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Kurz vor dem Start von iOS 8: Die wichtigsten Neuerungen

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Bevor Apple am kommenden Freitag den Marktstart seiner neuen iPhone-Generation in Deutschland vollziehen wird, erfolgt heute im Laufe des Abends noch die Veröffentlichung der neuen iOS-Version. Vermutlich gegen 19:00 Uhr wird Apple den Download von iOS 8 über iTunes und als OTA-Update freischalten. Die neue Betriebssystem-Generation kann ab dem iPhone 4S oder iPad 2 installiert werden. Unterstützt werden aber auch die beiden Generationen des iPad mini sowie der iPod touch der fünften Generation. Ob ältere Geräte allerdings im Hinblick auf die Performance mit Abstrichen bei einigen der neuen Funktionen zu rechnen haben, bleibt abzuwarten. Wir werfen in diesem Beitrag einen Blick auf die wichtigsten Neuerungen in iOS 8.

Nur kleinere Anpassungen am Design

Auf den ersten Blick wird sich optisch nicht viel tun, bleibt das mit iOS 7 eingeführte flache Design doch weiter bestehen. Ein paar Änderungen wird es hier und da aber geben. Allen vorne heran hat Apple die Bedienelemente und das Design des Kontrollzentrums, welches sich mit einem Wisch von unten nach oben öffnen lässt, einer optischen Überarbeitung unterzogen. Über das Kontrollzentrum erhält man weiterhin einen schnellen Zugriff auf die Kamera, die Taschenlampenfunktion, den Taschenrechner und weitere wichtige Einstellungen wie WLAN, Bluetooth und den Flugzeug-Modus. Einige wichtige System-Einstellungen sind nun in neuen Unterkategorien zusammengefasst.

Überarbeitung der systemeigenen Apps

Auch die iOS-eigenen System-Apps haben eine Überarbeitung erfahren. Die iMessage-App, über die auch SMS- und MMS-Nachrichten verschickt werden können, wurde um einige neue Funktionen erweitert – wohl aufgrund der starken Messenger-Konkurrenz durch Facebook oder WhatsApp. Ab sofort erlaubt iMessage den Versand von kurzen Videoclips und Sprachnachrichten. Selfie-Fans können zudem besonders schnell ein Portrait von sich direkt über iMessage verschicken. Ebenfalls angepasst wurde das Management von Gruppenchats. Der eigene Standort lässt sich nun ebenfalls teilen. Zudem kann unter iOS 8 auch direkt auf Nachrichten-Notifications reagiert werden. In der Mail-App können Entwürfe nun auch während der Bearbeitung temporär als Entwurf an den untern Bildschirmrand geschoben werden, um beispielsweise weitere Details aus einer anderen E-Mail heraussuchen zu können. Bislang musste der Vorgang immer abgebrochen und die Mail erneut von vorne getippt werden.

Der Kalender bekam eine neue Listenansicht spendiert, die nun einfacher zu erreichen ist. Zudem berücksichtigt die App ab sofort auch die Anfahrtszeit zum nächsten Termin und unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslange, ähnlich wie es Google Now kann.

Handoff

Ein wichtiges neues Features von iOS ist Handoff. Darüber lässt sich beispielsweise eine E-Mail auf dem iPad schreiben und an das iPhone weitergeben, wo die Mail dann zu Ende geschrieben und abgeschickt werden kann. Gleiches funktioniert mit Nachrichten, Safari, Pages, Numbers, Keynote, Karten, Erinnerungen, Kalender und dem Adressbuch. Selbst Telefonate können an andere Apple-Geräte weitergegeben werden, auch wenn sie eigentlich nicht über eine Telefonfunktion verfügen. Voraussetzung für iOS-Geräte ist allerdings Version 8.0, für Mac-OS-X-Geräte hingegen Mac OS X 10.10 Yosemite, das sich derzeit noch in der Betaphase befindet und erst im Herbst veröffentlicht werden wird.

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Klappt man das MacBook zu und hatte den Safari-Browser geöffnet, kann man auf dem iPhone dank Handoff schnell auf die zuletzt geöffnete Seite wechseln.

Den Sprachassistenten Siri hat Apple ebenfalls verbessert. Ab sofort kann dieser auch auf Zuruf von „Hey Siri“ gestartet werden, sofern das iOS-Gerät mit einer externen Stromquelle verbunden ist. Die Musik im Radio, der Kneipe oder in der Diskothek soll Siri in Verbindung mit Shazam nun ebenfalls erkennen können.

Akku und Multitasking

Wer wissen möchte, welche Apps wie viel Akku-Zeit kosten, erfährt dies ab sofort in iOS 8. In den Einstellungen werden alle Apps aufgelistet, die am meisten Energie benötigen. Die Daten werden dabei übersichtlich aufgelistet und lassen sich nach 24 Stunden oder 7 Tagen auflisten.

Ebenfalls überarbeitet wurde die Multitask-Ansicht, die der Doppelklick auf den Homebutton aufgerufen wird. Diese listet künftig nicht nur die zuletzt genutzten Programme auf, sondern auch die wichtigsten Kontakte, die aus dieser Ansicht heraus auch direkt kontaktiert werden können. Kleine Veränderungen gibt es in Safari und Mail: Letzteres bietet übersichtlichere Markierungsoptionen und eine vereinfachte Bedienung hinsichtlich der Verwaltung von Nachrichten, im Browser werden in iOS 8 geöffnete Tabs nun besser angezeigt.

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In iOS 8 gibt es nun detaillierte Informationen über den Akku-Verbrauch von Apps.

