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Meinung: Telekom läutet mit Spotify-Tarif das Ende der Netzneutralität ein

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telekom2Netzneutralität ist ein wichtiges, bisher aber wenig beachtetes Thema. Immer mal wieder flackern Berichte dazu auf, verschwinden aber ebenso schnell wieder. Netzneutralität bedeutet, dass alle Daten im Internet gleich sind. Alle am Datenverkehr des Internet beteiligten Instanzen sollten keinen Unterschied machen, aus welchem Land oder von welchem Service die Daten geliefert werden. Doch die Netzneutralität wird längst aufgeweicht.

In den USA sperren einige Internetanbieter bereits Bittorrent-Verbindungen. Mit den nun aufkommenden Engpässen bei den mobilen Datentarifen, aber auch die steigenden Kosten der Mobilfunkanbieter, kommen erste Überlegungen auf, welche die Netzneutralität in Frage stellen. So hat AT&T in den USA bereits den Vorschlag unterbreitet, das doch Content-Provider bzw. Anbieter der Apps mit hohem Datenaufkommen auch dafür zahlen sollen. Im Gegenzug würde dann das beispielsweise über die "ABC Player"-App verbrauchte Datenvolumen nicht mehr dem monatlichen Kontingent des Nutzers aufgerechnet. ABC würde also für die Übertragung der Daten zahlen. Gleiches könnte auch für Musik-Streaming-Dienste und andere Anbieter großer Datenvolumen über das Mobilfunknetz gelten.

Partnerschaft der Telekom mit Spotify

Dies ist nun Realität geworden. Die Telekom will in Zusammenarbeit mit Spotify einen Streaming-Tarif für das Smartphone, Tablet und den PC anbieten. Während Datenvolumen bei festen Internetverbindungen über DSL inzwischen kaum noch eine Rolle spielt, ist dies bei Mobilfunktarifen sehr wohl der Fall. Echte Flatrates sind hierzulande ebenso wie in anderen Märkten mehr oder weniger eine Mogelpackung. Ist ein monatliches Limit erreicht, drosseln die Anbieter auf geringere Bandbreiten. Mit bis zu 72 MBit/Sek. ist dieses Limit über die LTE-Verbindung schnell erreicht. Gut ausgebaute UMTS-Netze sind mit 42 MBit/Sek. nur unwesentlich langsamer und somit klagen die Nutzer bereits nach wenigen Tagen darüber, dass die monatliche Kapazität ausgeschöpft ist. Auch die Anbieter geraten in Engpässe, da immer größere Datenmenge mobil übertragen werden.

Hier greift nun die Partnerschaft der Telekom mit Spotify. Der "Spotify Premium Dienst" soll als Zubuchoption in die bestehende Tarifstruktur eingebaut werden. Im Oktober soll der erste Tarif mit dem "Spotify Premium Dienst" für 30 Euro angeboten werden. Gegen Ende des Jahres folgt dann die Zubuchoption für 10 Euro im Monat für Festnetz- und Mobilfunkkunden.

Telekom-Presemitteilung:

Alle Produktangebote sorgen vor allem bei Mobilfunkkunden für unlimitiertes Musikhören, da die Online-Nutzung des Spotify Streaming-Dienstes nicht gegen das im Tarif enthaltene Datenvolumen gerechnet wird.

An dieser Stelle beginnt nun der Einschnitt in die Netzneutralität. Die Telekom unterscheidet also welche Daten an das jeweilige Gerät übertragen werden. Während der Spotify-Stream also noch problemlos läuft, werden die restlichen Daten durch das eventuelle Überschreiten des Datenvolumens nur langsamer (wenn überhaupt noch) übertragen. Zu einer "Datenflatrate" kommt also eine richtige Flatrate hinzu, die allerdings nur für einen bestimmten Anbieter gültig ist.

Was ist der nächste Schritt? Muss der Nutzer demnächst auch dafür zahlen, wenn er HTTP-Dienste nutzen möchte? Oder E-Mails abrufen?

Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigen möchte, der sollte sich einmal das Chaosradio zum Thema Netzneutralität anhören. Wie ist eure Meinung zum Thema Netzneutralität?

Diese Kolumne repräsentiert ausschließlich die Meinung des Autors.

Update:

Auf dem Jahreskongress der Deutschen Breitbandinitiative forderten einige Netzwerkausrüster eine Ausdifferenzierung sowie Qualitäts- und Preisanpassungen im Internet. Angebote wie Video on Demand seien "Breitbandkiller", so dass über ein anderes Bezahlmodell nachgedacht werden müsse. Alf Henryk Wulf von Alstom Deutschland fordert ein gestaffeltes Angebot mit unterschiedlichen Übertragungsqualitäten bei der Übertragung von Datenpaketen, "ohne dabei jemanden zu diskriminieren". Der letzte Teil dieser Aussage schließt sich eigentlich gleich mit der Forderung selbst wieder aus.

Udo Schäfer von Alcatel-Lucent sieht derzeit noch keine Notwendigkeit dafür. Hausanschlüsse bis 100 MBit/Sek. seien problemlos realisierbar. Backbone-Netze sind bis 400 GBit/Sek. pro Kanal ebenso ausreichend dimensioniert wie die Verbindungsstellen über Glasfaser mit mehreren TBit/Sek. Erst wenn Hausanschlüsse mit 100 GBit/Sek. Einzug halten, gehe man derzeit von Engpässen aus.

Ein Aufweichen der Netzneutralität wird immer wieder mit dem immer höheren Datenaufkommen begründet. Ein konsequenter Ausbau der Verbindungen sehen aber auch die Netzwerkausrüster als eigentliche Lösung des Problems. Das Internet ist mit dem Prinzip eines Universalnetzes geboren worden und sollte dies auch bleiben.

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Kommentare (41)

#32
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Registriert seit: 17.02.2009
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Matrose
Beiträge: 19
@Sushimaster

Dein letztes Beispiel hinkt vorn und hinten.
Du sagst, dass ich bei der Telekom eine Option hinzubuche, trotz meiner langsamen Leitung einen bestimmten Dienst mit Highspeed zu empfangen.
So weit so gut.
Was aber nicht stimmt ist, dass die Telekom mir Spotify nachhause, oder ins Hotel, oder in den Park bringt. Alles was die Telekom tut ist, mir eine eine fette Datenleitung, die potentiell überall hinführt freizugeben - mit Spotify haben die gar nichts zu tun.
Und auf dieser freigegebenen Leitung entscheidet die T-Com dann, wohin ich surfe und wer mir antworten darf.
Das ist wie mit deutschen Autobahnen - Du darfst sie kostenlos nutzen, aber nur wenn Du nach Berlin fährst.
Und das ist in jedem Fall ein Einschnitt in die NetzNEUTRALität, denn alle die jetzt nach Hamburg oder München wollen, werden zur Kasse gebeten, oder müssen die Landstraße nehmen.
#33
Registriert seit: 05.12.2009

Oberleutnant zur See
Beiträge: 1469
Zitat RaySpoint;19444541

Du sagst, dass ich bei der Telekom eine Option hinzubuche, trotz meiner langsamen Leitung einen bestimmten Dienst mit Highspeed zu empfangen.
So weit so gut.
Was aber nicht stimmt ist, dass die Telekom mir Spotify nachhause, oder ins Hotel, oder in den Park bringt. Alles was die Telekom tut ist, mir eine eine fette Datenleitung, die potentiell überall hinführt freizugeben - mit Spotify haben die gar nichts zu tun.
Und auf dieser freigegebenen Leitung entscheidet die T-Com dann, wohin ich surfe und wer mir antworten darf.


Das ist falsch gesehen! DU buchst eine unlimitierte Datenleitung zu Spotify mit Highspeed. NUR dorthin. Das ist sozusagen ein 100GB Paket zu spotify.com. Ein anderes Beispiel wäre eine Youtube Flatrate für 10 Euro. Wenn du sagst, du möchtest kein generelles Datenpaket womit du alles machen könntest, sondern nur Youtube abrufen möchtest, würde das so realisiert werden. Auch die Videos verschlingen viel Traffic, und über normale Datenvolumenpakete (Telekom bietet bis 30GB/Monat an) wäre trotzdem schnell schluss.

