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Retroperspektive: Ein Blick zurück auf die Keynote der MacWorld Expo

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Alljährlich eröffnet Apple den Reigen seiner Produktvorstellungen zur MacWorld Expo, die am vergangenen Dienstag offiziell ihre Pforten öffnete. 2009 haben die Cupertiner nicht nur mit einer Tradition gebrochen - es gab keine Steve-note -, sondern auch zum letzten Mal der größten Mac-Messe beiwohnen. Apple begründet seinen Abschied von der MacWorld damit, dass der Konzern inzwischen andere Wege gefunden habe, seine Kunden effizienter zu erreichen. In der Blogosphäre sorgte die Ankündigung für einiges Unbehagen, wobei viele den Schritt aus geschäftlicher Sicht durchaus verstehen können. Nicht nur musste Apple bisher seine Produktpolitik an der MacWorld Expo ausrichten, sondern auch viele Kunden ließen das Weihnachtsgeschäft zugunsten der Macinstosh-Messe sausen. Nachdem es in den letzten Tagen in der Mac-Gerüchteküche nur so brodelte und die wildesten Spekulationen um mögliche Wundergeräte aus dem Hause Apple die Runde machten, konnte die MacWorld Keynote dem Hype nicht gerecht werden. Phil Schiller zeigte während seiner ereignisarmen Ansprache neue Versionen von iLife und iWork sowie die Unibody-Version des 17-Zoll großen MacBook Pro.Steve Jobs wieder oben auf

Passend zum Start der MacWorld nahm Steve Jobs Stellung zu einer Abwesenheit und ging erstmals vergleichsweise ausführlich auf seinen aktuellen Gesundheitszustand ein, nachdem die an Phil Schiller abgetretene Keynote im Vorfeld der MacWorld für reichlich Spekulationen sorgte. Jobs zufolge sei es weitaus besser um ihn gestellt, als die Blogosphäre einem wissen machen wolle. Nachdem Jobs und seine Ärzte lange um den Grund für seinen Gewichtsverlust gerätselt haben, sei man inzwischen fündig geworden. Eine hormonelle Störung sei demnach im vergangenen Jahr für die gesundheitlichen „Probleme“ von Steve Jobs verantwortlich gewesen. Die entsprechende, unkomplizierte Behandlung wurde eingeleitet und soll bis zum Frühjahr abgeschlossen sein.

iLife‘09

Seine Rede begann Pihl Schiller mit einer kurzen Rekapitulation des letzten Jahres, welches seinen Ausführungen zu folge ein Außergewöhnliches für Apple gewesen sei. Nicht nur konnte Apple wöchentlich rund 3,4 Millionen Besucher in seinen Stores begrüßen, sondern auch insgesamt 9,7 Millionen Macs an den Mann bzw. Frau bringen.

Als erstes wandte sich Phil Schiller der 2009er Ausgabe von iLife zu, die ab Ende Januar für 79 Euro in den deutschen Handel gelangen soll. Die spektakulärsten Neuerungen in Apples Multimedia-Paket betreffen iPhoto, welches zwei neue Möglichkeiten bietet, seine Bilder anzuordnen. Zum einen wäre dort Faces - eine Art Gesichtserkennungsfeature - welches es ermöglicht, Bilder einzelnen Personen automatisch zu zuordnen. Eine direkte Anbindung zu Facebook sorgt dafür, dass sich mit Personen verlinkte Bilder sofort ins soziale Netzwerk hochladen und dort mit Tags versehen lassen. „Places“ hingegen greift GPS-Informationen zurück und platziert Bilder anhand der Koordinaten auf den Landkarten von Google Maps - wahlweise auch manuell. Weitere Neuerungen betreffen den Support für Flickr sowie erweiterte Geotagging-Funktionen.

Ebenfalls deutlich überarbeitet wurde auch die Videoschnitt-Software iMovie, welche nicht nur um zahlreiche neue Funktionen erweitert wurde, die vielen Usern in der letzten Inkarnation schmerzlich vermisst wurden. Damit nicht genug bietet die Software zahlreiche dynamische Themen sowie einen Bildstabilisator, der während der Präsentation ob seiner Leistungsfähigkeit für einige Ahs und Ohs sorgte.

Zu guter letzt hat Apple auch noch seiner Musik-Software GarageBand ein Update unterzogen. Dabei wurde nicht nur der Funktionsumfang deutlich erweitert und enthält einen „digitalen Musiklehrer“ - mit dem sich neun Instrumente erlernen sollen lassen -, sondern auch eine komplett neue Oberfläche. Damit nicht genug haben die Cupertiner noch einen „GarageBand Lesson Store“ mit eingebaut, über welchem man sich für 4,99 US-Dollar von bekannten Künstler wie John Fogetry, Norah Jones und Sarah McLaghlan einzelne Musikstücke erklären lassen kann.



iWork’09

Als zweites wandte sich Phil Schiller in seiner Keynote der Apple-eigenen Office-Suite iWork zu, welche zwar weniger spekatulär ausfiel, aber in der Praxis für die meisten Anwender deutliche Vorteile bringen dürfte. Das Paket bestehend aus Pages, Keynote und Numbers wird wie schon iLife für 79 Euro in den Handel gelangen.

Apples beliebte und viel beachtete Präsentations-Software Keynote wurde um eine Funktion namens Magic Moves erweitert, welche eine vereinfachte Erstellung von Animationen erlaubt. Neben weitere Detail-Änderungen stellten die Cupertiner zudem noch eine iPhone-Applikation vor, welche für 79 Cent die Steuerung von Keynote-Präsentionen mittels dem iPhone erlaubt.

