> > > > Microsofts Nachfolgefrage beflügelt die Fantasie

Microsofts Nachfolgefrage beflügelt die Fantasie

DruckenE-Mail
Erstellt am: von

Microsoft2012Die meist so kühle IT-Welt wird dominiert von technischen Daten, Messwerten und anderen Zahlen, Raum für Spekulationen meist nicht vorhanden. Deshalb erstaunt es die meisten Leser nicht, wenn auch gewöhnlich eher nüchterne Medien auf den „Klatsch und Tratsch“-Zug aufspringen. Denn hier kann man der Fantasie meist freien Lauf lassen, das enge Korsett der Berichterstattung über Smartphones, Notebooks oder Grafikkarten grenzt den eigenen Geist nicht ein.

Geradezu ein Paradebeispiel hierfür ist derzeit Microsoft, besser gesagt der vakante Posten des Vorstandsvorsitzenden. Nicht einmal eine Woche ist es her, dass Steve Ballmer seinen Rückzug angekündigt hat, doch schon überschlagen sich die Meldungen bezüglich seiner Nachfolge. Dabei ist nicht einmal klar, wann Ballmer abtritt, nächste Woche könnte es genauso gut passieren wie erst in sechs Monaten oder einem Jahr. Die Spekulanten interessiert dies nur wenig bis gar nicht, Namen passender und weniger passender Kandidaten werden dutzendfach in den Ring geworfen, wer bei drei nicht dementiert hat, wird als nächster Kapitän des Microsoft-Dampfers genannt.

Dabei muss man die Kollegen aber dennoch ein Stück weit in Schutz nehmen, denn leicht haben Ballmer und der Software-Konzern es einem nicht gemacht. Wo andere Unternehmen meist lange im Vorfeld an einer Nachfolgelösung arbeiten, oftmals bevor der amtierende Chef überhaupt etwas von seinem Abschied weiß, tappt man in Redmond noch im Dunkeln. Zumindest erweckt das noch sehr frische Organigramm diesen Eindruck, einen klaren Nachfolger oder eine Nachfolgerin konnte oder wollte Steve Ballmer im Zuge der von ihm initiierten Umstrukturierung „One Microsoft“ nicht in Position bringen. Nicht nur, dass allein dadurch schon viel Raum für Gedankenspiele geschaffen ist, auch die lange Liste an ehemaligen Microsoft-Managern, die anderweitig Karriere gemacht haben, will abgearbeitet werden; so zumindest scheint es die Presse zu sehen.

Die externe Variante

Namen wie Stephen Elop - derzeit Nokia - und Steven Sinofsky - derzeit ohne Job - fallen häufig, aber auch zahlreiche IT-Manager ohne Stallgeruch zieren derzeit viele Berichte: Von Facebook-Geschäftsführerin Cheryl Sandberg über Netflix-Chef Reed Hastings und Twitter-CEO Jack Dorsey bis hin zu Yahoo-Retterin Marissa Meyer reichen die Vermutungen, die nicht immer ganz erst gemeint sein können. Sandberg dürfte eher Freude am weiteren Ausbau eines dynamischen Unternehmens wie Facebook haben, als den Öltanker Microsoft wieder auf Kurs zu bringen. Hastings hingegen dürfte schlicht die Erfahrung mit großen Konzernen fehlen, gerade einmal gut 2.000 Mitarbeiter sowie eine Jahresumsatz von 3,6 Milliarden US-Dollar durfte der 52jährige zuletzt verantworten. Zum Vergleich: Microsoft bringt es auf annähernd 100.000 Mitarbeiter sowie 77,8 Milliarden US-Dollar. Zudem wäre die Fortsetzung der Microsoft-Umstrukturierung eine ganz andere Hausnummer als die behutsame Ausbreitung des Netflix-Angebots. Generell ist deshalb die Nennung von Meyer in diesem Zusammenhang verständlich. Schon bei Google mit viel Einfluss ausgestattet, kann sie ihre Vorstellung eines modernen Internet-Unternehmens nun seit gut einem Jahr bei Yahoo ausleben. Und der Erfolg gibt ihr durchaus Recht, steigende Zugriffszahlen belegen dies. Warum also sollte sie vor der Fertigstellung ihres Planes zu Microsoft wechseln? Geld dürfte hier nicht der entscheidende Faktor sein.

Gleiches gilt für die beiden auch von englischen Buchmachern hochgehandelten Microsoft-Ehemaligen Elop und Sinofsky. Ersterer durfte sich ganze zwei Jahre an der Führung der Business-Sparte in Redmond versuchen, bevor er nach Finnland wechselte, um Nokia wieder auf Kurs zu bringen, letzterer nahm Ende 2012 dankend seinen Hut und verabschiedete sich nach mehr als 20 Jahren von Microsoft. Während Elop oftmals noch hausbackener als Ballmer wirkt und seine Bilanz bei Nokia trotz klar aufsteigender Tendenz noch immer eher durchwachsen ist, soll Sinofsky eher im Streit als in Frieden gegangen sein. Ausgerechnet sein Wunsch, der nächste Vorstandsvorsitzende zu werden, soll zum Bruch geführt haben. Warum also sollten Bill Gates und sein Aufsichtsrat nun auf ihn zurückgreifen?

