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Axel Springer vs. AdBlock Plus: Einstweilige Verfügung wegen Overblockings

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adblock plus logoDer Axel Springer Verlag und Eyeo, Anbieter des Werbeblockers AdBlock Plus, liegen bereits seit einiger Zeit im Clinch: So lässt die Website der Boulevardzeitung BILD etwa Nutzer von Werbeblockern gar nicht mehr auf die Online-Präsenz. Gegen Anleitungen, welche jene Maßnahme umgehen, ging der Axel Springer Verlag juristisch vor. Nun hat man beim Verlag AdBlock Plus erneut im Visier: Denn das Plugin blockierte auf Websites von Axel Springer nicht nur Werbung, sondern auch redaktionelle Inhalte – etwa einen Liveticker. Das Landgericht Hamburg erließ deswegen bereits im Juli auf Antrag von Computerbild eine Einstweilige Verfügung gegen Eyeo. Unter anderem wurden neben einem Liveticker zur Apple-Entwicklerkonferenz WWDC auch eingebettete Tweets durch AdBlock Plus gefiltert. Eyeo findet die Klage allerdings überzogen und hat kommentiert: „Wir haben den konkreten Fehler auf Computerbild.de umgehend der EasyList gemeldet, nachdem wir davon im Verfügungsverfahren erfahren haben, so wie es Springer oder jeder andere auch hätte direkt machen können." Die Filterlisten würden aber nur einmal pro Tag erneuert, da könne es schlichtweg auch zu Pannen kommen.

Auch wenn Eyeo damit eine bewusste Blockade redaktioneller Inhalte abstreitet, von welcher das Unternehmen wohl auch wenig hätte, hat das Landgericht entschieden, dass Eyeo haftbar ist. Es reiche dafür aus, dass Eyeo ohne weitere Prüfungen Filterlisten für AdBlock Plus übernommen habe. Nun prüft Eyeo, inwiefern gegen die Entscheidung vorgegangen werden könnte. Für Eyeo ist das Thema insgesamt heikel, denn Fehlblockaden lassen sich auf lange Sicht kaum vermeiden. Etwa enthält die EasyList Germany allein über 60.000 Einträge, über die Werbung und anderer Content identifiziert bzw. im Falle des Falles blockiert werden. Auch Facebook war bereits sauer auf Eyeo, da im sozialen Netzwerk nicht nur Werbung, sondern auch Posts gefiltert wurden.

Jetzt heißt es abwarten, wie es rund um den Konflikt zwischen dem Axel Springer Verlag und Eyeo weitergeht. Auch vorm Oberlandesgericht Köln haben sich die beiden Parteien gezankt. Dort wurde entschieden, dass AdBlock Plus unter bestimmten Bedingungen nicht vertrieben werden dürfe. Zwar wird diese Auseinandersetzung in weitere Instanzen gehen, der Axel Springer Verlag setzt sich aber aggressiv für die vorläufige Vollstreckung des Urteils ein. Noch ist aber offen, was das genau bedeuten würde. Zähneknirschend hatte Eyeo die Angebote des Axel Springer Verlags bereits auf seine Whitelist für „Acceptable Ads“ gesetzt. Für eine Aufnahme wird sonst oft ein Obolus fällg. Auch bei den „Acceptable Ads“ kommt aber nur Werbung durch, welche bestimmten Auflagen genügt. Ob sich also der Axel Springer Verlag bzw. das Oberlandesgericht Köln damit zufrieden geben, ist offen.

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Kommentare (21)

#12
Registriert seit: 22.10.2011

Hauptgefreiter
Beiträge: 220
Also ich weiß nicht warum so mancher Partei für den Springer Verlag ergreift ? Bezahlen die euch was ? Ihr mögt adblock bzw die Firma nicht ist doch ok aber dann gleich für die Gegenseite sein ........
#13
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Registriert seit: 08.06.2015

Leutnant zur See
Beiträge: 1129
Zitat Shevchen;24838782
Ich denke, der Vergleich passt ziemlich gut. Wo hat jetzt der Werbertreibende (Springer) einen Ansatzpunkt?

Kann ich dir erklären:

Du kaufst dir eine Sonnenbrille, die die gesamte Werbung in deinem Blickfeld wegmacht. Die Brille hat einen Knopf, mit dem bestimmte Werbung wieder eingeblendet werden kann. Der Hersteller der Sonnenbrille bietet allen Werbetreibenden an, gegen Zahlung eines monatlichen Betrags in die Liste dieser "akzeptablen" Werbung aufgenommen zu werden. Das ist fast so, wie wenn morgens jemand beim Gemüsehändler vorbeikommt und sagt: "Schönen Werbeaufsteller hast du da draußen auf dem Gehweg stehen. Wäre schade, wenn heute Nacht jemand vorbeikommt und den kaputt macht..."

