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Verkauft die Deutsche Telekom ihre Spotify-Kunden für dumm?

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telekom2Mobilfunkkunden der Deutschen Telekom haben es gut. Denn auf Wunsch können sie die Premium-Mitgliedschaft beim Streaming-Marktführer Spotify über den Bonner Konzern abwickeln und somit auch unterwegs sorgenfrei zwischen zig Millionen Titeln wählen - schließlich wird das ungedrosselte Datenvolumen nicht belastet. Vor einigen Tagen musste man diesen Kunden aber eine schlechte Nachricht überbringen: Ist eben dieses Volumen aufgebraucht und Down- sowie Upload damit auf 64 und 16 Kbit/s begrenzt, wird auch Spotify ausgebremst.

Die Begründung: Man müsse auf eine EU-Vorgabe bezüglich der Netzneutralität reagieren, die Ende April in Kraft tritt. Ab dann dürfe man Daten nicht mehr unterschiedlich behandeln.

Tatsächlich aber verbergen sich hinter diesem Schritt ganz andere Motive - meint zumindest die Verbraucherzentrale Sachsen. Dort heißt es heute, dass die Bonner ihre Kunden hinters Licht führen wollen. „Wenn nun die Telekom behauptet, dass sie mit der Änderung ihres Spotify-Modells dem neuen Netzneutralitätsgebot gerecht werden würde, wird wohl eher der Nutzer für dumm verkauft“, so Katja Henschler.

Denn nach Ansicht der Verbraucherschützer gehe es der Deutschen Telekom lediglich darum, gedrosselten Kunden die SpeedOn-Funktion zu verkaufen. Diese erhöht für den Abrechnungszeitraum das ungedrosselte Datenvolumen und entsprechend auch die Übertragungsraten. Ohne diesen Schritt ist die Nutzung von Spotify abseits der Offline-Funktionalität unterwegs faktisch nicht möglich, die dann verfügbaren 64 Kbit/s reichen für das Streamen nicht aus. Das räumt die Deutsche Telekom auch ein - was den Vorwurf der Verbraucherzentrale umso nachvollziehbarer macht.

Dennoch ist unklar, welche der beiden Seiten Recht hat. Dafür sorgt die im Vorfeld kritisierte schwammige Formulierung der EU-Verordnung. In dieser heißt es, dass die sogenannten Zero-Rating-Angebote - Dienste, die das ungedrosselte Volumen nicht belasten - erlaubt bleiben, was nach Ansicht der Deutschen Telekom heißt, dass man aber nicht ohne weiteres verschiedene Übertragungsraten anbieten dürfe. Dies, so die Verordnung, sei nur dann zulässig, wenn unter anderem eine Überlastung des Netzes drohe. Konkret lautet die Antwort der Bonner: Man nutzt die Möglichkeit für Zero-Rating-Dienste aus, beachte gleichzeitig aber auch die EU-Vorgabe und drossele im Fall der Fälle alles. Und an der Einstufung von Spotify als Zero-Rating-Produkt werde man festhalten, schließlich gebe es eine Nachfrage.

Abzuwarten bleibt, ob die EU eine Nachbesserung vornimmt oder ob es bei den Lücken bleibt, die unter anderem von den Netzbetreibern und Providern gefordert wurden.

Wenn nicht, tragen auch die Kunden eine gewisse Verantwortung dafür. Denn schon als die Kooperation zwischen Spotify und der Deutschen Telekom bekanntgegeben wurde, warnten Verbraucherschützer vor der Verletzung der Netzneutralität. Diese sei auch dann in Gefahr, so der Tenor vor etwa dreieinhalb Jahren, wenn es sich aus Sicht des Verbrauchers um eine positive Bevorzugung handele.

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Kommentare (6)

#1
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Registriert seit: 02.12.2005

Vizeadmiral
Beiträge: 7912
Irgendwie habe ich das fast genauso heute morgen schon woanders gelesen.
#2
Registriert seit: 05.03.2007

Kapitän zur See
Beiträge: 3362
Natürlich ist das wieder einmal reines Marketing von der Telekom.
Kein Schwein Bucht freiwillig das Zusatzvolumen. Also muss man es den Kunden aufzwingen beziehungsweise sagen ja du willst unsere Leistung nutzen also musst du uns noch mehr Geld geben.
Ich würde sofort kündigen.. Allerdings haben wir keinen anderen Anbieter der es besser macht. Abgesehen davon, habe ich bereits gekündigt.
#3
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Registriert seit: 07.12.2014

Obergefreiter
Beiträge: 97
Bei Spotify ist es doch auch möglich sich die Lieder zum Offline-Hören herunterzuladen auf dem Smartphone, dem Handy und dem Computer. Würden mehr Kunden dieses Feature nutzen würde es kein Problem darstellen wenn sie gedrosselt werden, da die heruntergeladenen Songs ja kein Datenvolumen mehr verbrauchen.
#4
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Registriert seit: 27.01.2011

Korvettenkapitän
Beiträge: 2417
Zitat
[...]meint zumindest die Verbraucherzentrale Sachsen.

Da es bisher nur eine Meinung ist, sollte man vielleicht mal noch ein bisschen abwarten, bevor direkt wieder der Zentralrat der Empörten zusammentritt.
#5
Registriert seit: 05.03.2007

Kapitän zur See
Beiträge: 3362
Sind die anderen 48 Beiträge von dir auch so - nennen wir es mal höflich - sinnfrei?
Es heißt DEINE MUSIK überall WO DU bist und NICHT LADE SIE WIE VOR 10 Jahren als MP3 herunter.
Dann braucht auch keiner mehr Spotify... .
Es wird damit geworben und dementsprechend sollte es auch durchgesetzt werden.

Aber an Hand diesem Beispiel sieht man mal wieder, wie machtlos der Verbraucherschutz ist - mehr als Sprüche klopfen tun die nicht.
#6
customavatars/avatar202850_1.gif
Registriert seit: 06.02.2014
Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 9805
Natürlich kommt das der Telekom gelegen dass sie dies als Ausrede verwenden können...
Es ist aber jedenfalls nicht unwahrscheinlich dass das Neutralitätsgesetz durchaus diese Maßnahme erzwungen hat, denn wenn anderer Content in der Geschwindigkeit begrenzt wird, der von Spotify aber nicht, dann ist das grad diese Problematik die manche fürchten und gegen die das Gesetz vorgeht.

Wenn man mich fragt sollte die Entscheidung aber beim Kunden liegen ob man solch ein Angebot will oder nicht...
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