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Netzbetreiber sprechen sich geschlossen gegen freie Routerwahl aus

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Ende Februar verabschiedete das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen Gesetzesentwurf der festlegt, dass alle Netzabschlusspunkte passiv sein müssen. Das Gesetz stellt eine freie Wahl eines Endgeräts für den Breitbandanschluss (Router, Kabelmodem) sicher. Damit soll die bisherige Praxis einiger Netzbetreiber unterbunden werden, die für den Netzzugang ausschließlich von ihnen vertriebene Endgeräte zulassen. Bis zum 20. März waren nun alle beteiligten und betroffenen Verbände sowie Unternehmen eingeladen, sich dazu zu äußern. Diese öffentlichen Stellungnahmen wurden nun veröffentlicht und zeigen ein eindeutiges Bild.

Während sich die meisten Verbraucherverbände für die freie Routerwahl aussprechen, zeigen die Netzbetreiber eine gegenteilige Sichtweise. So stellt UnityMedia KabelBW fest, dass im Gesetzesentwurf offenkundig "keine Rücksicht auf technische Unterschiede zwischen verschiedenen Infrastrukturen" genommen wurde. Dies führe dazu, "dass mit der vorgesehen Regelung in Art. 2 eine technisch unmögliche Pflicht formuliert wird." Anders gesagt: UnityMedia sieht keine technische Möglichkeit dem Nutzer eine freie Wahl des Routers zu ermöglichen. Technisch etwas tiefer wird in der Folge auf das Thema eingegangen:

"Die bei Anschaltung eines nicht zugelassenen Kabelmodems zu befürchtenden Probleme reichen von unberechtigter Diensteinanspruchnahme und falscher Ressourcenzuweisung, über die Störung der Signale anderer Teilnehmer bis hin zur Überlastung der CMTS. Letztere Probleme können zu einer Beeinträchtigung eines ganzen Clusters mit mehreren hundert Teilnehmern führen. Garantierte Bandbreiten, Sicherheitsfeatures und weitere Services könnten so nicht mehr im gewohnten Umfang geleistet werden. Dabei ist es mit erheblichem Aufwand verbunden, den Störer zu identifizieren, weil durch die Shared-Medium-Architektur der Ausgangsort der Störung nicht unmittelbar lokalisierbar sondern nur grob eingrenzbar ist. Eine rasche Behebung von im Einzelfall durchaus erheblichen Störungen ist deswegen nicht möglich."

Da "das Kabelnetz ein Shared Medium ist, ist es notwendig, dass der Netzbetreiber auf dem Modem verschiedene Parameter festlegen und einige von ihnen während des Betriebs sogar in Echtzeit anpassen kann." - so UnityMedia weiter.

Allerdings lassen sich die von UnityMedia vorgehaltenen Argumente leicht entkräften. In den USA sind Kabelnetze weit verbreitet und hier herrscht kein Router-Zwang. Dennoch sind die Netze offenkundig nicht von größeren Ausfällen oder Störungen betroffen. Natürlich lassen sich solch unterschiedliche Infrastrukturen kaum vergleichen. Mithilfe bestimmter Standards, die dann von den Anbietern alternativer Router eingehalten werden müssen, ließen sich solche Probleme aber lösen. Grundsätzlich sind solche Monitoring- und Anpassungs-Parameter bereits heute standardisiert und aus technischer Sicht kein Hindernis für die freie Wahl eines Routers.

Auch Vodafone bzw. Kabel Deutschland äußern sich in ähnlicher Art und Weise: "In Bezug auf Kabelnetze stehen dem Vorschlag erhebliche technische Bedenken entgegen, die es zu berücksichtigen gilt. Denn anders als in Kupferdoppelader-Netzen (DSL) gibt es in Kabelnetzen („Shared Medium“) keine dedizierte, individuell vom Netzbetreiber adressierbare physische Anschlussleitung zum Kunden. Vielmehr ermöglicht erst das Kabelmodem als Netzabschlussgerät im Zusammenspiel mit der Gegenstelle im Kabelnetz (sog. Cable Modem Termination System, CMTS) die Bereitstellung der individuellen Dienste für den Endkunden. Ein Kabelmodem erfordert deshalb zwingend eine gerätespezifische, kabelnetzbetreiberindividuelle Konfigurationsfirmware, um die Dienste gegenüber dem Endkunden erbringen zu können. Diese muss grundsätzlich über die Netzbetreiber gesteuert und an netzseitige Veränderungen angepasst werden können"

