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Abseits der Computex: Ein kleiner Reisebericht

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Seite 2: Verkehrs- und Nahrungsmittel

Aufregend sind auch Taxi-Fahrten, die man im Schnitt für 80 NT-Dollar, umgerechnet etwa 2,00 Euro – erledigen kann. Hier tritt man gerne aufs Gas oder leistet sich an roten Ampeln – den wohl einzig geltenden Verkehrszeichen in Taiwan – ein Rennen um den schnellsten Start. Gerne wird dabei auch der Vordermann auf dem Roller, die es zu Hauf in Taipei gibt, einfach mal vom Fahrzeug geholt. Anstatt aber die Polizei zu rufen und den Vorfall seiner Versicherung im Hinblick auf mögliche Kratzer am Lack oder gar andere Schäden an Gefährt und Person zu melden, steigt man lediglich kurz aus und hilft dem Vordermann wieder auf. Dann geht es einfach weiter. Des Englischen mächtig sind die wenigsten Taxi-Fahrer. Hier sollte man sich die Zieladresse vom Hotel auf taiwanesisch notieren lassen und dem Fahrer anschließend aushändigen.

Wer nicht mit den asiatischen Spezialitäten zurechtkommt, dem drängt gerne auch mal der Hunger nach etwas Bekannten zu einem der großen amerikanischen Fast-Food-Ketten. Doch auch hier stößt man bei vielen Taxi-Fahrern bei der Frage nach „MC Donalds“ auf Schulterzucken. Hilfe kann dabei die Google-Bildersuche sein, zumindest teilweise. Denn der Taxi-Fahrer erkennt zwar das goldene M, fährt uns aber zum roten W, einem bekannten Hotel in Taipei. Beim zweiten Anlauf und nochmaligen Zeigen des Logos zum Vergleich, landet man schließlich aber doch beim nächstgelegenen Burgerbrater.

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Ein typischer Hot-Pot: Links eine milde Soße, rechts eine etwas schärfere, in die Fleisch, Brot und Gemüse gegeben wird.

Insgesamt sind Nahrungsmittel in Taiwan sehr günstig. Für etwa zehn Euro am Tag, kann man sich den Bauch sehr gut vollschlagen. An jeder Straßenecke lauern Leckereien zu günstigen Preisen. Auch in Restaurants, die durchaus nur für Europäer gemacht wurden, kann man verhältnismäßig günstig speisen. Zu den typischen traditionellen Speisen in Taiwan zählen die Dumplings und der Hot-Pot. Gerade Letzterer ist in einer großen Gruppe eine sehr spaßige Angelegenheit.

Wer etwas mutiger ist und nicht ständig Taxi-Fahren möchte, um von A nach B zu kommen, der kann die MRT, das U-Bahn-Netz von Taipei, ausprobieren. Dank farblich gekennzeichneter Linien und einer englischsprachigen Beschilderung findet man sich sehr gut zurecht. Zudem bezahlt man für eine Fahrt im Schnitt gerade einmal umgerechnet etwa 20 Cent. Am besten holt man sich hierfür eine NFC-Karte, lädt diese mit ein paar Taiwan-Dollar auf und kann damit die ganze Woche über günstig MRT fahren. Beim Eintritt in die U-Bahn-Station hält man die Karte an den Zugang, steigt anschließend in Bahn und muss die Karte beim Ausstieg nur noch einmal an den Ausgang drücken, schon wird die Summe, die sich nach Anzahl der gefahrenen Stationen richtet, von der Prepaid-Karte abgebucht. Zu beachten ist dabei allerdings, dass Essen und Trinken sowie Kaugummikauen im gesamten U-Bahn-Netz und im Bereich der Stationen verboten ist, was die Züge und Haltepunkte sehr sauber macht. Zudem muss man sich beim Einstieg in den Zug an die Markierungen halten und sich richtig anstellen. Anders ist das bei einer solch großen Vielzahl an Fahrgästen kaum zu handeln.

Die Züge fahren dabei meist halbautonom. Einen Fahrer gibt es in den meisten U-Bahnen nicht, jedoch kümmern sich Mitarbeiter in einem Schalterhaus um den Start- und Bremsvorgang der Züge sowie um die Weichen innerhalb des Schienen-Netzes. 

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Eine MRT-Station irgendwo in Taiwan am Vormittag.

Dafür gibt es keine Verspätungen und Züge verkehren meist im drei bis fünf Minuten-Takt. Anders als bei der Deutschen Bahn, wo Verspätungen erst ab fünf Minuten angesagt werden und daraus dann meist noch mehr werden, gelten in Taiwan Züge schon ab wenigen Sekunden als verspätet. An diesem System kann man sich in Deutschland und Europa durchaus gerne eine Scheibe  abschneiden, wie auch beim Internet. In der gesamten Innenstadt von Taipei gibt es ein kostenlos nutzbares WLAN-Netz. Hierfür muss man sich einmalig registrieren und mit seiner eigenen Handy-Nummer legitimieren. Zu Messezeiten funktioniert das öffentliche WLAN-Netz aber nicht ganz so gut, weshalb wir uns meist eine taiwanesische SIM-Karte besorgt haben. Für fünf Tage unlimitiertes Internet bezahlt man etwa 650 NT-Dollar, etwa 16,25 Euro. Dann hat man meist über 15 MBits.

Insgesamt ist Taiwan bzw. Taipei abseits wichtiger Messen eine Reise wert. Die nächste Computex findet vom 2. bis 6. Juni 2015 statt.

 

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Kommentare (4)

#1
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Registriert seit: 19.09.2002
Erlangen
Oberleutnant zur See
Beiträge: 1429
Brot in den Feuertopf?

ansonsten schön zu lesen, spiegelt meine Erfahrungen gut wieder :)
#2
Registriert seit: 26.05.2006
Bern (CH)
Oberbootsmann
Beiträge: 985
Europa eine Scheibe abschneiden?
Also hier in der Schweiz werden Verspätungen schon ab einer Minute angezeigt.
#3
Registriert seit: 21.04.2013

Kapitänleutnant
Beiträge: 1552
Zitat Shiga;22334735
Europa eine Scheibe abschneiden?
Also hier in der Schweiz werden Verspätungen schon ab einer Minute angezeigt.


Und eben deshalb kann sich Europa da eine Scheibe abschneiden - weil in Taipeh die Züge schon im Sekundenbereich als verspätet gelten und entsprechend vermerkt werden:rolleyes:

Und ja - es gibt eben auch in anderen Ländern noch eine Menge Errungenschaften von denen wir Europäer uns eine dicke Scheibe abschneiden können:d
#4
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Registriert seit: 14.05.2005
der 1000 Waküteile
Das Bastelorakel !
Beiträge: 45391
Interessant und amüsant geschrieben :) Einiges konnte ich mir aufgrund der detaillierten Beschreibungen (Mofafahrer vom Gefährt geholt) bildlich gut vorstellen. Was den Service und die Freundlichkeit betrifft, sind uns die Asiaten teils echt weit voraus.
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