Das Prinzip Beförderung

Blieben also diejenigen, die zur derzeitigen Cxx und VP-Garde Microsofts gehören: COO Kevin Turner, CFO Amy Hood sowie die Executive Vice Presidents Tony Bates, Julie Larson-Green und Terry Myerson. Alle fünf gehören dem Unternehmen seit geraumer Zeit an und wurden größtenteils im Zuge von „One Microsoft“ mit deutlich mehr Macht ausgestattet. Warum aber nun diese Namen fallen, obwohl es erst vor sechs Wochen hieß, dass Ballmer keinen Nachfolger in Position gebracht hat, dürfte ein größeres Rätsel bleiben.

Wer auch immer letzten Endes das Zepter in die Hand nimmt, dürfte vor einer schwierigen Aufgabe stehen. Denn obwohl Microsoft zuletzt viel gewagt hat, um mit den Trendsettern der Branche mitzuhalten, die Trendwende ist nicht einmal annähernd geschafft. Möglicherweise stand Steve Ballmer sich hier selbst im Weg, er, der eigentlich aus der Welt der Zahlen und Finanzen kam und den staubtrockenen Windows- und Office-Konzern in einen hippen Anbieter von Smartphones, Tablets und Touch-Betriebssystemen umbauen sollte.

Social Links

Ihre Bewertung

Ø Bewertungen: 0

Tags

Kommentare (1)

#1
Registriert seit: 02.07.2013

Matrose
Beiträge: 30
die nicht immer ganz erst gemeint sein können. muss
die nicht immer ganz ernst gemeint sein können.
ernst ist falsch ;-)
Um Kommentare schreiben zu können, musst Du eingeloggt sein!

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar: Nein, liebe Telekom - Vectoring ist keine Glasfaser!

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2015/TELEKOM2

In der vergangenen Woche kündigte die Deutsche Telekom an, dass der Ausbau von VDSL-Vectoring mit 100 MBit/s im Herbst starten soll. Die Anschlüsse sollen dann eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s im Down- und 40 Mbit/s im Upload bieten. Der Nachteil der Technik ist allerdings, dass durch... [mehr]

Tesla Model 3: 320 Kilometer und ein neues Cockpit für 31.000 US-Dollar

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2015/TESLA_MOTORS

Welch hohes Vertrauen Tesla genießt, zeigt heute keine andere Zahl so deutlich wie die der Vorbestellungen für das in der vergangenen Nacht vorgestellte Model 3. Rund 115.000 Exemplare wurden bereits geordert, ohne dass auch nur einer der Besteller wusste, was genau er der eigentlich kauft -... [mehr]

Intel bestätigt trotz Milliardengewinn Wegfall von 12.000 Arbeitsplätzen

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2015/INTEL3

Vor einigen Tagen wurden Gerüchte laut, dass Intel einen massiven Stellenabbau planen würde. Dieses Gerücht hat der Chipriese nun im Rahmen seiner aktuellen Quartalszahlen bestätigt. Demnach werden bis zum Jahr 2017 rund 12.000 der insgesamt 107.000 Stellen wegfallen. Die betroffenen... [mehr]

Ford baut Googles selbstfahrende Autos (Update)

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2015/GOOGLE_ROBOCAR

Google ist auf der Suche nach einem Partner für seine selbstfahrenden Autos fündig geworden. Dabei soll es sich um den US-Hersteller Ford handeln. Dies zumindest berichtet das Portal Automotiv News und verweist auf gut informierte Kreise. Zwar wollten beide Unternehmen keinen Kommentar abgeben,... [mehr]

Vorinstallierte Google-Apps: EU-Kommission prüft mögliche...

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2015/GOOGLE_2015

Bereits seit 2013 prüft die EU-Kommission, ob Google mit seiner Mobil-Plattform Android gegen geltendes Kartellrecht verstößt. Zum Stand der Ermittlungen hatte man sich seitdem nur vage und selten geäußert, Stillstand hat es aber nicht gegeben. Denn wie die zuständige Wettbewerbskommissarin... [mehr]

Netflix wächst weiter auf 81,5 Millionen Nutzer

Logo von IMAGES/STORIES/LOGOS-2013/NETFLIX

Netflix hat zusammen mit den jüngsten Quartalszahlen auch einen deutlichen Mitgliederzuwachs bekanntgegeben. Demnach nutzen derzeit weltweit rund 81,5 Millionen Nutzer den Streamingdienst. Während in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 in den USA 2,23 Millionen Neukunden gewonnen werden... [mehr]