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Formula E mit Qualcomm - neue Spielwiese für IT-Konzerne

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Seite 6: Das Rennen in Berlin Tempelhof

Am vergangenen Samstag fand auf dem Gelände des bereits 2008 geschlossenen Flughafens Berlin Tempelhof das achte Rennen der Formula E und das erste Rennen dieser Art in Deutschland statt. Bei meist sonnigem Wetter, aber perfekten Rennbedingungen tummelten sich rund um die Berliner Rennstrecke im Laufe des Tages über 21.000 Besucher. Der knapp 2,5 km lange Streckenverlauf birgt insgesamt 17 Kurven, eine lange Ziel- und Start-Gerade sowie eine schwer zu fahrenden Schikane. Im Rahmen des Renn-Nachmittags gab es so einige Überraschungen.

So hatte sich Jarno Trulli im Qualifying zum ePrix von Berlin seine erste Pole-Position gesichert und sich damit drei wertvolle Punkte in der Gesamtwertung geholt. Mit 1:21.547 absolvierte er die schnellste Runde in Tempelhof. Dicht dahinter auf Rang 2 konnte sich der Brasilianer Lucas di Grassi setzen. Auch für die beiden Deutschen lief es im Qualifying nicht schlecht: Nick Heidfeld durfte von vierter Position, Daniel Abt von fünfter Position starten.

Während des Rennens aber lief es für die Piloten über die 33 Runden bzw. rund 82 km nicht mehr ganz so gut. Jarno Trulli fuhr am Ende als Vorletzter ins Ziel und gab die Führung schon nach den ersten Kurven an Lucas di Grassi ab. Der konnte seinen Vorsprung im Laufe des Rennens weiter ausbauen und setzte sich mit einem Vorsprung von teils über elf Sekunden vom restlichen Fahrerfeld ab. Am Ende fuhr er als Erster über die Ziellinie der ePrix in Berlin, blieb aber nach wenigen Kurven nach dem Ziel stehen und musste vom Safety Car in die Box geschleppt werden. Das war der einzige Einsatz für das Qualcomm Safety Car.

Lange aber konnte sich di Grassi nicht über seinen Sieg freuen, denn noch am Abend disqualifizierte die FIA den Brasilianer. Angeblich hätte man unerlaubte Modifikationen am Frontflügel seines Autos festgestellt. Als Sieger wurde nachträglich Jerome D’Ambrosio vom Team "Dragon Racing" gekührt, der zuvor als Zweiter über die Ziellinie in Tempelhof steuerte. Dritter wurde nachträglich Sébastien Buemi. Lucas di Grassi verlor durch die Disqualifizierung auch die Gesamtführung. Bester Deutscher wurde Nick Heidfeld, der auf den fünften Platz vorrückte und damit sein bestes Ergebnis in der Formula E feiern durfte.

Für den zweiten Deutschen lief es schon nach den ersten Sekunden nicht ganz so gut wie erhofft. Bereits nach der ersten Runde drehte sich das Fahrzeug von Daniel Abt nach einem Verbremser und ließ ihn damit lange Zeit an letzter Stelle des Rennens fahren. Im Laufe der Zeit aber konnte sich Abt immer weiter nach vorne kämpfen. Am Ende wurde der 22-Jährige 17.

Auch abseits des Rennens wird viel geboten

Aber auch abseits des Rennens und rund um die Rennstrecke herum gab es für die rund 21.000 Besucher einiges zu sehen. Sie konnten nicht nur das freie Training und Qualifying begutachten, sondern auch zahlreiche Elektrofahrzeuge in den Hangars des alten Flughafens bestaunen. Hier gab es neben zahlreichen Fahrzeugen großer Auto-Vermieter auch teure Tesla-Modelle, viele BMW-Fahrzeuge und zahlreiche elektrisch betriebene Motorroller zu sehen. Sogar einen alten Oldtimer, der nachträglich restauriert und mit einem E-Motor bestückt wurde, konnte näher besichtigt und sich mit dem Besitzer unterhalten werden.

Im Laufe des frühen Nachmittags widmete man sich dann dem Weltrekordversuch, bei dem es das Ziel war, die meisten Elektrofahrzeuge an einer Stelle zu versammeln. Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben 577 Fahrzeuge zu einem Korso auf die Rennstrecke gelassen. Der vorherige Weltrekord mit 507 Elektrofahrzeugen an einer Stelle wurde damit mit Leichtigkeit geknackt.

Ansonsten aber konnten die Besucher mit einem entsprechenden Ticket die Boxengasse besichtigen, womit die Formula E auch hier näher zu ihren Fans rückt. Im Rahmen der Aftershow-Party – ebenfalls für alle Gäste mit Ticket – legte dann DJ Felix Jaehn auf. Direkt nach dem Rennen gaben die Fahrer an den ehemaligen Check-In-Schaltern des Flughafens Autogramm-Stunden und ließen sich gemeinsam mit den Fans fotografieren.