Aufgemöbelt wurde auch die hauseigene Tabellenkalkulation Numbers sowie die Textverarbeitung Pages. Während Numbers nun mathematische Formeln deutlich einfacher bearbeiten lässt und über einen erheblich gesteigerten Funktionsumfang verfügt, bietet Pages als auffälligste Neuerung einen Vollbildodus. Hinzugekommen ist endlich auch die Möglichkeit, Inhaltsverzeichnisse anzulegen, sowie neben Fuß- auch Endnoten zu bearbeiten. Kompletiert wird das ganze von 40 neuen Design-Vorlagen.

Mit iWork’09 fällt zudem der Startschuss der Betaphase von Apples neuen Onlinedienst iWork.com. Über diesen lassen sich Dokumenten aus iWork-Programmen heraus online veröffentlichen und gemeinsam mit anderen Nutzern zu bearbeiten. Dabei ist es möglich, das jeweilige Dokument im Browser zu öffnen und mit Anmerkungen zu versehen.



MacBook Pro 17-Zol

Mit leichter Verzögerung hat Apple auf der MacWorld Expo zudem noch das MacBook Pro 17 Zoll als Unibody-Version nachgereicht. Dank dem neuen Aluminium-Kleid konnten die Cupertiner nach eigenen Angaben das dünnste - 2,5 cm hoch - 17-Zoll-Notebook der Welt bauen. Auf die Waage bringt Apples neuster Spößling 2,99 kg und ist nur 500 Gramm schwerer als die 15-Zoll-Variante. Wie bereits länger vermutet wurde, haben die Macianer einen speziellen Hochleistungsakku verbaut, der bis zu acht Stunden halten und sich bis zu 1000 Mal aufladen lassen soll. Allerdings hat das Ganze auch einen Hacken, denn die Batterie auf Lithium-Polymer-Basis ist wie schon beim MacBook Air fest verbaut.

Als Prozessor kommt im Standardmodell ein 2,66 GHz schneller Core 2 Duo zum Einsatz, den man für einen Aufpreos von 270 Euro auf eine 2,93-GHz-Variante updaten kann. Beim Speicher verbauen die Cupertiner serienmäßig vier Gigabyte DDR3-SDRAM, den man aber nach Wunsch auf 8 GB erhöhen kann, allerdings muss man bei Apple dafür stolze 1080 Euro auf den Tisch legen. Bei der Festplatte vertrauen die Macianer auf eine 320 GB starke HDD, die aber auf Wunsch gegen eine 128 oder 256 GB große Solid State Disk (SSD) ausgetauscht werden kann - zu Preisn von 450 bzw. 810 Euro.

Beim Grafikchiip vertraut Apple auf Technik aus dem Hause NVIDIA. Zum Einsatz kommt neben der GeForce 9400M zusätzlich noch die 9600M GT. Wer sich gegen an spiegelnden Displays stört, der hat beim 17-Zöller für 45 Euro erstmals wieder die Möglichkeit des Einsatz eines matten Bildschirmes. In der Grundausstattung geht Apples neuster MacBook-Sprößling für 2.499 Euro über den Ladentisch.



iTunes ohne DRM und mit neuen Preisen

Zu guter letzt gab Phil Schiller noch bekannt, dass der iTunes Store ab sofort ohne Kopierschutz daherkommen werde. Ganz freiwillig wollten die Musikkonzerne den DRM-Schutz allerdings nicht fallen lassen, so dass Apple sein Preismodell anpassen musste. In der Folge werden Musikstücke zukünftig zu 0.69, 0.99 und 1.29 US-Dollar angeboten. Damit gaben die Cupertiner dem jahrelangen Drängen der Musikindustrie nach. Während sich also „Klassikfreunde“ über eine Preissenkung freuen dürfen, müssen Jäger aktueller Stücke tiefer in die Tasche greifen.

Bewertung

Ohne zu sehr durch die rosarote Apple-Brille zu gucken, bot die letzte MacWorld Keynote nicht viel Aufsehen erregendes. Zwar bemühte sich Phil Schiller redlich die Neuerungen möglcihst medienwirksam anzupreisen, dennoch blieb bei den meisten nach der Keynote eher ein ernüchternden Gefühl. Die ohnehin schon geringen Erwartungen wurden noch unterboten, denn vom neuen Mac mini und iMac war weit und breit keine Spur. Kein Wunder also, dass Steve Jobs den Auftritt wahrscheinlich dankend an Phil Schiller abgab.



Das Highlight des Abends war ohne jeden Zweifel die Vorstellung von iPhoto’09, welches nach den ersten Eindrücken einen großen Sprung nach vorne gemacht haben soll. Auch die neue iMovie-Version konnte vollends überzeugen, weshalb man sich fragt: „Warum nicht gleich so?“ Die restlichen Neuerungen für iLife und iWork sind eine zwar nette Ergänzungen, aber dürften für die meisten Nutzer nur eine untergeordnete Rolle spielen. Interessante ist da schon, was Apple mit iWork im Web vorhat. Aufgrund des noch eingeschränkten Funktionsumfang der Beta lässt sich derzeit noch nicht sagen, ob Apple einen Angriff auf Google Docs plant oder nur ein Anhängsel für iWork im Auge hat.

Welche Bedeutung die Ankündigungen vom Dienstag haben, werden wohl erst die kommenden Wochen und Monate zeigen. Eines scheint jedoch sicher und zwar, dass Apple eine Veranstaltung wie die MacWorld nicht mehr nötig hat und sich dementsprechend wenig Mühe gegeben hat, den Abschied nach 25 Jahren auf irgendeine Weise besonders zu gestalten. Aber wer weiss, vielleicht besinnt sich Apple ja noch mal eines Besseren.

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