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Web-Sperren: British Library blockierte Shakespeares Hamlet

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hardwareluxx news newSchon vor mehr als 400 Jahren zogen die Schlagwörter „Verrat“, „Mord“, „Lüge“, „Inzest“ und „Hass“ in William Shakespeares „Hamlet“ eine Vielzahl von Besuchern in die Schauspielhäuser. Vier Jahrhunderte danach zählt das Drama vom dänischen Königssohn und seiner intriganten Verwandtschaft zu den größten Kulturgütern Großbritanniens. Doch im 21. Jahrhundert läuft doch einiges ein klein wenig anders.

Als der Schriftsteller Mark Forsyth Anfang August Recherchen für sein nächstes Buch anfertigen wollte, machte ihm ein spezieller Internet-Filter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Für seine Recherchen suchte der Buchautor die British Library in London auf. Da das Ausleihen des gewünschten Shakespeare-Werkes über eine Stunde gedauert hätte, entschied sich der Brite für ein kurzes Nachschlagen in der digitalen Fassung von „Hamlet“. Hierfür wählte er sich in das freie WLAN-Netzwerk der Nationalbibliothek ein und suchte über die Suchmaschine Google nach den beiden Begriffen „Hamlet MIT“. Die letzten drei Buchstaben stehen für das Massachusetts Institute of Technology, das die gesammelten Werke von Shakespeare in digitaler Fassung anbietet. 

Der Zugriff auf das Kulturgut wurde ihm in der Nationalbibliothek allerdings verwehrt. Anstatt des Stücks bekam er eine Meldung zu Gesicht, dass die Seite aufgrund von „Violent content“ gesperrt sei. Die eingangs erwähnten Begriffe seien ein zu gefährlicher Inhalt. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, dass der Versuch, den Inhalt aufzurufen, protokolliert wurde.

Daraufhin entschied Forsyth, sich an das Personal der British Library zu wenden. Die verwies ihn jedoch an die IT-Abteilung, die wiederum lediglich bestätigte, dass die entsprechenden Seiten gesperrt seien, man aber keinen Einfluss darauf haben würde. Zudem versuchte man zu bekräftigen, dass der WLAN-Service nichts mit der British Library in London zu tun haben würde und ein eigener Dienst sei. Auf die Frage, warum Facebook, YouTube und Co über das Netzwerk erreichbar wären, aber „Hamlet“ als eines der wichtigsten Kulturgüter des Landes nicht, gab es von den Angestellten nur ein Schulterzucken. Geholfen wurde Mark Forsyth zunächst nicht.

Späte Einsicht

Am Abend beschrieb Forsyth den Vorfall in seinem Blog und verbreitete den Link hierauf über den Kurznachrichtendienst Twitter. Nur wenig später gab die British Library bekannt, dass das berühmte Werk von Shakespeare nun wieder über das WLAN-Netzwerk der Bibliothek erreichbar sei und man mein seinen Web-Filter, der eigentlich Kinder und Jugendliche schützen sollte, angepasst habe.

Kritiker sehen diesen Vorfall als Bestätigung dafür, dass der geplante Web-Filter für Großbritannien nicht funktionieren könne. Sie befürchten eine weitreichende Zensur.