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577 Elektrofahrzeuge rollten in Berlin über die Rennstrecke

Bis zum Ende der ersten Saison der Formula E stehen noch drei Rennen aus. Das nächste findet bereits am 6. Juni in Moskau statt, danach geht es für die Piloten nach London, wo gleich zwei Rennen stattfinden werden. In den nächsten Jahren sollen noch weitere Städte und Austragungsorte hinzugekommen.

 

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Kommentare (11)

#2
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Registriert seit: 24.02.2005

Moderator
Luft statt Wasser
Beiträge: 22525
Zitat Cool Hand;23518613
Formula E ist nichtmal ansatzweise etabliert. Deswegen kann man darüber auch noch lachen.
Im Moment bekommen die nur passable Besucherzahlen weil sie ein massives Programm drumherum aufbauen, was nicht nur Motorsportfans interessiert. Wenn die Gelder dazu verpulvert sind, dann sieht man weiter. Ich jedenfalls kann gar nichts damit anfangen.

Nur mal zum Vergleich: Die DTM, welche oft am Fliegenfänger hängt, hat 80.000 bis 155.000 Besucher pro Rennen. Da sind die 23.000 der Formula E, besonders in erwähntem Kontext, ein Witz.


Das stimmt schon. Es ist auch erst die erste Saison und man greift noch auf Einheitfahrzeuge zurück. Die Strecke am Tempelhof hätte gar nicht viel mehr Besucher fassen können, da zu klein. Man darf dies nicht mit den Grand-Prix-Strecken wie Hockenheim oder Silverstone vergleichen.
Ich gehe davon aus, dass sich die Rennserie noch gut entwickeln wird. Ich persönlich finde die diesjährige Saison interessanter als die F1 in diesem und im letzten Jahr. ;)
#3
Registriert seit: 11.01.2010

Oberbootsmann
Beiträge: 985
Zitat
Sie konnten nicht nur das freie Training und Qualifying begutachten, sondern auch zahlreiche Elektrofahrzeuge in den Hangers des alten Flughafens bestaunen.

Hanger = Kleiderbügel, Hangar ist das gesuchte Wort :p
#4
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Registriert seit: 03.04.2010

Oberleutnant zur See
Beiträge: 1411
Zitat patrock84;23518689
Das stimmt schon. Es ist auch erst die erste Saison und man greift noch auf Einheitfahrzeuge zurück. Die Strecke am Tempelhof hätte gar nicht viel mehr Besucher fassen können, da zu klein. Man darf dies nicht mit den Grand-Prix-Strecken wie Hockenheim oder Silverstone vergleichen.
Ich gehe davon aus, dass sich die Rennserie noch gut entwickeln wird. Ich persönlich finde die diesjährige Saison interessanter als die F1 in diesem und im letzten Jahr.


Das Problem ist nur, dass es bei anderen Rennen, auch an sehr großen Rennstrecken, nicht viel mehr Zuschauer waren. In Long Beach warens z.B. gerade mal 23.000, in Miami 25.000, in Monaco auch nur 23.000, und das obwohl die Tickets spotbillig sind, dass sogar ich mal hingehen würde, wenns in der Nähe wäre. Die Pressemitteilungen reden da von "vollgepackten Zuschauertribünen", die inoffiziellen Fotos sprechen allerdings eine ganz andere Sprache. Selbst VLN Rennen am Nürburgring sind da besser besucht.
#5
Registriert seit: 01.12.2012

Obergefreiter
Beiträge: 128
Man muss für die Erfolgsschätzungen natürlich neben den geringeren Zuschauerzahlen auch die viel geringeren Kosten sehen. Gerade für die Hersteller kann sich hier eine recht presiwerte Test- und Entwicklungsmöglichkeit bieten.
Aus technoligischer und ökologischer Sicht kann man der Serie natürlich nur viel erfolg bieten. Mal sehen, vielleicht schau ich mir das nächstes Jahr mal an, wenn es ein paar technische Unterschiede gibt und die Serie wieder in Berlin fährt.

LG
RMG
#6
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Registriert seit: 22.11.2005
Randpolen
Korvettenkapitän
Beiträge: 2493
Öhm, die Saison startet doch nicht erst, sondern ist doch mittem im Gange, oder? Zumindest habe ich schon vor einem halben Jahr das Eröffnungsrennen auf Youtube geschaut, das, wo Nick Heidfeld den üblen Crash in der letzten Kurve hatte.