Das ist moralisch und evtl. auch rechtlich ein zweifelhaftes Geschäftsmodell. Du als Käufer der Sonnenbrille interessierst dabei nicht. Du darfst das Ding kaufen und benutzen, soviel du willst. Aber der Hersteller versucht mit seiner Marktmacht, Werbetreibenden Geld abzuknöpfen.
#14
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Registriert seit: 18.01.2012

Vizeadmiral
Beiträge: 6562
Nur das hier Käufer zusätzlich falsch ist oder hat jemand von euch jemals Geld dafür bezahlen müssen Adblock verwenden zu können ?
#15
Registriert seit: 26.05.2006
Bern (CH)
Oberbootsmann
Beiträge: 988
Muahaha, ich glaube langsam das Landgericht Hamburg ist eine gross angelegte Satire-Aktion. :P
#16
Registriert seit: 13.03.2015

Leutnant zur See
Beiträge: 1218
"Königlich bayrisches Amtsgericht" in modernisierter Fassung sozusagen...

Weiss jemand, wann die erste Staffel von "Landgericht Hamburg" ausgestrahlt wird ? :D
#17
Registriert seit: 15.05.2013
Ruhrpott
Korvettenkapitän
Beiträge: 2276
Zitat Shevchen;24838782

Ich so: Mir doch egal, was du willst. Ich hab mir die Brille gekauft, weil ich eben KEINE Werbung mehr sehen will. Schon schlimm genug, dass ich die überhaupt kaufen muss, eigentlich müsstest du fragen, bevor du mir deine Werbung ins Gesicht drückst!


Wenn du die Werbung nicht sehen willst, dann musst du ja nicht auf die entsprechende Seite gehen. Viele Seiten akzeptieren, dass Menschen Adblocker nutzen und dann ist auch alles ok.
Der Springer Verlag tut das eben nicht und das ist auch deren Recht. Ergo sperren sie eben die User aus, die sich eine solche Sonnenbrille/Adblocker holen.
Nun fängt der Hersteller der Sonnenbrille an nicht nur Werbung auszublenden, sondern zusätzlich die tatsächlichen Inhalte, die ein Besucher sehen will, wenn er die entsprechende Seite aufruft. Kein Wunder, dass der Betreiber dann ziemlich böse wird.
Das diese Ausblendungen Zufall waren glaube ich absolut nicht.
#18
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Registriert seit: 06.02.2014
Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 9489
Zitat ElPiet;24842784
Das diese Ausblendungen Zufall waren glaube ich absolut nicht.

Also ich als Softwareentwickler halte das nicht für unwahrscheinlich...
Da steckt ja ein Analyse-Algorithmus für den inhalt dahinter (denn im Sourcecode der Seite steht ja nicht "Das ist Werbung: XYZ") dahinter und sowas kann naturgemäß kaum wirklich perfekt funktionieren. In der Praxis gibt es da ja auch die Möglichkeit, fälschlich ausgeblendete Inhalte zu melden.
Was hätten die davon Tweets auszublenden? Twitter erpressen? Das ist dann doch etwas weit hergeholt und ihr eigenes Produkt wird ja wohl kaum mehr Anklang bei den Nutzern finden durch sowas.

Die Klage richtet sich wohl etwas allgemeienr gegen das gesamte Geschäftsgebahren.
#19
Registriert seit: 15.05.2013
Ruhrpott
Korvettenkapitän
Beiträge: 2276
Das sowas technisch passieren kann, steht auch so im Artikel. Ich halte es dann doch für arg seltsam, wenn das gerade auf der Seite des Anbieters passiert, mit dem man grad stark im Clinch ist.
Was die Frage angeht, was man davon hat: Man schadet eben (stark) dem Nachrichtenportal. Laut Artikel war es ja unter anderem der Liveticker von der Apple Entwicklerkonferenz. Ich denke schon, dass dies viele interessiert hat, die sich dann woanders informiert haben.
#20
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Registriert seit: 17.05.2003
Augsburg
Admiral
Beiträge: 11137
Sorry, aber wenn der User ne Filterliste hat, wo Twitter geblockt wird, dann ist das kein Verstoß gegen die Pressefreiheit! Von selber ist der Filter da ja nicht reingekommen.
#21
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Registriert seit: 03.10.2005
Rhein/Ruhr
Korvettenkapitän
Beiträge: 2417
Kann die Aufregung gar nicht verstehen. Wer Bild lesen will, muss auch mit der Werbung leben, fertig. Das ist ein profitorientiertes Unternehmen wie jedes andere auch. Wer zwingt euch denn, die Bild zu lesen?
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