Man bucht also nichts anderes als ein zusätzliches Datenvolumen von 100GB/Monat zu Spotify (das ist die maximale Menge an Traffic die anfallen kann wenn man duchrgängig hört). Trotzdem kannst du ja im Rahmen deiner gebuchten Leistung alles in Highspeed ansurfen! Somit wird also garnichts beschnitten, priorisiert oder sonstwie in die Neutzneutralität eingegriffen.
#34
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Registriert seit: 10.06.2008
Emsland / Bochum
Admiral
Beiträge: 10398
Gab es Netzneutralität schon ?

Ich hatte vor Jahren schon einen Tarif, wo ich für Daten-Traffic extra zahlen musste, Email-Empfang und Versenden war aber für 2,95€ im Monat quasi als "Flatrate", Emailprovider konnte ich selbst aussuchen.
#35
Registriert seit: 05.12.2009

Oberleutnant zur See
Beiträge: 1469
Zitat Hardwarekäufer;19445755
Gab es Netzneutralität schon ?
Ich hatte vor Jahren schon einen Tarif, wo ich für Daten-Traffic extra zahlen musste, Email-Empfang und Versenden war aber für 2,95€ im Monat quasi als "Flatrate", Emailprovider konnte ich selbst aussuchen.


Naja, Datentarife gab es schon, um "ohne Bremse" im Netz zu surfen. Nur sind die halt sehr teuer (gewesen). Das ist aber keine regulatorische Maßnahme, sondern hat einfach mit den entstehenden Kosten der Provider zu tun.

Die Netzneutralität ist erst dann berührt, wenn man TROTZ Highspeedverbindung bestimmte Dienste nicht bekommt, oder bestimmter Traffic gedrosselt wird.
#36
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Registriert seit: 11.02.2006

Kapitänleutnant
Beiträge: 1729
Vom Einläuten des Endes der Netzneutralität kann hier wirklich keine Rede sein, die ist per Definition schon gar nicht betroffen. Tarife, die bestimmte Dienste für Smartphones freischalten bzw. nicht berechnen hat es auch schon immer gegeben (VoIP, Email etc.).
#37
Registriert seit: 11.03.2007

Moderator/Redakteur
Beiträge: 13888
Zitat Kyraa;19441734

Natürlich wird niemand von Spotify ausgeschlossen, wenn er die Option nicht bucht, aber wer sagt denn, das sich das nicht bald ändert?


Das wäre dann skandalös (und würde mich dazu veranlassen alle Verträge mit der Telekom zu kündigen).

Genau wie eine Priorisierung der Spotify Kunden (z.B. bei überlasteten Netzen kommen Spotify Streams noch an, während normale 50GB User in die Röhre gucken) skandalös wäre.

So aber sehe ich das eher als themenbasierte Flatrate, die lediglich über die Abrechnung differenziert wird - und nicht über den Traffic an sich, somit imo auch kein Problem und keine Verletzung der Netzneutralität (falls das technisch so realisiert wurde/wird, wie von Sushimaster geposted).

Zitat Kyraa;19441734
Die Telekom hat absolut keinen Aufwand betrieben außer 4 Zeilen Code zu entwerfen und kassiert für den gleichen Dienst mehr ab.


Wo wird denn da "mehr" abkassiert? Man erhält eine Flatrate, die zwar nur für eine Website/für einen Dienst gilt, dort kann man aber für 10€ mehr deutlich mehr Traffic machen ohne gedrosselt zu werden. Alternativ könnte man z.B. auch für 10€ mehr einen 2GB Tarif buchen (theoretisch zumindest - ohne Kenntnis über die tatsächliche Tarife der Telekom zu haben) und kann dann praktisch auch den ganzen Monat Spotify (im Vernünftigen Rahmen - bei 24/7 wären es 100GB wie von Sushi schon erwähnt) nutzen ohne gedrosselt zu werden (+ alle anderen Sachen).

