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Bitcoin: Hype oder Revolution?

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Seite 3: Der digitale Goldrausch hat begonnen

Wer minen möchte, benötigt Hardware. Viel Hardware – und schnelle Hardware. Als der Bitcoin-Client im Jahr 2009 veröffentlicht wurde, konnte man noch mit jeder Desktop-CPU ohne Probleme Blöcke generieren. Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis findige Entwickler den Algorithmus auf Grafikkarten portiert haben. Die Rechenleistung des Netzwerks ist sprunghaft um Größenordnungen angestiegen. Möglichst viele Grafikkarten möglichst kostengünstig und platzsparend zu betreiben war jetzt das Ziel. Eine typische Konstruktion bestand aus einem starken Netzteil, einem Mainboard mit vier PEG-Slots, der günstigsten CPU, da diese nicht mehr gefordert war, und 1-2 GB Arbeitsspeicher.

Früher besonders beliebt zum Minen: Grafikkarten von AMD

Je ernsthafter man das Mining betreiben wollte, desto abenteuerlicher wurden die Konstruktionen: Offene Gehäuse aus Profilstangen, in denen mehr als vier Grafikkarten Platz hatten und durch PCIe 1-zu-16x-Adapter jeder einzelne Slot eines Mainboards zum Anschluss einer Grafikkarte genutzt werden konnte, wurden zum Standard. Die verwendeten Mainboards waren häufig Highend- bzw. Workstation-Mainboards, da nur diese eine große Anzahl an PCIe-Slots zur Verfügung gestellt haben. Die häufig damit einhergehenden Features wie vielphasige Spannungswandler und umfangreiche Overclocking-Funktionen waren für Bitcoin-Mining-Rechner vollkommen irrelevant. Ein Mainboard mit einfachem Chipsatz, das den Betrieb vieler Grafikkarten ermöglicht, hätte damals vermutlich reißenden Absatz gefunden. Wer die Hardware-News verfolgt, wird jetzt an das „H61 Pro BTC"-Mainboard von Asrock denken, das genau diesen Markt bedienen soll. In der Tat wäre dieses Mainboard genau das richtige gewesen – wenn es vor ein bis zwei Jahren auf den Markt gekommen wäre. Inzwischen sind Grafikkarten zum minen von Bitcoins so zwecklos, wie es CPUs beim Umstieg auf Grafikkarten wurden.

Parallel zu Grafikkarten wurden FPGAs zum Minen genutzt. Dabei handelt es sich um frei verdrahtbare CPUs, es lassen sich also beliebige Instruktionen implementieren und diese dann wie bei einer "echten" CPU nutzen. Ein FPGA, der für das Bitcoin-Mining programmiert war, kostete pro Rechenleistung zwar teilweise mehr als eine Grafikkarte, dafür war der Stromverbrauch ungefähr zehnmal niedriger. An Orten mit hohen Stromkosten waren FPGAs also sehr beliebt, in anderen Teilen der Welt, wo die Kilowattstunde im niedrigen einstelligen Cent-Bereich kostet, ist man bei Grafikkarten geblieben. Nicht selten wurde der Mining-Rechner im Winter auch zum Ersatz der elektrischen Heizung einer Wohnung.

Leider zu spät: Das Bitcoin-Mainboard von ASRock [Quelle]

Doch diese Zeiten sind längst vorbei, inzwischen haben die ASICs den Markt für Mining-Hardware komplett übernommen. Ein Application-specific integrated circuit, übersetzt "Anwendungsspezifische integrierte Schaltung" ist ein Mikrochip wie jeder Prozessor von Intel oder AMD: Das Silizium wird belichtet und einmalig "programmiert". Im Gegensatz zu FPGAs lassen sich Instruktionen nachträglich nicht mehr verändern, ein ASIC kann über seine komplette Lebensdauer nur eine bestimmte Aufgabe erfüllen – daher auch die Bezeichnung anwendungsspezifisch. Da das Feature der freien Programmierbarkeit im Gegensatz zu FPGAs wegfällt, lässt sich mit ASICs sowohl die Rechenleistung bezüglich Investitionskosten als auch der Stromverbrauch pro Rechenleistung drastisch senken. Der einzige Haken ist, dass es eine sehr hohe Einstiegshürde gibt. Während man jederzeit einzelne FPGAs kaufen kann, ist für die Produktion eines ASICs eine sehr hohe Einmalinvestition notwendig. Diese reicht, je nach Technologie bzw. Strukturgröße, von wenigen hunderttausend (100-130 nm) bis zu einigen Millionen Euro (40 nm und kleiner). Dieses Kapital zu sammeln ist keine leichte Aufgabe, zumal aufgrund der ungewissen Entwicklung von Bitcoin selbst und des Wechselkurses niemals klar ist, ob sich die Investition jemals lohnen wird.

