist die goldene Mitte.

Für mich ist nach dem Test klar: Möchte man die Performance einer SSD wissen, reicht ein Blick auf CrystalDiskMark. Man erfährt in acht Disziplinen die Maximalleistung der SSD ohne externe Einflüsse. Gaming Benchmarks dagegen sind, als würde man für einen Sportwagentest die Zeit messen, welche für die Fahrt zur Arbeit gebraucht wird. Da bringt die Leistung unter der Haube nichts, wenn mit Tempo 50 von Ampel zu Ampel gefahren wird.
 
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DJMCM

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Unter Oberklasse NVMe SSD würde ich eine PCIe 4.0 x4 verstehen. PCIe 3.0 ist doch mittlerweile eher Standard.
Es wäre interessant gewesen, statt der WD Black SN750 eine SN850 zu testen oder eine Sabrent Rocket 4 Plus, Samsung 980 PRO oder ADATA XPG Gammix S70. 🙂
 

Stunrise

Semiprofi
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@DJMCM
In der Tat wäre eine PCIe 4 SSD noch interessant gewesen, aber erstens besitze ich keine und zweitens kann Intel auch heute noch kein PCIe 4. Die Optane 900p sollte in meinem Test das Maximum darstellen, auch wenn die sequentiellen Raten etwas schwächer sind. Ich persönlich sehe die Klassifizierungen aktuell so
  • Garbage: SATA ohne DRAM sowie SATA mit QLC (z.B. 860QVO)
  • Entry: SATA TLC mit DRAM sowie NVMe mit QLC (MX500, 860Evo, P1, 660p)
  • Midrange: NVMe ~1,6Gbyte/s
  • Performance: NVMe ~3,2Gbyte/s
  • High End: NVMe ~6Gbyte/s
Unterhalb von Midrange würde ich nichts mehr kaufen, weil der Aufpreis gering und der Vorteil gegenüber SATA und QLC (in aktueller Iteration) schon erheblich ist. Für die High End SSDs mit PCIe 4 dagegen finde ich keine Gründe, die einen größeren Aufpreis (<10%) rechtfertigen - aus gutem Grund ist die Optane rausgeflogen und schon auf dem Weg zu ihrem neuen Besitzer @derfiese
 
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