Vodafone verweist aber auch auf den Support-Fall, denn eine technische Unterstützung sei im Falle von Problemen mit einem fremden Modem kaum möglich. Dies ist bei den eigenen DSL-Anschlüssen mit freier Modem-Wahl aber bereits heute der Fall - gleiches gilt für die DSL-Anschlüsse der Deutschen Telekom. Die Deutsche Telekom wirbt mit ihrem Miet-Modell und lässt dem Kunden damit die Wahl, ob er einen Router des Unternehmens oder einen eigenen, z.B. eine FRITZ!Box verwenden möchte. Für Vodafone kann diese also keine Argumentation gegen die freie Routerwahl sein.

Die Veröffentlichungen der Stellungnahmen ist ein weiterer Schritt in Richtung finale Gesetzgebung. Der Entwurf wird nun der EU und den Mitgliedsstaaten vorgelegt, die diesen ebenfalls einsehen können. Gegner des Gesetzen können Einspruch einlegen, was aber nicht zwangsläufig auch bedeutet, dass das Gesetz nicht in Kraft treten kann. Das BMWi rechnet mit einem Gesetzgebungsverfahren in der 2. Jahreshälfte 2015.

Bisher nicht geäußert hat sich die Deutsche Telekom als größter Anbieter von breitbandigen Internetanschlüssen.

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Kommentare (13)

#4
Registriert seit: 13.06.2006
Würzburg
Fregattenkapitän
Beiträge: 2928
Zitat Don;23340688
Das mag so lange funktionieren, wie ihr nicht auf einen Anschluss angewiesen seit, bei dem es keine Alternative gibt.


Kann einem ein Kabelanschluss aufgezwungen werden?


//meine o2-Box (Ex-Alice-Kunde, also DSL) kommt mir auch nur im Supportfall ins Netz, diesen DHCP-Nazi brauch ich echt nicht. Zugangsdaten bekommt man, VOIP-Daten muss man sich selbst fischen. Ginge das nicht, würde ich kündigen, und alleine die Androhung dies wegen nicht rausgegebener VOIP-Zugangsdaten zu tun (man bleibt ja hart - die Sache wär mit Datenrausgabe sofort vom Tisch) schlägt schon hier und da ein paar Euronen raus. Die wollens einfach nicht anders.
#5
Registriert seit: 17.06.2010

Oberstabsgefreiter
Beiträge: 402
Verdammtes Kartell...
#6
Registriert seit: 01.03.2013
tief im Süden
Hauptgefreiter
Beiträge: 232
Zitat HW-Mann;23340492
routerzwang interessiert mich 0, ich nutze meine geräte und fertig ist der laden.


Dito. Hauptsache ich bekomme meine Bandbreite und Kontinuität mit dem Router.
#7
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Registriert seit: 10.06.2008
Emsland / Bochum
Admiral
Beiträge: 10402
Wenn es in anderen Ländern einwandfrei funktioniert, dann sind die Argumente doch wertlos.
Routerzwang dient nur einem, und das ist der Anbieter weil er seine billigen Geräte als Hochwertige Modelle kostenpflichtig an Kunden weitergeben kann. In diesem Geschäftsmodell ist das kostenlose Grundmodell der letzte Schrott.

