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Digitales Geschäft hievt Axel Springer auf Vorjahresniveau

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axel springerMit dem Verkauf eigentlich markenstarker und gewinnbringender Print-Titel wie der „Hörzu“, „TV Digital“ oder der „Frau von heute“ für 920 Millionen Euro an die Funke-Gruppe, machte der Axel Springer-Verlag vor zwei Wochen deutlich, seinen Fokus zukünftig stärker auf das digitale Geschäft zu legen. Dass dies keine so schlechte Idee ist, zeigten die jüngsten Quartalszahlen, die der Medienriese am heutigen Mittwoch offiziell verlauten ließ. Demnach konnte Axel Springer den erneuten Einbruch im Printgeschäft, den weiter anhaltenden Konzernumbau und die vielen Investitionen im zweiten Quartal überraschend gut durch die großen Zuwächse im digitalen Geschäft verkraften.

Während die Erlöse bei den nationalen Zeitungen im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres um fast zwölf Prozent einbrachen, konnte der Medienkonzern dank seiner digitalen Geschäftsfelder das Umsatzminus am Ende auf nur 0,9 Prozent drücken. Insgesamt setzte der Verlag zwischen April und Juni 823,7 Millionen Euro um. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging ebenfalls leicht auf insgesamt 171,6 Millionen Euro zurück. Ein Rückgang von knapp einem halben Prozent. Tatsächlich trägt das Digitalgeschäft der Berliner mit 322,4 Millionen Euro etwa 40 Prozent zum gesamten Konzernumsatz bei. Der Anteil am EBITDA beträgt mit 45 Prozent sogar noch etwas mehr. Damit liegt der Herausgeber der „Bild“-Zeitung in Sachen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Im ersten Halbjahr 2013 belief sich der Umsatz auf 1.627,3 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2012 waren es noch 1.620,4 Millionen Euro.

Mit einem deutlichen Umsatzzuwachs von 18,2 Prozent auf 640,6 Millionen Euro baute Axel Springer das Segment „Digitale Medien“ in der ersten Jahreshälfte 2013 am stärksten aus. Großer Umsatzbringer in diesem Bereich waren die um 22,2 Prozent gestiegenen Werbeerlöse. Erstmals gaben die Berliner genaue Zahlen zur Entwicklung der digitalen Abonnements der Tageszeitung „Welt“ bekannt. Demnach sollen inzwischen mehr als 47.000 Abonnenten die Tageszeitung digital lesen. Bei einer verkauften Auflage von 227.248 Exemplaren im zweiten Quartal entspricht dies fast 20 Prozent der gesamten Auflage. Jeder Fünfte liest die „Welt“ nicht mehr (nur) in gedruckter Form.

Paywall der Welt hat 27.000 zahlende Kunden

Zusätzlich hätten sich inzwischen 27.000 Print-Abonnenten einen Zugang zu den Online-Angeboten auf „Welt Online“ verschafft. Hier führte der Axel Springer-Verlag im Dezember 2012 eine Paywall ein. Seitdem lassen sich monatlich nur noch 20 Artikel kostenlos aufrufen. Danach muss ein Abo abgeschlossen werden, das monatlich mit 4,49 Euro zu Buche schlägt. Wer die Inhalte von Welt.de auch auf dem Tablet konsumieren möchte, bezahlt ab dem 21. Artikel 12,99 Euro im Monat. Wer nochmals bereit ist, zwei Euro mehr zu bezahlen, der bekommt die gedruckte Ausgabe der „Welt am Sonntag“ zusätzlich einmal in der Woche nach Hause geschickt. Die erste Zwischenbilanz der Bezahlschranke hinterlässt bei der Verlagsgeschäftsführerin der Welt-Gruppe, Stephanie Caspar, eine positive Bilanz:

„Das erste halbe Jahr mit unserem Bezahlmodell werten wir als sehr ermutigend. Wir erzielen auch digital bereits signifikante Vertriebserlöse – und dies bei weiter wachsenden Werbeeinnahmen. Damit sehen wir uns mit unserer Digitalisierungsstrategie auf dem richtigen Weg. Es ist sicher noch zu früh, um beurteilen zu können, wie sich digitale Abo-Angebote langfristig entwickeln. Aber die erste Zwischenbilanz ist sehr positiv und ermutigt uns, das Experiment fortzusetzen.“

Zu den weiteren Gewinnern des digitalen Geschäfts zählen die Portale „Immonet“, „Seloger“ oder „Stepstone“, „meinestadt.de“ und die „zanox“-Gruppe. Gerüchten zufolge soll Axel Springer zusammen mit dem US-Finanzinvestor „General Atlantic“ ein Gebot für die Scout-Gruppe der Deutschen Telekom abgebeben haben. Insgesamt sollen die Anzeigenseiten „Immoscout24“ und „Autoscout24“ mit 1,5 Milliarden Euro bewertet worden sein.

Prognose für 2013

Für das Geschäftsjahr 2013 rechnet der Vorstand mit einem leichten Umsatzanstieg im einstelligen Prozentbereich – vorausgesetzt der rückläufige Trend im Printgeschäft wird sich nicht signifikant beschleunigen. Die weiter sinkenden Vertriebserlöse im inländischen und internationalen Printgeschäft sollen auch in den nächsten Monaten durch steigende Werbeerlöse im Segment „Digitale Medien“ aufgefangen werden können.