Ich als Kunde (zumal ich SoundCloud bevorzuge) würde ich solche eingschränkende Flat nicht buchen, weil ich selbst entscheiden will wie ich meinen Traffic nutze, sehe aber darin (zumindesten nach den derzeitigen Infos) keinen Eingriff in die Netzneutralität, da die Daten von Spotify in beiden Fällen gleich bei mir ankommen und nur unterschiedlich abgerechnet werden.

Ähnliches gibt es bei der Telekom bei IPTV und den HD Sendern ja schon lange (öffentlich kostenlose HD Sender nur nach Kauf eines Premiumdienstes empfangbar).
#38
Registriert seit: 05.07.2012

Gefreiter
Beiträge: 44
Ich sehe Das in dieser Form nicht als problematisch an. Für jemanden ohne diese Option ändert sich ja nichts, es bleibt alles beim alten. Imho wird die Netzneutralität hier erst berührt, wenn tatsächlich eine Priorisierung o.ä. stattfindet.
Für Spotifynutzer hingegen gibt es jetzt eine Alternative zum großen oder nächstgrößerem Volumenpacket. Wer also mit dem kleinsten Volumenpacket seines Providers zurechtkommt und darüberhinnaus nur Spotify nutzen will, kann mit dieser Option vlt. sogar sparen.
#39
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Registriert seit: 14.12.2009
BaWü
Stabsgefreiter
Beiträge: 382
Ich verstehe nicht, wie man hier die Netzneutralität (nachfolgend NN) nicht berührt sehen kann ?
Natürlich ist das ein Eingriff in die NN !
Genau so wie es ein Eingriff ist, wenn Dienste wie Skype "verboten" sind und nur in einem anderen Tarif oder per Zubuch-Option legal zur Verfügung stehen.

Wenn eine Datenverbindung besteht, muss diese alle Daten in gleicher Qualität, also auch gleicher Bandbreite, übermitteln. Wenn gedrosselt wird, muss das für alles gelten.

Extra Volumen was bei Drosselung effektiv zu mehr Bandbreite für einzelne Dienste bedeutet ist mit NN nicht vereinbar. Es darf eben keine Sondertarife für einzelne Dienste geben.

Andere Streaming-Dienste werden bei der Drosselung faktisch unbrauchbar. Spotify verschafft sich durch die Kooperation einen monopolistischen Vorteil, welcher klar im Gegensatz zur NN steht.

Der normale Spotify-Tarif kostet auch 10€, nehmen wir also mal großzügig an dass die Telekom die hälfte für sich behält (mehr ja wohl sicher nicht, eher viel weniger, da Spotify ja auch bezahlt werden will), also 5€.
Selbst wenn ich sparsam bin und nur jeden dritten Tag 1h lang mit 250kbit/s höre, komme ich auf 1GB.

D.h. die Telekom verkauft mir hier realistisch gesehen 1-2 GB extra Volumen für max. 5€ (eher weniger..).
Wieso geht dass nur in Verbindung mit einem bestimmten Dienst ?
Wieso kostet 1GB sonst normalerweise 20€ ? (Datentarife)
Hier wird für einen Dienst also noch eine krasse Vergünstigung gegeben, faktisch wird also für andere Dienste mind. 4 mal so viel abkassiert und so sind diese allein schon dadurch benachteiligt.
Wie seht ihr hier die NN nicht angegriffen ?

NN-konform ist nur gleichbehandlung aller Dienste.
Das wäre z.B. 1GB extra für 5€, und der Kunde entscheidet selbst, wofür er es benutzt. Aber das an einen Dienst zu binden und diesem dadurch einen Vorteil ggü. kleineren Diensten zu verschaffen steht im krassen Gegensatz zur NN.

Richtig ist aber, dass die Telekom mit dem Tarif nicht das Ende der NN einläutet. Die ist schon lange nicht mehr gegeben, allein schon dadurch, dass theoretisch Skype etc. per AGB verboten sind.

