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Vier Tablet-Apps für Online-Shopper im Vergleich

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shopping appsGlaubt man aktuellen Zahlen, nutzt rund jeder zweite Deutsche sein Tablet für das Einkaufen im Internet. Die Gründe dafür liegen sprichwörtlich auf der Hand. Denn die kompakten Geräte sind kleiner und leichter als Notebooks, zudem ist das Surfen auf der Couch gemütlicher als am Schreibtisch. Allerdings gibt es nach wie vor einige Punkte, die hier oftmals gegen das Tablet sprechen. Denn im Vergleich zu Notebook oder Desktop-PC ist das Display kleiner und die Bedienung in der Regel nur per Finger möglich. Darum gilt es, den vorhandenen Platz auf dem Bildschirm so effizient wie möglich auszunutzen. Hier wiederum kann die Stunde des Tablets schlagen, denn das Shopping-Erlebnis ist nicht zwingend auf den Browser beschränkt; gut gestaltete Applikationen können mehr Komfort und Funktionen als der Browser bieten.

Ob dies tatsächlich der Fall ist, haben wir anhand von vier Android-Apps bekannter Online-Shops getestet. Dabei fiel bereits bei der Auswahl der Programme respektive Shops auf, dass nach wie vor zahlreiche Applikationen nicht für die Nutzung auf Tablets optimiert sind. Lediglich die Anwendungen von Amazon und Conrad stehen in angepassten Versionen zur Verfügung, Kunden von Otto und Zalando müssen hingegen mit Smartphone-Ablegern vorlieb nehmen.

Amazon

Der weltgrößte Online-Shop bietet mittlerweile fast alles an, was das Herz begehrt. Ob Schuhe, Kleidung, PCs, Konsolen oder Lebensmittel: Kaum etwas lässt sich nicht via Tablet einkaufen, was bereits beim Start der Applikation auffällt. Ähnlich wie im Browser werden verschiedene, vertikal angeordnete Listen präsentiert, die im Wesentlichen Elektronik in unterschiedliche Rubriken unterteilt. Diese können horizontal gescrollt werden, einen klaren Hinweis darauf gibt es aber nicht. Auffälliger ist da schon die Titelleiste, die nicht nur das herausklappbare Menü beinhaltet, sondern auch Suchleiste, Produktkategorien und eine Verknüpfung zum aktuellen Warenkorb.

Hauptansicht der App: Fotos dominieren
Hauptansicht der App: Fotos dominieren

Wird ein bestimmter Artikel gesucht, zeigt die App zum Suchbegriff passende Produkte untereinander im nächsten Fenster an. Wie von Amazon gewöhnt, müssen dabei nicht alle Treffer in direktem Zusammenhang mit dem Gesuchten stehen, die Suche nach einem HTC One Mini listet unter den zehn ersten Plätzen zwar korrekt beide Farbvarianten des Smartphones auf sowie passendes Zubehör auf, aber schon auf Platz sieben ist das Samsung Galaxy S4 Mini zu finden. Neben dem Produkt werden auch Preis, Bewertung und Anzahl der Kundenrezensionen angezeigt, im Vergleich zum Browser also deutlich weniger. Denn dieser bietet bereits in dieser Ansicht Angaben  zu Gebrauchtpreisen und Verfügbarkeit.

Die Produktansicht selbst weicht inhaltlich kaum ab. Informationen zum Gerät sind ebenso vorhanden wie Angaben zum Verkäufer und zu ähnlichen Produkten, auch verschiedene Farbvarianten - bei Kleidung auch die Größe - sind hier auswählbar. Leider haben die Entwickler der App darauf verzichtet, das Layout beim Drehen des Displays sinnvoll anzupassen, vor allem im Landscape-Modus wird so wertvoller Platz verschwendet. Wurde der Artikel in den Warenkorb gelegt, erscheint ein entsprechender Hinweis.

Viel Platz für Produktbilder, weniger Platz für Informationen
Viel Platz für Produktbilder, weniger Platz für Informationen

Während des weiteren Bestellvorgangs kann der Nutzer dann die vom Browser her bekannten Einstellungen vornehmen. Dazu gehört die Wahl der im System hinterlegten Lieferadressen, die Eingabe von eventuell vorhandenen Gutschein-Codes, aber auch die Wahl des Zahlungsmittels.

Conrad

Auch die Conrad-App orientiert sich beim Layout am Browser-Shop. Die Produktkategorien sind untereinander angeordnet, Unterkategorien sind durch horizontales scrollen erreichbar. Zugriff auf das übersichtliche Menü erhält man durch ein Tap auf das Shop-Logo in der oberen linken Ecke. Hier verbirgt sich auch ein Barcode-Scanner, der das gezielte Suchen nach einem Produkt vereinfacht; vorausgesetzt, man hat den entsprechenden Strichcode, der von der Tablet-Kamera erfasst wird, zur Hand.