Trotzdem haben viele Hersteller eine Chance gewittert und entsprechende Hardware angeboten, die zum Zeitpunkt des Angebots noch gar nicht existiert hat. Es wurden lediglich Vorbestellungen entgegengenommen und das Geld, das die Kunden per Vorkasse bezahlen mussten, für die Entwicklung genutzt. Statt sich Geld bei einer Bank zu leihen, hat man sich so einen Null-Prozent-Kredit bei seiner Kundschaft besorgt. Für jemanden, der dieses Geld bezahlt, ist das prinzipiell ein schlechtes Geschäft, doch hat die Hoffnung, als erster ultraschnelle Mining-Hardware zu erhalten sämtliche Zweifel zerstreut. Für die wenigsten Leute wurde dieser Wunsch Realität, nicht wenige Hersteller sind während der Entwicklungsphase pleite gegangen, hatte nie die Absicht ihre Kunden zu beliefern oder haben die Produkte mit Verspätungen von bis zu einem Jahr geliefert. Aufgrund der in dieser Zeit exponentiell steigenden Schwierigkeit kostete jede Verspätung den Kunden Geld und machte es unwahrscheinlicher, dass die Hardware ihre Kosten wieder einspielt – ein auch heute noch bestehendes Problem.

Bitcoin-ASICs: Die Hashrate von 4500 Grafikkarten in einem Rack

Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist, dass es bei der heutigen Gesamtrechenleistung des Netzwerks sehr unwahrscheinlich ist, mit einer für Privatleute üblichen Rechenleistung einen Block alleine zu finden – was in der Anfangszeit auch mit CPUs kein Problem war. Aus dieser Not sind die sog. Mining-Pools entstanden. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss hunderter oder tausender einzelner Miner, die zusammen jeweils an einem Block arbeiten. Wird ein Block gefunden, wird die Belohnung für das Finden des Blocks gemäß der jeweiligen Rechenleistung anteilig auf alle Teilnehmer aufgeteilt.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass sich Bitcoin-Mining als Hobby nur selten rentiert, zumindest wenn man den finanziellen Aspekt betrachtet. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass es immer mehr Firmen gibt, die Mining-Hardware nicht nur verkaufen, sondern auch selbst betreiben. Große Farmen, die möglichst an Orten betrieben werden, an denen Strom sehr günstig und/oder eine einfache Kühlung möglich ist, werden stets profitabler arbeiten als einzelne Geräte. Auch haben Firmen, die Hardware und insbesondere die ASICs selbst herstellen, immer einen Kostenvorteil gegenüber Leuten, die die Hardware von solch einer Firma kaufen müssen.

 

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Kommentare (106)

#97
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Und was hindert dich daran, deine Miner einfach in ein isländisches Rechenzentrum zu stellen? Ist ja nicht so, dass das nur einheimischen vorbehalten bleibt.
#98
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Strom ist das eine. Alles andere ist auf Island wieder teurer. Also alles was man dort nicht produzieren kann. Und beim miner machen die fixkosten Einen nicht unerheblichen Anteil.
#99
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Und das wäre was? Der Miner selbst? Der kommt aus China oder Israel und wird von da nach Island geschickt, wo ist das Problem?
#100
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Personal? Wartung? Administration? Standortmiete?

Alles Dinge die auf Island viel teurer sind im Gegensatz zum Festland.
#101
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Und dennoch scheint es sich dort zu lohnen, sonst wären die größten Miner nicht eben dort ansässig, oder?
#102
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Zitat Hardwarekäufer;22444679
Personal? Wartung? Administration? Standortmiete?

Alles Dinge die auf Island viel teurer sind im Gegensatz zum Festland.

Worüber diskutieren wir gerade? Dein Ausgangspunkt war, dass es unfair ist, dass man in Island viel profitabler minen kann. Dem wurde entgegnet, dass jeder seine Miner dort aufstellen kann, wo er will, also auch in Island. Jetzt konterst du mit Personalkosten - aber das betrifft doch auch wieder alle, die dort ihre Miner stehen haben. Es gibt also gleiche Bedingungen für alle, was ist daran unfair? Wenn es irgendwo anders profitabler ist, geht man mit seinen Minern eben woanders hin. Aber diese Möglichkeit steht ja nun wirklich jedem offen.

