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[User-Review] AVerMedia Ai Speakerphone AS311 - USB Freisprecheinrichtung mit KI-Geräuschunterdrückung

Gliederung:
  1. Einleitung (Technik, Features & „Einrichtung“)
  2. Detailbetrachtung (Unboxing, Optik, Haptik, Bedienung)
  3. Soundqualität von Lautsprecher & Mikrofon
  4. Ai-Geräuschunterdrückung
  5. Exkurs: Gaming
  6. Fazit

Zunächst einmal vielen Dank an Hardwareluxx und AVerMedia für die Bereitstellung des Testsamples und Ermöglichung des Lesertests!

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1. Einleitung

In meinem Testbericht möchte ich euch die smarte Konferenzlösung aus dem Hause AVerMedia vorstellen. Bei dem Ai Speakerphone AS311 handelt es sich um eine USB-Freisprecheinrichtung, bestehend aus Lautsprecher und Mikrofon. Das omnidirektionale Mikrofon soll eine 360° Audio-Abdeckung aus bis zu 3m Entfernung ermöglichen. Alleinstellungsmerkmal an diesem Modell ist die hardwareseitig integrierte „KI-Geräuschunterdrückung“. Diese verspricht Hintergrundgeräusche und Echos unabhängig von der verwendeten Software herauszufiltern.

Das Gerät selbst ist Plug & Play und benötigt keinerlei Software. Nach Anschluss des USB-Kabels, kann man „AVerMedia Speakerphone AS311“ unabhängig voneinander für Lautsprecher & Mikrofon auswählen.

Die UVP liegt bei 149€.

2. Detailbetrachtung

Die Konferenzlösung misst 12 x 8 x 4 cm (LxBxH) und wiegt 195 Gramm. Das Gehäuse besteht aus mattschwarzem Kunststoff. Große Teile der Oberseite sind mit einem feinmaschigen Stoff eingefasst. Die darunterliegende Lautsprechermembran wird durch viele kleine Aussparungen im Kunststoff geschützt. Die Unterseite ist großzügig gummiert und verhindert souverän ein Verrutschen des Gerätes. Die Rückseite des AS311 beheimatet den USB-C Anschluss.

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Auf der Oberseite befinden sich insgesamt fünf Touch-Tasten. Zwei davon sind für die Lautstärkeregulierung. Die Lautstärke lässt sich in 6 Stufen regeln (100%, 84%, 58%, 32%, 16%, 0%) und wird visuell durch die darüberliegenden blauen LEDs dargestellt. Ein aktivieren des Mute-Button lässt die LEDs rot erstrahlen. Überrascht hat mich, dass der Stummschalt-Status auch mit Microsoft Teams synchronisiert wird. Man kann also beispielsweise an der Freisprecheinrichtung das Mikrofon muten und in der Software die Stummschaltung wieder aufheben.

Des Weiteren gibt es noch einen beleuchteten Button zum (de-)aktivieren der Ai-Geräuschunterdrückung und einen Hotkey. Der Hotkey funktioniert nur unter Windows und öffnet den Web-Browser. Da es wie eingangs erwähnt keine Software gibt, lässt sich der Hotkey auch nicht umkonfigurieren. Man stellt sich unweigerlich die Frage, ob man da keine sinnvollere Funktion hätte finden können.

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An Optik und Haptik der Konferenzlösung gibt es nichts auszusetzen. Die Touch-Tasten reagieren zuverlässig, die LEDs blenden nicht, ungleichmäßige Spaltmaße sucht man vergebens und das Gesamterscheinungsbild passt gut in ein Businessumfeld. Entgegen einiger Kundenrezensionen hatte ich auch keine Probleme die Freisprecheinrichtung an einem (passiven) USB2.0-Switch zu betreiben.

Zum weiteren Lieferumfang gehört noch eine Kurzanleitung sowie ein 2m langes USB-C auf USB-A Kabel. Da sich das kompakte Gehäuse gut für den mobilen Einsatz eignet und auch damit geworben wird, hätte ich mir hier noch ein Transportetui gewünscht um den Stoff auf der Oberseite beim Transport zu schützen.