Startbildschirm des Online-Shops
Startbildschirm des Online-Shops

Für die manuelle Suche haben wir auch hier das One Mini bemüht, das ähnlich wie bei Amazon korrekt auf den beiden ersten Plätzen angezeigt wurde. Anders als beim großen Konkurrenten waren unter den zehn ersten Treffern aber keine unpassenden Produkte aufgeführt. Allerdings gibt es an anderer Stelle eine Parallele. Denn wie auch bei Amazon gibt die Applikation in der Ergebnisliste weniger Informationen als das Browser-Pendant preis. Während dort Bestellnummer, Bewertung, Preis, Verfügbarkeit und ein „In den Warenkorb“-Button vorhanden sind, beschränkt sich die App auf Preis und Bewertung.

Einen weiteren großen Unterschied gibt es in der Produktansicht. Während im Browser hier alle relevanten Informationen in einem, je nach Auflösung langen Fenster dargestellt werden, ist die Applikation in die Bereiche Übersicht, Beschreibung und Bewertung unterteilt, die über eigene Buttons erreichbar sind. In der Übersicht sind dabei Produktbilder, Preis und Informationen zur Verfügbarkeit vorhanden. Ist eine Conrad-Filiale  in der Nähe, kann zudem die dortige Verfügbarkeit überprüft werden. Wurde der gewünschte Artikel in den Warenkorb gelegt, kann der Gang zur virtuellen Kasse erfolgen. Hier können alle Daten nochmals überprüft sowie Versandart und Zahlungsmittel gewählt werden.

Produktinformationen über mehrere Fenster verteilt
Produktinformationen über mehrere Fenster verteilt

Bei letzteren gibt es aber Abweichungen zwischen App (Nachnahme, Vorauskasse, PayPal) und Browser (zusätzlich Rechnung, Kreditkarte, Ratenkauf, Sofortüberweisung). Wer angesichts dieser Einschränkung die Auswahl am Tablet treffen und den Kauf im Browser abschließen will, dürfte enttäuscht werden. Denn die Warenkörbe werden nicht synchronisiert. Ebenfalls ein Negativpunkt: Wie in der Amazon-App wird das Layout nicht beim Wechsel zwischen Portrait- und Landschaftsmodus angepasst.

Otto

Schon lange vor Amazon gab es Versandhändler, die Auswahl erfolgte dabei lange Zeit per Katalog, schließlich gab es das Internet zu Zeiten der Quelle-, Neckermann- und Otto-Gründung noch nicht. Den Sprung hin zum Online-Shopping haben alle Anbieter erst sehr spät gewagt, was nicht nur Marktanteile gekostet hat. Aufgrund der Layout-Erfahrungen aus Katalogzeiten könnte man aber davon ausgehen, dass der Aufbau der Applikationen gelungen ist.

Unscharfe Grafiken und wenig Übersicht auf der Hauptseite
Unscharfe Grafiken und wenig Übersicht auf der Hauptseite

Zumindest in Bezug auf Otto ist dies aber nicht der Fall. Schon direkt nach dem Start wird der Nutzer mit verschiedenfarbigen und unterschiedlich großen Elementen konfrontiert, die mal für eine Kategorie, mal nur für ein einzelnes Produkt stehen. Am oberen Bildschirmrand warten zudem gleich drei Leisten: Verknüpfungen zur Suche sowie zum eigenen Kundenkonto und zum Warenkorb, eine Navigationsleiste und zu guter Letzt eine Suchleiste mit der Option, QR-Codes zu scannen. Ein Anpassung des Inhalts an die Display-Haltung wird nicht angeboten, im Gegenteil: Die Darstellung passt sich nicht an Drehungen des Tablets an.

Wird ein konkretes Produkt gesucht,  erscheinen die Treffer übersichtlich mit passendem Bild und Preis untereinander; im Browser kommt lediglich die Kundenbewertung hinzu. Deutlich auseinander driften beide Zugangsmöglichkeiten auf der Produktseite. Während die Applikation sich auf die wenige Punkte wie technische Daten und die Farb/Größen-Auswahl beschränkt, gibt der Browser verteilt über fünf Bereiche Auskunft über Technik, Kundenmeinung, Testbericht, ähnliche Produkte sowie passendes Zubehör.

Warenkörbe zwischen Applikation und Browser werden nicht abgeglichen
Warenkörbe zwischen Applikation und Browser werden nicht abgeglichen

Der weitere Bestellablauf weicht kaum von anderen Shops ab. Nach dem Anmelden mit den persönlichen Daten respektive den Neuanlegen eines Kundenkontos können Lieferadresse sowie Zahlungs- und Versandmodalitäten gewählt werden. Unterschiede in diesen Punkten gibt es zwischen Browser und App nicht, ein Austausch der Warenkörbe zwischen beiden findet wie bei Conrad nicht statt.