Das zeigt mir nur wieder dass dringender Handlungsbedarf seitens der Politik besteht die NN gesetzlich einzuführen, um solche monopolfördernden und Marktfeindlichen Praktiken zu unterbinden.
Aber die sind ja auf CleanIT aus, d.h. Netzneutralität ist denen weniger Wert als ein haufen Dreck.
#40
Registriert seit: 05.12.2009

Oberleutnant zur See
Beiträge: 1469
Zitat pointX;19501801

Natürlich ist das ein Eingriff in die NN !


Nein.

Zitat pointX;19501801
Genau so wie es ein Eingriff ist, wenn Dienste wie Skype "verboten" sind und nur in einem anderen Tarif oder per Zubuch-Option legal zur Verfügung stehen.


Na endlich mal ein VERNÜNFTIGER Beitrag zum Thema NN.
Ja, das ist richtig, und ich finds auch nicht gut. Und DAS beeinträchtigt die NN deutlich mehr als so eine Option.

Zitat pointX;19501801
Wenn eine Datenverbindung besteht, muss diese alle Daten in gleicher Qualität, also auch gleicher Bandbreite, übermitteln. Wenn gedrosselt wird, muss das für alles gelten.


Tut es doch.

Zitat pointX;19501801
Extra Volumen was bei Drosselung effektiv zu mehr Bandbreite für einzelne Dienste bedeutet ist mit NN nicht vereinbar. Es darf eben keine Sondertarife für einzelne Dienste geben.


Warum nicht? Das gibt es in der Wirtschaft überall! Du zahlst zB 5 Euro an Douglas, und bekommst bei jedem Einkauf 15% Rabatt oder so. Nur so als halbseidenes Beispiel, das mal nix mit IT/Technik zu tun hat.
Meinetwegen könnte es auch einen Youtube Tarif geben. Es gibt doch auch SMS flats. Versuch das mal darauf zu polen.

Ich zahl 10 Euro im Monat und kann 100 Freiminuten telefonieren oder 100 SMS schicken (oder eben gemischt). Da ich ein notorischer SMS Idiot bin, brauche ich aber eine Flatrate - NUR fürs SMS verschicken, da ich locker 1000 SMS im Monat übern Äther schicken kann. Eher 2000. Diese Zusatzoption kostet mich 10 Euro. Warum ist das jetzt unfair den anderen gegenüber? Die haben für 100 Minuten/SMS bezahlt, und bekommen das auch. Wer mehr will muss einen höheren allgemeinen Tarif zahlen (500 Minuten/SMS) oder Pakete für spezielle Dienste buchen.
Da gibts übrigens noch die Festnetz Flat, die Mobilnetz-gebundene Flat (nur D1/D2/EPlus/...), eine generelle Mobilfunk Flat, eine Landesflat (zB für Telefonate nach Spanien), eine EU Flat etcpp. Diese Angebote richten sich ALLE an ganz bestimmte Ziele oder Dienste, sind durch eine geringe Gebühr aber deutlich günstiger oder sogar kostenlos.

Ein Beispiel von mir aus dem "echten Leben": Ich zahle ca. 4 Euro für die "CountryFlat 1", damit ich meine Familie in Spanien immer kostenlos anrufen kann. Das ist viel günstiger, als wenn ich das über den ganz normalen Tarif machen würde! 4 Euro, und ich kann 24/7 mit denen telefonieren! Das ist - deiner Definition - dreist und verstösst ganz klar gegen die "Gleichberechtigung", oder ist das jetzt was ganz anderes??? Nein, ist es nicht. Ich bekomme für einen Aufpreis einfach ein gewisses Kontingent "Freiminuten" ins europäische Ausland.


Zitat pointX;19501801
Andere Streaming-Dienste werden bei der Drosselung faktisch unbrauchbar. Spotify verschafft sich durch die Kooperation einen monopolistischen Vorteil, welcher klar im Gegensatz zur NN steht.