Und bei Don einzuhaken: Die Stromkosten sind beim Mining absolut ausschlaggebend. Die Wartungskosten sind verschwindend im Vergleich zum Energiebedarf (mit einer Handvoll Vollzeitstellen kann man schon sehr große Farmen betreiben) . Neben Island sind auch manche Teile der USA und China geeignet, um große Mining-Farmen zu betreiben. So gesehen gibt es auch keine Probleme mit der Dezentralität.
#103
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Dem widerspreche ich garnicht.
Aber USA und China als "Schlüsselfiguren" für eine weltweit gültige Währung zu präsentieren ist shcon wieder ein ganz neues Fass.
Wobei es nichts mit "Dezentralität" zu tun hat, wenn man Island, USA und China als mögliche Standorte aufzählt. Dezentralität zeichnet sich dadurch aus, dass die Produktionkapazität dort eingesetzt werden kann wo sie benötigt wird.

Ich störe mich nach wie vor an dem Gedanken, BTC als "Revolution" oder "Chance" anzusehen.
#104
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Zitat Hardwarekäufer;22444886
Aber USA und China als "Schlüsselfiguren" für eine weltweit gültige Währung zu präsentieren ist shcon wieder ein ganz neues Fass.
Wobei es nichts mit "Dezentralität" zu tun hat, wenn man Island, USA und China als mögliche Standorte aufzählt.

Ich rede von USA/China/Island etc. als Standorte, nicht als Regierung(en). In irgendeinem Land müssen die Miner ja außerdem stehen, sie können schlecht an einem Ort stehen, der keinem Land zugehörig ist.

Zitat Hardwarekäufer;22444886
Dezentralität zeichnet sich dadurch aus, dass die Produktionkapazität dort eingesetzt werden kann wo sie benötigt wird.

Kannst du die Aussage mal konkret auf Bitcoin anwenden? Wo die Miner stehen, ist absolut egal. Sie können auf einen Poolserver zugreifen, der am anderen Ende der Welt steht. Sie können für ein Wallet minen, dessen Besitzer sonstwo ist. Bitcoin-Miner sind ja nun keine Asphaltiermaschinen, die ich tatsächlich "vor Ort" einsetzen muss. Mein Bitcoin-Miner kann wie gesagt "irgendwo" stehen und trotzdem für mich, hier in Deutschland, arbeiten.

Dezentralität heißt einfach nur: Es gibt keine zentrale Instanz, die das Netzwerk kontrolliert. Und das ist nach wie vor bedingungslos gegeben, auch wenn sich die großen Mining-Farmen in wenigen Ländern konzentrieren. Schließlich entscheiden nicht nur die Miner, was gemined wird, sondern auch jeder Teilnehmer des P2P-Netzwerks, welche Blöcke er annimmt.

Zitat Hardwarekäufer;22444886
Ich störe mich nach wie vor an dem Gedanken, BTC als "Revolution" oder "Chance" anzusehen.

Deswegen greifst du nach jedem Strohhalm, um Bitcoin schlechtzureden? ;) Es kommt zumindest ein bisschen so rüber, du fängst ständig neue Themen an, die teilweise noch relativ wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun haben. Dabei gibt es genügend Probleme, über die man bei Bitcoin diskutieren kann und bei denen ich auch sagen würde "Jawohl, das ist ein echtes, handfestes Problem". Das wäre z.B. die stetig wachsende Blockchain, die mehrere 10 GB Speicherplatz benötigt. Das ist notwendig, um tatsächlich niemandem vertrauen zu müssen, denn nur mit allen Daten kann man alle Transaktionen auf ihre Gültigkeit überprüfen. Wenn man jetzt in Richtung "Thin Clients" oder Webwallets geht, ist die Frage, in wiefern man ein Grundprinzip (Zero Trust) von Bitcoin zumindest stückweise aufgibt. Erstmal 20 GB Blockchain runterladen ist kein gutes Argument, um Leute von Bitcoin zu überzeugen.

Wenn du dich mit der Materie beschäftigst werden dir noch mehr "echte" Probleme (wie dieses) auffallen. In welchem Land die Miner stehen oder wie hoch die Personalkosten in Island sind ist alles, aber kein Problem von Bitcoin.
#105
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Registriert seit: 03.06.2007
Greifswald
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Also, ich nutzte auch aktiv Bitcoin. Habe gestern gerade bei Caseking bestellt und mit Bitcoins gezahlt. Für mich ist BitCoin eine Alternative zu PayPal/Überweisung. Aktuell komme ich persönlich leider nichts um Umrechen in FIAT vorbei... weil leider sehr oft nur EUR/ETC angeben wird und erst zum Schluss vom Anbieter in Coins angegeben/umgerechnet wird.
#106
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Beiträge: 10072
https://stripe.com/blog/bitcoin-the-stripe-perspective

Das ist auch noch ein interessanter Artikel, der genau diesen Aspekt (Bitcoin als Zahlungsmittel) näher beleuchtet. Der Aufhänger ist dabei knackig und vollkommen richtig:
Zitat
It’s surprisingly difficult to move money today, and the experience of paying for something online is just about the only part of the internet that hasn’t changed dramatically in the past twenty years.
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