Bessere Suche und neue Tastaturen

Ähnlich wie beim Desktop-OS wird auch die mobile Plattform mit einer verbesserten Suche versehen. Spotlight für iOS durchsucht unter iOS 8 nicht mehr nur lokale Daten und befragt Suchmaschinen, sondern kann auch iTunes und andere Applikationen berücksichtigen.

Von der Konkurrenz übernommen hat man die neue Tastatur. Diese ist lernfähig - die gesammelten Daten sollen das Gerät nicht verlassen - und soll nach einer gewissen Eingewöhnungszeit passende Vorschläge für das vermutlich nächste Wort einblenden. Wem dies nicht reicht: Künftig können Tastaturen nachgerüstet werden, wie beispielsweise die SwiftKey-Tastatur, welche heute ebenfalls veröffentlicht werden soll.

HealthKit statt HealthBook

Komplett neu ist HealthKit. Dahinter verbirgt sich die Option, Drittanbieter-Apps zum Thema Sport und Gesundheit in einem festen Rahmen zusammenzufassen. Auf diesem Weg sollen die jeweils von unterschiedlichen Geräten erfassten Daten zusammengeführt und übersichtlich dargestellt werden. Auf Wunsch können diese Informationen auch an Gesundheitseinrichtungen weitergeleitet werden, zunächst unterstützen dies jedoch nur einige ausgewählte in den USA.

An Familien wendet man sich mit Family Sharing. Mit dieser Funktion lassen sich verschiedene iPhones und iPads als Familie definieren, Fotos, Kalendereinträge und Erinnerungen werden dann automatisch untereinander ausgetauscht. Ebenfalls möglich ist das Ermitteln der Position eines bestimmten Geräts, ähnlich der Freunde-App. Eine nutzerfreundliche Option: Mit einem Account innerhalb der Familie gekaufte Inhalte können mit bis zu für anderen Familienmitglieder getauscht werden - ohne, dass diese mit dem selben Account genutzt werden müssen. Mehr Schutz bietet der App Store: Will ein Kind ein Programm erwerben, muss ein Elternteil dem zustimmen - auch wenn der Nachwuchs dafür ein eigenes Gerät nutzt.

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Die Apple-Health-App.

iCloud Photo ohne Limit

Entfernt wird das Limit innerhalb von iCloud Photo. Damit stehen auf allen Geräten eines Account sämtliche Aufnahmen zur Verfügung, die innerhalb eines gewissen Rahmens auch bearbeitet werden können. Diese Option wird es auch auf Macs geben, allerdings erst im Laufe des kommenden Jahres. Dann soll eine komplett neue Fotoanwendung für OS X veröffentlicht werden. Ein Nachteil: Anders als bislang belegen Fotos einen Teil des iCloud-Kontingents. Wie bislang werden jedoch lediglich 5 GB kostenlos zur Verfügung gestellt, 20 zusätzliche GB werden 0,99 US-Dollar pro Monat kosten, 200 GB hingegen 3,99 US-Dollar pro Monat. Die Preise hatte Apple in den letzten Tagen schon angepasst und seine Bestandskunden beschenkt.

Auch unter iOS verfügbar sein wird iCloud Drive. Auf diesem Wege soll das plattformübergreifende Bearbeiten und Abgleichen von Daten deutlich vereinfacht werden, welche Apps auf die Cloud zugreifen können, ist aber noch unklar.

Vorteile für Entwickler und Widgets

Vor allem für Entwickler interessant dürften die Veränderungen innerhalb des App Stores sein. Dort wird es nach dem Update mehr Top- und Emfpehlungslisten geben, zudem können App-Pakete angeboten werden.

Ebenfalls für Entwickler, aber auch für Nutzer wichtig: Applikationen können künftig Daten untereinander austauschen. Zwar werden Programme nach wie vor in einer Sandbox ausgeführt, der Weg führt dabei aber immer über eine Zwischenebene - eine unmittelbare Kommunikation gibt es aus Sicherheitsgründen nicht. Nicht erwartet wurden hingegen Widgets. Diese unter anderem von Android her bekannten Elemente werden auch unter iOS 8 verfügbar sein, allerdings nur im Zusammenspiel mit der Benachrichtigungszentrale sowie innerhalb von Safari.

Entfernt hat man hingegen einige Einschränkungen aus Touch ID. Kann man derzeit per Fingerabdruck lediglich das iPhone entsperren und Käufe im App Store oder in iTunes bestätigen, sollen künftig auch Drittanbieter auf den Sensor zugreifen können. Nach wie vor werden die Fingerabdrücke selbst aber nur lokal im Gerät innerhalb eines sicheren Speichers abgelegt, die App erhält lediglich die Information, ob der Abdruck korrekt oder falsch ist.

Smart Home und Metal

Im Gegenzug zeigte man sich bei HomeKit sehr offen. Dahinter verbirgt sich der vermutete Einstieg in die Smart-Home-Welt in Form eines neuen Protokolls - eigene Hardware ist zumindest vorerst nicht geplant. Unterstütz werden sollen unter anderem Schlösser, Lichter, Thermostate und Kameras, die auch in Gruppen zusammengefasst werden können. Die Bedienung erfolgt entweder per App oder via Siri, dabei sind auch Makros erstellbar und nutzbar.

Erneut an Entwickler wendet Apple sich mit Metal. Dahinter verbirgt sich eine optimierte Erstellung von Spielen, vor allem durch die Reduzierung des Overheads bei OpenGL. Für Spieler bedeutet dies: Bei gleicher Systemleistung sollen die entsprechend erstellten Programme deutlich mehr Grafikqualität liefern können. Ein Aushängeschild könnte dabei EA mit seiner Frotsbite-Engine werden, die gleichzeitig angekündigt wurde.

Update: Inzwischen hat Apple den Download für iOS 8 freigegeben.