Das ganze ist bezeichnend für Deutschland und ein Paradebeispiel warum hier der Ausbau des Netzes kein Stück voran kommt. Innovation wird häufig durch Lobbyismus gebremst.. solange gutes Geld verdient wird heisst es "never change a running system"
#8
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Registriert seit: 22.08.2011
Oelsnitz, Sachsen
Stabsgefreiter
Beiträge: 271
Bei Anbietern übers Telefonkabel ist das Problemlos möglich. Bei Kabel versteh ich die Anbieter, da die Technik dort eine ganz andere ist. Klar, wenn man sein eigenes Kabelmodem nutzen will, und dann nicht kann ist das scheiße, aber es gibt ja auch Konsorten die sich sowas extra bauen oder knacken etc und so Parameter einstellen (mehr Bandbreite etc). und sowas soll ja verhindert werden.
#9
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Registriert seit: 17.01.2010
Berlin
Leutnant zur See
Beiträge: 1054
Zitat HerrBockwurst;23341941
Bei Anbietern übers Telefonkabel ist das Problemlos möglich. Bei Kabel versteh ich die Anbieter, da die Technik dort eine ganz andere ist. Klar, wenn man sein eigenes Kabelmodem nutzen will, und dann nicht kann ist das scheiße, aber es gibt ja auch Konsorten die sich sowas extra bauen oder knacken etc und so Parameter einstellen (mehr Bandbreite etc). und sowas soll ja verhindert werden.


Allerdings verhindert Kabel Deutschland auch die Nutzung eines eigenen Routers hinter dem Kabelmodem (eine Fritzbox kann deshalb nur eingeschränkt genutzt werden, es seidenn sie ist von KD), und dazu gibt es keinerlei technische Gründe.
#10
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Registriert seit: 01.01.2007
Exil
Der Saft ist mit euch!
Beiträge: 8144
Hä, was?! Ich nutze seit Ewigkeiten meinen eigenen Router hinter dem Kabelmodem und alle anderen KDG Kunden die ich kenne auch. Wie soll das denn technisch auch bitte eingeschränkt werden? Das ist eine normale RJ45 Verbindung und ob da ein Router, Switch, PC oder sonstwas dran hängt ist dem Modem doch egal, sobald ich es an die Dose klemme connected es und fertig :hmm:

@Topic: Generell sehe ich das auch eher als Schikane, allein die Kabelnetzbetreiber haben ein Gegenargument. Ich persönlich habe allerdings kein Bedürfnis nach einer Veränderung, da ich wie gesagt nur das Modem von KDG habe und alles wichtige findet dann ja eh im Router statt. Würde mir KDG ein Modem/Router-Kombigerät aufzwingen, würde die Sache wieder anders aussehen, denn deren Schrottgeräte will ich nicht. Machen sie ja aber nicht, insofern alles ok.
#11
Registriert seit: 30.06.2009

Matrose
Beiträge: 9
Modemzwang vieleicht aber Routerzwang wäre schon hart. Hab grad so nen Kack Router von KabelBW Ubee Dreck OMG! Will meine Fritzbox zurück!!^^ Würd lieber son Drecks Modem in meine 7390 Fritzbox anschliessen als so nen Router von dene nehmen.
#12
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Registriert seit: 23.01.2012
Dromund Kaas
Kapitän zur See
Beiträge: 3257
Hoffentlich ist es endlich soweit.
Ich meine ich hab nichts dagegen die 5€ für die Fritzbox von Unitymedia mehr zu bezahlen, aber das man einfach
mal Funktionen wie den TV Tuner deaktiviert weil man ja dieses kack schlecht funktionierende Horizon Go im Angebot hat
ist eine Schweinerei.
#13
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Registriert seit: 08.03.2013
Kernelbasis
Oberbootsmann
Beiträge: 894
ich stehe nach meinem umzug vor der frage ob ich bei o2 bleiben möchte oder nicht. derzeit liegt in der wohnung ein dsl-6000 an, ich habe "nach draußen" gut und gerne mal 13 hops und 70ms latenz. als zocker bin ich mit der leitung ziemlich angesäuert.

eine umstellung auf vDSL würde mich 6€ mehr im monat kosten, allerdings möchte mir o2 kein endgerät stellen. ich kann mir jetzt eine o2-gammelbox für 80€ kaufen oder eine fritzbox für 110€.

da ich hier sogar noch eine fritzbox 7360SL stehen habe, könnte man sich diese anschaffung tatsächlich klemmen. darf ich aber nicht.

restvertragslaufzeit noch bis oktober. bei vertragsabschluss mit einem anderen ISP würde ich den router für lau bekommen - müsste dann aber o2 und neuen ISP zusammen zahlen. (bis ich im oktober kündigen kann)

egal wie man es dreht und wendet, man leiert mir unnötigerweise geld ausm kreuz.

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