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Bericht: Eine Woche Touch-Bedienung mit Windows 8

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Gut eine Woche habe ich inzwischen mit Windows 8 auf einem IdeaCentre A720 von Lenovo verbracht - Zeit also für ein Fazit. Auf unserer Themenseite zu Windows 8 haben wir uns bereits die Performance, den Einsatz auf älterer Hardware und auch die Touch-Bedienung auf mobilen Geräten unter die Lupe genommen. Mit Windows 8 macht Microsoft ohne Frage einen Schritt in die richtige Richtung, denn auch wenn frühere Windows-Versionen bereits in der Lage waren per Touch bedient zu werden, ausgelegt waren sie auf die klassische Bedienung mit Maus und Tastatur. Die Metro-Oberfläche (wir werden diesen Begriff sicherlich noch eine Zeit lang hören, auch wenn Microsoft sich für "Windows 8 style UI" entschieden hat) bietet sich einfach für eine Bedienung mit den Fingern an und ist so auch von Microsoft ausgelegt worden.

Wie kommt das neue Design in Kombination mit dem klassischen Desktop also auf einem All-in-One-System mit Touch-Display an? Dazu haben wir das IdeaCentre A720 von Lenovo verwendet. Es bietet einen Intel Core i7, 8 GB Arbeitsspeicher, eine 1 TB HDD und ein 27-Zoll Display mit einer Auflösung von 1920x1080 Pixel. Dies sind allerdings nicht die entscheidenden Werte des Systems, denn hier geht es um die Bedienung und diese ist neben den Klassikern wie Maus und Tastatur auch über ein Touch-Display möglich. Bis zu 10 Kontakte kann das Display erkennen und erlaubt daher auch einige Gesten, wie sie unter Windows 8 auch auf den Tablets verwendet werden können.

Lenovo IdeaCentre A720
Lenovo IdeaCentre A720

Was aber bedeutet eigentlich "Alltagseinsatz"? Der Besuch von Webseiten, das Lesen und Schreiben von E-Mails, Teilhabe am Geschehen in sozialen Netzwerken - so kurz und knapp dürfte sich ein Großteil des Geschehens am heimischen PC beschreiben lassen. Persönlich habe ich natürlich ein etwas anderes Profil, doch das Verfassen von News und Artikeln entzieht sich den Möglichkeiten einer Touch-Bedienung. Hier sind Maus und Tastatur unverzichtbar. Jeder Nutzer stellt andere Anforderungen an sein System. Doch spielt die Bedienung am Display für den 08/15-Nutzer auf dem Desktop überhaupt eine Rolle?

Lenovo und einige andere Hersteller glauben daran. Wir sind da nach einer Woche eher skeptisch. Sicherlich ist das Metro-UI optisch ansprechend und macht es dem Nutzer theoretisch auch möglich das Windows komplett mit den Fingern zu dienen, doch spätestens wenn es um den Betrachtungsabstand geht, wird deutlich, dass hier von Seiten der Hardwarehersteller zwanghaft versucht wird, mit einem Feature zu werben, das es gar nicht gebraucht hätte. Die übliche Armlänge eines erwachsenen Menschen beträgt 55 bis 60 cm. Da eine Bedienung mit ausgetrecktem Arm alles andere als bequem ist, muss ein solches All-in-One-System mit einem Abstand von etwa 50 cm aufgestellt werden. In diesem Abstand ein 27-Zoll messendes Display betrachten zu müssen, ist alles andere als praxisnah. Experten für Arbeitsplatz-Ergonomie schlagen sicherlich die Hände über dem Kopf zusammen und bei den Krankenkassen dürften Behandlungen für Nackenleiden sicher nicht seltener werden.

Der Nutzer sitzt einfach viel zu dicht am Display und muss bei dieser Display-Größe auch ständig den Kopf bewegen, um den kompletten Inhalt erfassen zu können. Hinzu kommt, dass ein solcher Betrachtungsabstand auf Dauer nicht nur unangenehm für die Nackenmuskulatur, sondern auch für die Augen wird.

Hinzu kommt, dass auch die Hardware nicht mitspielen möchte. Touches werden zwar mehr oder weniger problemlos erkannt, dafür sind sie aber auch auf der Glasoberfläche sichtbar. Wer ein Smartphone oder Tablet verwendet, kennt sicherlich die Schlieren und Fingerabdrücke, die dann immer wieder mit einem Tuch oder an der Kleidung entfernt werden. Natürlich sind diese auch auf dem Desktop-System vorhanden, nur müssen hier größere Wegstrecken zurückgelegt werden und auch die Oberfläche als solches ist um ein Vielfaches größer. Durch das spiegelnde Display werden die Verschmutzungen noch stärker sichtbar und nicht nur Bakteriophobiker werden regelmäßig zum Reinigungstuch greifen wollen und auch müssen.

Auf einem Tablet oder, falls vom Nutzer gewünscht, einem Notebook/Convertible ist die Touch-Bedienung von Windows 8 nicht nur notwendig, sondern sicherlich auch sinnvoll. Auf dem Desktop sehen wir das allerdings ganz anders. Hier versuchen die Hersteller mit einer Funktion die Kunden zu locken, die auf den ersten Blick ganz schick sein mag, in der Praxis aber ohne Relevanz sein wird - daran ändert auch Windows 8 nichts.

Mein Fazit: Das Testsystem mit Windows 8 wird auch weiterhin mit Maus und Tastatur bedient werden, unabhängig davon, ob viele Arbeitsschritte mit einem Touch-Display schneller und einfacher zu erreichen wären.

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Kommentare (4)

#1
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Registriert seit: 04.02.2009
Hannover
Otaku :)
Beiträge: 2326
Gut geschrieben, deckt sich so ziemlich zu 100% mit meinen Erwartungen ;)
#2
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Registriert seit: 07.01.2007
D:\NRW\Cologne
Kapitänleutnant
Beiträge: 1785
Schöner Bericht, verstärkt den Eindruck, dass das ganze unausgereift ist.
#3
Registriert seit: 18.11.2001
Solingen
Bootsmann
Beiträge: 661
Ja das Fazit hab ich in etwa auch gezogen.

Ich habs jetzt auch ein paar Tage getestet, allerdings an einem normalen Desktop. Die Idee mit dem Store fand ich ganz gut. Aber leider sind es ja keine Desktop Gadgets wie in Win7 (übrigens werden diese nicht mehr auf der Microsoft Seite gehostet!) Der Store an sich ist nicht sonderlich gut befüllt und sortieren oder filtern kann man auch nicht. Schade.
Die Leiste auf der rechten Seite empfinde ich schon etwas umständlich.
Die Backup-Funktion von der ich mir eigentlich viel versprochen habe ist auch nicht perfekt und nicht mit dem Timebackup vergleichbar, da man sich entweder für Dateihistorie oder Systemimagesicherung entscheiden muss (zumindest wenn dies automatisch erfolgen soll).
Auch der Umweg von Metro -Anwendungen über den Metro-Startscreen zum Desktop ist doch ehr umständlich.

Aber vielleicht muss man sich auch länger mit dem System beschäftigen als ich das getan hab. Das ist mir jedenfalls so aufgefallen.

#4
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Registriert seit: 17.04.2008

Vizeadmiral
Beiträge: 8052
Für manche Anwendung wie die Bedienung von virtuellen Instrumenten, Synthesizern usw. mag es ja prinzipiell ganz interessant sein, doch diese professionelle Software muss man eh im Desktop Mode betreiben, ohne touch freundliche GUI und Optimierungen wie weiches Scrolling was die Touch Bedienung zu einem Grauen werden lässt..

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