3. Soundqualität

Lautsprecher


Der mit 3W angegebene Lautsprecher ist ausreichend laut für den Heimbedarf und kleineren Gruppen. Ich lasse sie bei Telefonkonferenzen daheim meistens auf Stufe 5/6 laufen. Um die Maximallautstärke einmal grob in Relation setzen zu können, habe ich mir ein paar Geräte geschnappt, ein Lied abgespielt und eine Schallpegelmessung aus 20 cm Entfernung gemacht. (Kurze Anmerkung: 10dB soll für das menschliche Gehör wie eine Verdopplung der Lautstärke empfunden werden.)

Maximallautstärke:
78 dB - Pixel 5 (Smartphone)
80 dB - PC Monitor
85 dB - Ai Speakerphone AS311
95 dB - JBL Charge 3

Klanglich sollte man es besser bei Sprachwiedergaben und YouTube Videos belassen. Ich bin mir nicht sicher, ob hier eine Anhebung von Mittenfrequenzen zugunsten der Sprachwiedergabe erfolgt oder ob es am Lautsprecher selbst liegt. Musik klingt jedenfalls gar nicht gut damit.

Mikrofon

Für die Mikrofonqualität möchte ich an dieser Stelle auf das Video aus dem Hardwareluxx Kurztest von Dennis Bode verweisen. Besser als in dem Video kann ich es nicht machen, deswegen beleuchte ich lieber andere Aspekte der Geräuschunterdrückung in meinem Test. Er vergleicht dort u.a. die Konferenzlösung mit einem Streaming Mikrofon. Das Video unterstreicht auch exakt meinen Eindruck und das Feedback der Kollegen. Man wird gut verstanden, die Stimme ist aber doch etwas „dumpfer“ bzw. „flacher“ und leiser als mit einem Headset oder Streaming Mikrofon. Dies war physikalisch bedingt, durch den größeren Abstand zum Mikrofon aber auch nicht anders zu erwarten.

Der Hersteller wirbt mit Aufnahmen aus bis zu 3m Entfernung. Um dies zu überprüfen habe ich aus verschiedenen Entfernungen einen kurzen Satz aufgenommen, diesen dann wieder über die Konferenzlösung abgespielt und die Lautstärke am Gerät gemessen. (Referenzwert: Der gesprochene Originalpegel aus 0,5m Entfernung lag bei 60dB also normale Sprachlautstärke.)

Lautstärkeabnahme auf Entfernung:
0,5m - 57 dB
1,0m - 55 dB
2,0m - 52,5 dB
3,0m - 51 dB

Ja, es funktioniert aus bis zu 3m. Die Entfernung zum Mikrofon hört man ab 2m allerdings recht deutlich heraus und die Lautstärke nimmt spürbar ab. Alles über 50dB sollte in Konferenzen noch keine Probleme bereiten. Man sollte aber besser nicht damit planen, die Telefonkonferenzen fortan auf dem 3m entfernten Sofa durchzuführen. 😉 Um eine gute Audioqualität beim Empfänger zu gewährleisten, empfiehlt es sich im Mittel nicht weiter als 1m-1,5m von der Konferenzlösung entfernt zu sein. Durch das großzügig bemessene USB Kabel sollte das aber kein Problem darstellen. Getestet habe ich ebenfalls die Ausrichtung der Konferenzlösung (Stichwort: 360° Audio-Aufnahmen). Hier konnte ich keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Ob man sich vor, seitlich oder hinter dem Gerät befindet spielt also keine Rolle.

4. Ai-Geräuschunterdrückung

Da ich eine mechanische Tastatur mit Clicky Switches benutze, war mir besonders wichtig wie gut die AI-Geräuschunterdrückung beim Tippen funktioniert. Dafür habe ich ein Video erstellt und die Geräuschunterdrückung mit einer Laptoptastatur, zwei mechanischen Keyboards und einem Switch Tester auf den Prüfstand gestellt. Die Konferenzlösung stand dabei ca. 15 cm links von der Tastatur.