Zalando

Der wohl bekannteste aus Deutschland stammende Online-Shop dürfte mittlerweile Zalando sein. Vor fünf Jahren gegründet, konnte sich das Unternehmen nicht zuletzt aufgrund seiner markanten Werbung und Serviceversprechen schnell einer steigenden Popularität erfreuen. Die passende Applikation ist übersichtlich gestaltet, wie bei Otto ist ein Wechsel zwischen Portrait- und Landscape-Modus aber nicht möglich. Im oberen Bereich stehen Suchleiste, Warenkorb sowie ein Barcode-Scanner bereit, darunter Verknüpfungen zu bestimmten Produkten oder Kategorien sowie zu den Bereichen Damen, Herren und Kinder. Im direkten Vergleich schneidet die Browser-Darstellung deutlich besser ab, da hier der direkte Zugang zu Unterkategorien möglich ist.

Schlichte Optik, aber viel vergeudeter Platz
Schlichte Optik, aber viel vergeudeter Platz

Wird ein Produkt gesucht, erscheinen die Treffer in Form von Kacheln mit Foto und Preis. Über das Filter-Menü können weitere Einstellungen wie Größe, Farbe oder Preisbereich vorgenommen werden, um die Ergebnisse weiter einzugrenzen; im Browser kann dies neben der Trefferliste vorgenommen werden. Abweichungen gibt es aber auch auf der Produktseite. Während die App sich in der Hauptansicht auf Foto, Preis und Größenauswahl beschränkt und zusätzliche Informationen nur auf Wunsch in einem Popup präsentiert, werden im Browser alle Daten in einem Fenster dargestellt.

Produktinformationen nur im Popup
Produktinformationen nur im Popup

Ist die passende Größe oder Farbe ausgewählt, führt der Weg über Warenkorb und Auswahl der Liefer- und Rechnungsadresse zu den Zahlungsmitteln. Hier unterscheiden sich Browser und App nicht. Ein Abgleich der Warenkörbe findet im Übrigen auch hier nicht statt. Dafür bietet die App beim ersten Start eine rudimentäre Anleitung, die bei den ersten Schritten helfen soll.

Fazit

Wirklich überzeugen kann keine der vier Applikationen. Dies hat weniger mit generellen Einschränkungen oder Problemen des Händlers selbst, sondern beinahe ausschließlich mit Design-Unzulänglichkeiten zu tun. An erster Stelle der Kritikliste steht dabei die fehlende Optimierung für Tablets. Obwohl mittlerweile Millionen Exemplare in deutschen Haushalten genutzt werden, fehlen Anpassungen an die im Vergleich zu Smartphones größeren Displays. Dass es dabei auch noch Vertreter gibt, die nicht einmal den Bildschirminhalt mitdrehen können, dürfte 2013 eigentlich nicht mehr der Fall sein.

Aber auch das Ausnutzen vorhandener Technik geschieht bei Weitem noch nicht flächendeckend, der Barcode-Scanner ist hier nur ein Punkt. Für Verwunderung sorgt zudem, dass drei von vier Kandidaten nicht dazu in der Lage sind, Warenkörbe mit den Browser-Shops abzugleichen. Hier ist der Nutzer dazu gezwungen, eine Bestellung an einem Gerät von Anfang bis Ende durchzuführen, einzig Amazon kann hier punkten. Insgesamt sind die hier verglichenen Shopping-Applikationen kein Grund, bei einem bestimmten Händler einzukaufen. Wer aus bestimmten Gründen Amazon bevorzugt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aufgrund eines Barcode-Scanners zu Conrad wechseln, wer seit Jahren bei Otto bestellt, wird nicht aufgrund der App zu Zalando wechseln. Hier haben alle Anbieter also noch eine Menge Arbeit vor sich.

Dies gilt auch für die Darstellung von AGB und Versandbedingungen. In keiner der vier Applikationen sind Verknüpfungen auf diese Texte in der Hauptansicht vorhanden, bei Conrad und Zalando sind diese besonders gut versteckt und nur über mehrere Schritte zu finden.

  Amazon Conrad Otto Zalando
Anbieter Amazon Conrad Otto Zalando
Getestete Version 5.50.6010 1.1.1 1.3.2 2.1
Systemanforderung Android 4.0.3
3,0 MB Speicher
Android 4.0
11,0 MB Speicher
variiert je nach Gerät Android 2.3.3
9,0 MB Speicher
An Tablets angepasst ja ja nein nein
Warenkorb-Synchronisation ja nein nein nein
Größere Einschränkungen gegenüber dem Browser nein Zahlungsmittel nein nein
Hinweise auf AGB etc. Verknüpfungen nicht im Hauptfenster Verknüpfungen nicht im Hauptfenster Verknüpfungen nicht im Hauptfenster Verknüpfungen nicht im Hauptfenster

 

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