Wenn der Markt so etwas wünscht!? Warum buchst du denn so ein mickriges Datenkontingent? Buch doch 30GB bei der Telekom! Damit kannst du streamen, was du willst.

Zitat pointX;19501801

Der normale Spotify-Tarif kostet auch 10€, nehmen wir also mal großzügig an dass die Telekom die hälfte für sich behält (mehr ja wohl sicher nicht, eher viel weniger, da Spotify ja auch bezahlt werden will), also 5€.
Selbst wenn ich sparsam bin und nur jeden dritten Tag 1h lang mit 250kbit/s höre, komme ich auf 1GB.

D.h. die Telekom verkauft mir hier realistisch gesehen 1-2 GB extra Volumen für max. 5€ (eher weniger..).
Wieso geht dass nur in Verbindung mit einem bestimmten Dienst ?


Vermutlich weil es der Markt verlangt? Oder weil man es austesten möchte? Solltest du schonmal in der Branche tätig gewesen sein, weisst du, dass es nicht einfach ist, solche absolut neuen Modelle in den Markt zu bringen. Vielleicht floppt es ja auch, und unterm Strich steht ne fette rote Zahl!?

Zitat pointX;19501801

Wieso kostet 1GB sonst normalerweise 20€ ?


1.: Trafiic ist teuer, aber wenn du dir die Preise mal auf der Zeitachse anschaust, siehst du einen ständig fallenden Index. Vor 10 Jahren musstest du für 1MB (!!) noch 50 Euro zahlen. So gesehen sind 20 Euro durchaus günstig.
2.: Die Kapazität über Funk ist deutlich stärker limitiert (technisch) als ein üblicher "Hausanschluss".

Zitat pointX;19501801

Hier wird für einen Dienst also noch eine krasse Vergünstigung gegeben, faktisch wird also für andere Dienste mind. 4 mal so viel abkassiert und so sind diese allein schon dadurch benachteiligt.
Wie seht ihr hier die NN nicht angegriffen ?


Siehe Beispiel SMS flat. Für eine SMS in meinem Tarif zahl ich 9 cent. Wenn ich 1000 SMS schreibe zahle ich also normalerweise 90 Euro. Die SMS Flat kostet mich aber nur 10 Euro.
Hier wird für einen Dienst also noch eine krasse Vergünstigung gegeben, faktisch wird also für den Dienst ohne Extraoption mind. 9 mal so viel abkassiert und so sind diese allein schon dadurch benachteiligt.

Gell?

Zitat pointX;19501801

NN-konform ist nur gleichbehandlung aller Dienste.


Ist es mit deinem "normalen" Tarif auch. Du kannst mit 1GB (oder wieviel es auch immer sein mag) tun und lassen was du willst.

Zitat pointX;19501801
Das wäre z.B. 1GB extra für 5€, und der Kunde entscheidet selbst, wofür er es benutzt.
Aber das an einen Dienst zu binden und diesem dadurch einen Vorteil ggü. kleineren Diensten zu verschaffen steht im krassen Gegensatz zur NN.


Du kannst dir doch mehr "Standardvolumen" dazubuchen. Geht ganz einfach!

Kleinere Dienste können ja auch versuchen, mit der Telekom einen Deal zu machen. Letztendlich werden aber nur global Player da reinkommen.

Übrigens gibt es sowas schon VIEL länger! Es gibt doch gefühlte 200 Mobilfunkprovider, von Aldi, Lidl, Rewe, damals Schlecker, oder zB MTV. Bei einigen Anbietern kann man auf einigen Webseiten surfen, ohne, dass das Datenvolumen angetastet wird, zB bei BildMobil (BILDmobil -*Der Prepaid Tarif Hammer: nur 9 ct./min. in alle Netze!). Dann müsste das deiner Definition ja auch die NN antasten - beschweren tut sich da aber keiner!? Und jetzt erzähl mir nix von "Bild.de ist ja auch Müll". Darum gehts nicht, und es gibt auch andere Anbieter, die sowas machen.
#41
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Zitat
Warum nicht? Das gibt es in der Wirtschaft überall! Du zahlst zB 5 Euro an Douglas, und bekommst bei jedem Einkauf 15% Rabatt oder so. Nur so als halbseidenes Beispiel, das mal nix mit IT/Technik zu tun hat.