Interessant ist die Serie allemal, vor allem die Möglichkeit direkt mitten in der Stadt zu fahren hat durchaus seinen Reiz. Ich finde das auch gar nicht so schlimm, dass zumindest im Moment keinerlei Weiterentwicklung erlaubt ist. So entscheidet der Fahrer oder derjenige das Rennen, der den besseren Akku erwischt hat. :D

Wer sich ein bisschen interessiert und sich nicht nur mit der Nase rümpfend abwendet, hier mal ne kleine Doku auf Youtube.


https://www.youtube.com/watch?v=1QGF2VZ1gEI

Hoffentlich vergeht Ecclestone irgendwann mal das Lachen, wenn die Leute lieber zur Formel E gehen als zu seiner längst überzähligen, überteuerten Königsklasse wo einfach mal ein Rennen aus Geldgier ausfällt...
#7
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Registriert seit: 12.02.2011
Baden Württemberg
Oberleutnant zur See
Beiträge: 1531
Ich schätze das interessiert bisher nur wenige Leute, da sie sich zumeist in wirklich absurden Schneckentempo über die ENGEN Strecken schlängeln.
Wie gesagt, die Strecken sind bereits sehr eng und somit soll es optisch sehr viel schneller aussehen. Deshalb auch in Städten in denen der Hintergrund mit großen Objekten näher dran ist. (auch das täuscht höher gefahrenes Tempo vor)

Wenn sie das mit den Tempo nicht hinbekommen, die normalen F1 Strecken nicht fahren (sie würden dort wirklich aussehen wie Schnecken... der alt eingesessene F1 Fan sieht sofort den gravierenden Unterschied und das wollen die Betreiber von Formula E vermeiden) und nicht an der lästigen Geräuschkulissie der Getriebe oder was auch immer da so säuselt arbeiten....(gerade verzahnte Zahnräder im Getriebe weglassen).....UND wenn sie das mit dem Fahrzeugwechsel mitten im Rennen nicht weglassen können...wird das bei den fans nie etwas.
#8
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Registriert seit: 07.07.2010
On the Moon
Oberstabsgefreiter
Beiträge: 501
Zitat patrock84;23518689
Das stimmt schon. Es ist auch erst die erste Saison und man greift noch auf Einheitfahrzeuge zurück. Die Strecke am Tempelhof hätte gar nicht viel mehr Besucher fassen können, da zu klein. Man darf dies nicht mit den Grand-Prix-Strecken wie Hockenheim oder Silverstone vergleichen.
Ich gehe davon aus, dass sich die Rennserie noch gut entwickeln wird. Ich persönlich finde die diesjährige Saison interessanter als die F1 in diesem und im letzten Jahr. ;)



Ich hab noch gar nicht viel von der Formel E gesehen, da sie, soweit ich informiert bin, nur auf Sky zu sehen ist. Aber das was ich gesehen habe, hat mir auf Anhieb wesentlich besser gefallen als die Formel 1 aktuell. In Sachen lautstärke ist sie der Formel 1 ja schon jetzt ebenbürtig

Aber mal im Ernst: Nachdem sich die Formel 1 mit ihrem britischen Finanzgnom selbst gerichtet hat ist die Formel E eine sehr interessante Alternative. Zudem ist es aus technischer Sicht beachtlich, was dort mit aktueller Technik auf die Beine gestellt wird. Die gebotene Fahrleistung mit diesen Akkus ist schon jetzt beachtlich. Sobald man es schafft den Wagenwechsel während des Rennens abzuschaffen (was eine beachtliche Kapazitätssteigerung der Akkus benötigt) ist diese Serie auch für ein größeres Publikum bereit.
Die Formel E würde ich deutlich lieber in den öffentlich-rechtlichen Programmen stehen als so manch anderes zweifelhaftes Format. Und dabei meine ich noch nicht einmal das Festival der Volksmusik.
#9
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Registriert seit: 21.03.2005
Berlin
Rīgarider
Beiträge: 28633
Ich finde die ganzen Verweise auf die Formel 1 falsch. Einerseits will die Formula E nicht mit der Formel 1 konkurrieren, anderseits zeigt die Formel 1 doch gerade, dass ihr Konzept nicht funktioniert. Es wird immer mehr auf Strecken gefahren, die nur durch massive Zuschüsse betrieben werden können. Klassische Renndtrecken fallen weg. Und das soll ein Vorbild sein? Auch als Technologieträger taugt eine Rennserie wohl weniger, bei der ein Brausehersteller 4 Jahre in Folge mit einem dem meisten wohl unbekannten Motorenhersteller gewonnen hat.
#10
Registriert seit: 27.05.2015

Matrose
Beiträge: 1
Interessant :)
#11
Registriert seit: 13.06.2013

Gefreiter
Beiträge: 56
Ich finde Formel 1 mit im Kreis fahrenden Fahrzeugen mit jaulendem Motor eher nicht so spannend.
Ich finde vor allem gut, dass später high-end-entwicklungen aus dem Rennsport auch Impulse für die normale Elektomobilität setzen könnte wie es die Formel 1 für die normalen Automobile getan hat.

Wieso macht man den Akku nicht austauschbar? Man wird für so schwere Akkus sich schon was in z.b. Richtung mini-Gabelstapler einfallen lassen müssen.
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