> > > > Endgültige Aufhebung des Websperren-Gesetz in Reichweite

Endgültige Aufhebung des Websperren-Gesetz in Reichweite

PDFDruckenE-Mail

Erstellt am: von

bundesregierungDas 2009 beschlossene „Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten“, im Allgemeinen mit der Einrichtung von Websperren in Deutschland verbunden, soll nun endgültig aufgehoben werden. Die Bundesregierung hat gestern einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Bisher wurde es lediglich auf Beschluss amtierenden Koalition nicht angewendet, nachdem es 2010 in Kraft trat. Stattdessen soll der Ansatz „Löschen statt Sperren“ weiter konsequent verfolgt werden.

Das noch unter der der großen Koalition ausgearbeitete und beschlossene Gesetz wurde trotz schwerer Bedenken, lautstarker Proteste und 130.000 Unterschriften in einer Online-Petition im Juni 2009 mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD vom Bundestag und im Juli des gleichen Jahres vom Bundesrat verabschiedet. Insbesondere die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen warb für dieses Gesetz und die Einrichtung von „Stoppschildern“, die statt der aufgerufenen Seite über die illegalen Inhalte und die rechtlichen Folgen aufklären sollte. Die Internet-Gemeinde brachte sie mit dem Vorhaben und Werben für diese Sperren mehrheitlich gegen sich auf.

Kritik erntete das „Zugangserschwerungsgesetz“ durch die geplante Einrichtung einer Infrastruktur zum Sperren von Seiten bei den Providern und einer vom Bundeskriminalamt (BKA) gepflegten geheimen Sperrliste. Zum einen wurde die technische Wirksamkeit angezweifelt, zum anderen blieben die Inhalte damit weiter im Netz. Statt diese nur zu blockieren, wäre es sinnvoller diese zu löschen. Trotz gegenteiliger Beteuerungen gab und gibt es immer wieder Begehrlichkeiten diese Sperren auch auf andere Bereiche auszuweiten, ob zum Jugendschutz oder zur Verhinderung von illegalem Glücksspiel.

Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler im Jahr 2010 das Gesetz trotz Bedenken gegenüber der Verfassungsmäßigkeit unterschrieben hatte, wies die mittlerweile regierende CDU/FDP-Koalition das zuständige Bundeskriminalamt an, das Sperren von Webseiten nicht in die Praxis umzusetzen, nachdem die FDP im Koalitionsvertrag ihre Position durchsetzen konnte. Stattdessen wurde nur das Löschen entsprechender Seiten verfolgt. Auch in Europa besetzt man mittlerweile diesen Standpunkt, nach dem auch dort die Forderungen nach einer gemeinsamen Sperrinfrastruktur laut wurden.

Begründet wird der Schritt mit dem steigenden Erfolg der Löschbemühungen und einer verstärkten Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden, Organisationen und privaten Unternehmen. Da dies mittlerweile entsprechend schnell geschehe, sei die Sperrung solcher Seiten nicht mehr notwendig. Zudem könnten diese umgangen werden. Im Großen und Ganzen schließt man sich damit den ursprünglichen Kritikpunkten an. Dennoch will man die Strategie „Löschen statt Sperren“ weiter prüfen und sich weiter vom Erfolg überzeugen. Die Forderung des Bundesrates gesondert in einem Bericht bis Ende 2012 darüber informiert zu werden, lehnte die Bundesregierung allerdings ab, die derzeitigen Bemühungen seien ausreichend.

Weiterführende Links: 

 

Social Links

Ihre Bewertung

Ø Bewertungen: 0

Tags

es liegen noch keine Tags vor.