Wenn ich es richtig verstehe: 5€ an Douglas zahlen und 15% Rabatt beim Einkauf von Douglas-Produkten bekommen ?
Ich habe mich nicht genau informiert, aber so scheint es mir auf den ersten Blick zu sein.
Dazu analog wäre 5€ an die Telekom zahlen und 15% der nächsten Monatsrechnung abgezogen bekommen. Was hat das dann mit dem Thema zu tun ? Oder habe ich das Rabattsystem falsch verstanden ?

Zitat
Es gibt doch auch SMS flats. Versuch das mal darauf zu polen.
Ich zahl 10 Euro im Monat (..) brauche ich aber eine Flatrate - NUR fürs SMS verschicken,(..) Diese Zusatzoption kostet mich 10 Euro. Warum ist das jetzt unfair den anderen gegenüber? Die haben für 100 Minuten/SMS bezahlt, und bekommen das auch. Wer mehr will muss einen höheren allgemeinen Tarif zahlen (500 Minuten/SMS) oder Pakete für spezielle Dienste buchen.


Nur damit wir uns nicht missverstehen, auf was beziehst du "unfair den anderen gegenüber".
Ich beziehe es auf andere Dienstanbieter, nicht auf Personen, die einen anderen Tarif haben.
Deine SMS Flat ist ok wenn sie in alle Netze geht und somit keinen Dienstanbieter bevorzugt / benachteiligt.

Du buchst hier einfach eine höhere Menge an SMS, nämlich eine unbegrenze Menge. Das geht aber an alle Dienstanbieter und ist somit OK. Die Spotify-Option geht nur an einen Dienst und ist nicht OK.

Das Modell hierauf übertragen sähe so aus:
SMS-Flat (bis 100 SMS, danach kein SMS Versandt mehr möglich -> denn mit 64kbit drosselung ist z.B. youtube faktisch unbrauchbar).
Zubuchoption: SMS-Flat ohne Limit, aber nur zu T-Mobile Kunden für 10€.
Wenn du wieder zu anderen Freunden in anderen Netzen Kontakt haben willst musst du dein Kontingent aufladen. 5€ für weitere 100SMS.

Hier wird klar ein Dienstanbieter bevorzugt und andere benachteiligt. Es muss gelten dass 1SMS, 1MB gleich viel kostet, und zwar egal wohin sie geht. Hier wird nach Ziel unterschieden und die Dienstanbieter nicht gleich behandelt (andere durch höhere Preise benachteiligt -> monopolfördernd) und das geht gg. die NN.

Zitat
Da gibts übrigens noch die Festnetz Flat

Ist ok weil keiner benachteiligt wird, da sie zu allen Dienstanbietern gilt.

Zitat
die Mobilnetz-gebundene Flat (nur D1/D2/EPlus/...)

Ist nicht ok weil andere Anbieter benachteiligt werden. Flat zu Spotify (D1), aber zu Youtube (EPlus, O2) darfst du extra zahlen (Datenvolumen nachkaufen).
Ich gebe dir ein paar Stichwörter: benachteiligung, monopolfördernd, NN. Nur weil das Praxis ist, ist es noch lange nicht mit der NN vereinbar.

Zitat
eine generelle Mobilfunk Flat

Ist ok weil kein Dienstanbieter benachteiligt wird

Zitat
eine Landesflat (zB für Telefonate nach Spanien), eine EU Flat etcpp. (..) "CountryFlat 1", damit ich meine Familie in Spanien (..) oder ist das jetzt was ganz anderes??? Nein, ist es nicht.

Doch, ist es.
Es ist nicht vergleichbar, da das Internet keinen Standort kennt. 1MB wird immer gleich abgerechnet, egal ob der Server in Deutschland, Spanien oder Timbuktu steht. Für das Internet gibt es kein In-/Ausland, Roaminggebühren etc. Wenn überhaupt kannst du also nur Tarife, die im "Inland" gelten, mit dem Internet vergleichen, da es sowas wie "Ausland" eben nicht gibt !