Das Video spricht für sich. Die Ergebnisse sind wie ich finde ich hervorragend.

Wie mir während des Testens (bzw. beim Versuch den Kollegen die Ai Geräuschunterdrückung in MS Teams vorzuführen) aufgefallen ist, ist die softwareseitige Geräuschunterdrückung in Programmen wie MS Teams mittlerweile aber auch schon sehr gut. In Kombination mit der hardwareseitigen Ai-Geräuschunterdrückung lassen sich die Ergebnisse aus dem Video noch weiter verbessern.


5. Exkurs: Gaming

Obgleich die Freisprecheinrichtung für den produktiven Einsatz gedacht ist und nicht für Gaming-Zwecke beworben wird, lässt sie sich selbstverständlich auch mit Discord, Teamspeak oder direkt im Spiel verwenden.

Die für mich interessante Frage war hier, ob sich dank der Ai-Gräuschunterdrückung Voice Activation sinnvoll nutzen lässt. Meine vergangenen Versuche mit einem USB-Tischmikrofon sind dahingehend kläglich gescheitert. Um es kurz zu machen, ja es ist möglich. Die Geräuschunterdrückung, ebenfalls in Kombination mit den Softwarelösungen der Programme, macht auch hier einen guten Job. Tastaturanschläge und der Spielesound aus den offenen Kopfhörern werden gefiltert, was eine zuverlässige Sprachaktivierung ohne ungewolltes übertragen ermöglicht.

Allerdings stellte sich beim Test ein anderes Problem heraus, was in ruhigen Telefonkonferenzen nicht so zum Tragen kommt. Der Eingangspegel von einem Headset-Mikrofon ist einfach deutlich höher als von der Freisprecheinrichtung. Da beim Gaming meistens ein Headset-Mikro benutzt wird und alle Teilnehmer die Lautstärke darauf abgestimmt haben, ist man selbst im hitzigen Feuergefecht oder online Rennen mit Motorenlärm schlicht relativ leise und wird nicht mehr gut verstanden. Einen „Mikrofon Boost“ sucht vergebens. Demnach funktioniert die Konferenzlösung zwar fürs Gaming, ist aber keine optimale Lösung.


6. Fazit:

Der AVerMedia Ai Speakerphone AS311erfüllt im Test meine Erwartungen. Das Arbeiten im Homeoffice ist ohne Headset einfach viel bequemer. Sei es, um bei Anrufen nicht ständig das Headset aufsetzen zu müssen oder im sommerlichen Meeting-Marathon stundenlang das Headset zu tragen. Ich möchte das Gerät nicht mehr missen. Die hardwareseitige Geräuschunterdrückung funktioniert hervorragend und ergänzt ggf. vorhanden Softwarelösungen. Die Audioqualität ist dabei zufriedenstellend. In meinem zweiwöchigen Firmeneinsatz hat sich niemand über die Qualität beschwert und ich wurde von allen gut verstanden. Kleiner Wehrmutstropfen ist, dass sich die Freisprecheinrichtung qualitativ nicht für Musikwiedergabe und nur eingeschränkt als Mikrofonersatz im Gaming-Szenario eignet. Fairerweise muss man sagen, dass dies auch nicht die Intention des Gerätes ist und damit auch nicht geworben wird. Haptik und Optik ist sehr gut, lediglich ein Transportetui für den mobilen Einsatz vermisse ich etwas im Lieferumfang.

Alleinstellungsmerkmal dieser Konferenzlösung ist die hardwareseitige KI-Geräuschunterdrückung. Wer eben jene haben möchte, kommt aktuell nicht um das Ai Speakerphone AS311 für knapp 140€ Straßenpreis herum.


Pro:
  • Optik & Haptik
  • Komfortable Nutzung
  • Hervorragende Geräuschunterdrückung
  • Zufriedenstellende Audioqualität
  • 360° Audioaufnahmen aus Entfernungen bis 3m möglich
Con:
  • Musikwiedergabequalität
  • Eingeschränkte Gaming-Tauglichkeit (Lautstärke Mikrofon)
  • Kein Transportetui im Lieferumfang
 
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