Kommentare (6)

#1
customavatars/avatar153094_1.gif
Registriert seit: 08.04.2011
Ruhrgebiet
Oberstabsgefreiter
Beiträge: 402
Löschen statt Sperren! Gut so! :)
#2
Registriert seit: 20.03.2006

Kapitän zur See
Beiträge: 3333
Genau alles andere ist augenwischerrei :)
#3
Registriert seit: 20.01.2011

Stabsgefreiter
Beiträge: 269
... und gleichzeitig nach der Vorratsdatenspeicherung brüllen. Morgen gibts dann Kindergärten für Kinder ab 18 und einen Rabatt auf Maut-Gebühren für LKW-Fahrer ohne Führerschein und eine GEZ-Befreiung für Tote.
#4
customavatars/avatar135109_1.gif
Registriert seit: 24.05.2010

Oberbootsmann
Beiträge: 770
dann werden viele seiten aus dem netz verschwinden die den politikern nicht gefallen oh ich seh schwarz für die zukunft des internets
#5
Registriert seit: 06.05.2010

Matrose
Beiträge: 0
China machts vor.. alles sperren was stört!
Dennoch bin ich dafür das die besagten Seiten besser gelöscht werden. Auch wenn der Herr Staat sicherlich auch andere Seiten einfach so löschen wird (ausversehn).
#6
customavatars/avatar108710_1.gif
Registriert seit: 17.02.2009
Hamburg-City
Matrose
Beiträge: 19
Zitat
Die Forderung des Bundesrates gesondert in einem Bericht bis Ende 2012 darüber informiert zu werden, lehnte die Bundesregierung allerdings ab, die derzeitigen Bemühungen seien ausreichend.

Ja, ja: Stoppseiten anlegen, aber keine Rechenschaft darüber ablegen...
Die machen sich ja lächerlich!
Um Kommentare schreiben zu können, musst Du eingeloggt sein!

Das könnte Sie auch interessieren:

Mega ist gestartet

Logo von MEGA-LOGO

Genau ein Jahr nach dem Sturm des Privatgeländes in Neuseeland und der Zerschlagung sowie Beschlagnahmung von Megaupload (bzw. der Server) hat Kim Dotcom Schmitz seinen nächsten Service für den Austausch von Daten im Internet gestartet: Mega. Schmitz selbst bezeichnet seinen Service als "Cloud... [mehr]

Schwerwiegende Sicherheitslücke in der aktuellen Java-Version (Update 3)

Logo von JAVA

Seit einigen Tagen ist eine schwerwiegende Sicherheitslücke in der aktuellen Java-Version bekannt. Das BSI empfiehlt sogar die Deinstallation des Plugins. Bei der betroffenen Version handelt es sich um die Java-Version 7 Update 10. Die betroffene Sicherheitslücke wird offenbar bereits von... [mehr]

Langsame YouTube-Verbindung: Telekom nimmt sich Problem an

Logo von TELEKOM

In unserem Forum häuften sich während der letzten Wochen Threads bezüglich einer langsamen Internetverbindung im Zusammenhang mit der Deutschen Telekom und der Videoplattform YouTube. Als jüngstes Beispiel beklagte unser Leser „Devon“, dass der Video-Dienst nur sehr langsam bei ihm... [mehr]

Telekom ab dem 2. Mai mit Volumendrossel beim DSL (2. Update)

Logo von TELEKOM2

Bereits vor zwei Monaten berichteten wir auf Grund einer Meldung in der Fanboys-"Redaktion" von einer Änderung der DSL-Tarife bei der Deutschen Telekom. Nach zahlreichen Beschwerden und unbestätigten Gerüchten meldete sich die Telekom darauf hin selbst in ihrem Blog zu Wort und bestätigte eine... [mehr]

Google zeigt neues YouTube-Design - jetzt testen

Logo von YOUTUBE

Der US-Suchmaschinenspezialist Google werkelt bereits seit einiger Zeit an einem neuen Design für die beliebte Video-Plattform YouTube. Ab heute können sich Nutzer selbst ein Bild von der neuen Website-Gestaltung machen. Um das neue Design testen zu können, müssen Interessierte in die Konsole... [mehr]

WhatsApp nun sicherer - auf Android nicht mehr kostenlos

Logo von WHATSAPP

Die Entwickler hinter WhatsApp haben ihre App für iOS und Android aktualisiert und dabei gravierende Sicherheitslücken gestopft, die es unter anderem möglich gemacht haben fremde Accounts zu übernehmen. Auch die Übertragung der Chats als solches war alles andere als sicher und soll nun... [mehr]