Dass das bei Telefonaten anders aussieht ist klar, da hier auch dem Anbieter höhere Kosten (Roaming) entstehen, wenn er dein Telefonat in´s Ausland weiterleitet.

Zitat
Diese Angebote richten sich ALLE an ganz bestimmte Ziele oder Dienste (..)

Die generellen (Festnetz, Mobilfunk) flats nicht. Die speziellen (nur bestimmtes Netz) ja.

Zitat
Wenn der Markt so etwas wünscht!? Warum buchst du denn so ein mickriges Datenkontingent? Buch doch 30GB bei der Telekom! Damit kannst du streamen, was du willst.

Richtig. Aber wie schon vorher festgestellt ist "normales" Volumen 4x so teuer wie "Spotify"-Volumen.
Ich muss damit für z.B. Youtube viel mehr zahlen als mit der Option für Spotify.

Spotify bevorzugt. Andere Dienste benachteiligt, monopolfördernd, gegen NN. So schwer ?

Zitat
Vermutlich weil es der Markt verlangt? Oder weil man es austesten möchte? (...)

Themabezug ? Was der Markt will oder nicht ist der NN egal. Und wenn der Markt "harte" Drogen kaufen will ist es trotzdem illegal. Deshalb muss die NN gesetzlich festgelegt werden, damit auch sowas hier nicht mehr legal bleibt.

Zitat
1.: Trafiic ist teuer (..) 2.: Die Kapazität über Funk ist deutlich stärker limitiert (technisch) als ein üblicher "Hausanschluss".

Ja. Es ist auch klar, dass 1. aus 2. resultiert. Traffic ist teuer, aber scheinbar nicht für alle.
Für manche Dienste (Spotify) gib´s Sonderkonditionen. Bervorteilung, monopolfördernd, gg. NN. Ich wiederhole mich.

Zitat
Siehe Beispiel SMS flat. Für eine SMS in meinem Tarif zahl ich 9 cent.
Wenn ich 1000 SMS schreibe zahle ich also normalerweise 90 Euro. Die SMS Flat kostet mich aber nur 10 Euro.
Hier wird für einen Dienst also noch eine krasse Vergünstigung gegeben, faktisch wird also für den Dienst ohne Extraoption mind. 9 mal so viel abkassiert und so sind diese allein schon dadurch benachteiligt.

Gell?

Nein. Du verwechselst die Übertragungsart (SMS, http, ftp, imap) mit dem Dienst (Telekom, Vodafone, 1&1, spotify, youtube).
Deine Flat gilt wohl zu allen Dienstanbietern (also in alle Netze) ? Es wird also keiner benachteiligt ? Ja ? Dann ist ja alles ok.

Zitat
Ist es mit deinem "normalen" Tarif auch. Du kannst mit 1GB (oder wieviel es auch immer sein mag)
tun und lassen was du willst.
Du kannst dir doch mehr "Standardvolumen" dazubuchen. Geht ganz einfach!

Ja, geht. Aber dann bitte gleiche Preise für alle, und keine Sondertarife für ein paar Dienste einzelner Firmen. Siehe oben.

Zitat
Kleinere Dienste können ja auch versuchen, mit der Telekom einen Deal zu machen. Letztendlich werden aber nur global Player da reinkommen.

Merkst du was ? Du sagst ja selber, dass kleine Dienste keine Chance haben und benachteiligt werden !
Nur noch Global Player, kleine Anbieter keine chance, was Monopole / Oligopole fördert und somit klar gegen die NN ist.
Du vertrittst also auch diese Auffassung und denkst immer noch dass das mit der NN vereinbar ist?
Oder war das ganze jetzt Ironie ?

Zitat
Übrigens gibt es sowas schon VIEL länger! (...)

Nur weil die Politik schon seit Jahren in diesem Thema unfähig ist und Unternehmen das für sich ausnutzen ist es noch lange nich OK.
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