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Der Konflikt zwischen der GEMA und YouTube: Hintergründe und Analysen

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Seite 4: Der Konflikt nach dem Hamburger Urteil

Obwohl das Urteil aus Hamburg einen wesentlichen Punkt mit der Störer-Haftung anfasste, ist der Streit bei weitem noch nicht beigelegt, denn letztlich geht es seit drei Jahren um die Höhe der Lizenzabgaben. Momentan schlägt die GEMA ein Mischmodell vor: konkret die Mindestvergütung und die Regelvergütung.

Die Mindestvergütung

Bei der Mindestvergütung müsste YouTube pro Stream eines Videos mit urheberrechtlich geschütztem Material der GEMA 0,6 Cent an die Verwertungsgesellschaft zahlen – der Betrag ist übrigens für alle kostenlosen, werbefinanzierten Streaming-Dienste wie zum Beispiel Spotify oder Simfy einheitlich geregelt. Wenn man nun einen Song wie „Video Games“ von Lana Del Rey mit 12,8 Millionen Streams bei YouTube nimmt, kämen immerhin 76.800 EURO zusammen. Alexander Wolf verteidigt dieses Modell mit den Worten: „Wir halten diese Abrechnungsmethode bei interaktiven Diensten für die gerechteste. […] Der Künstler wird je nachdem, wie oft er gespielt wird, vergütet.“

Die Regelvergütung

Ein weiterer Passus in den Tarifunterlagen der GEMA weist aber ebenfalls eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen aus. Diese sogenannte Regelvergütung sieht vor, dass 10,25 Prozent der Netto-Einnahmen an die GEMA überwiesen werden müssen. Wenn man annimmt, dass Google pro 1.000 Streams fünf Euro Nettogewinn aus der eingeblendeten Werbung macht – den Betrag errechnete Johnny Haeusler vom Spreeblick Blog in seinem Beitrag zu dem Konflikt –, würden 51,25 Cent als Abgaben an die GEMA fällig oder im Bezug auf den Lana Del Rey Song 6.560 Euro.

Der Unterschied zwischen den beiden Summen ist schon verblüffend und es stellt sich die Frage nach dem Mischmodell. Demnach müsste YouTube die pauschale Mindestvergütung und den Betrag der Regelvergütung an die GEMA zahlen. Allerdings soll dabei nur der Teil tatsächlich fällig werden, der höher liegt, also entweder 0,6 Cent oder 10,25 Prozent der Werbeeinnahmen. Wenn man sich die beiden Summen nun anschaut, wird einsichtig, welcher Fall eher zutreffen würde und weshalb YouTube die Regelvergütung vorzieht. Mounira Latrache macht im Interview mit iRights keinen Hehl daraus: „Wir sind bei der Regelvergütung sehr nahe beieinander.“ Das Mindestvergütungsmodell lehnt die Video-Plattform jedoch ab, da es ein Konstrukt aus dem Download-Bereich sei, das mit dem werbefinanziertem Service von YouTube nicht vereinbar wäre, wie Latrache ausführt.

Beide Parteien ringen um ein angemessenes Lizenzabkommen

Die niedrigen Abgaben sind der wesentliche Streitpunkt, weshalb es bisher zu keiner Einigung gekommen ist. Auf der einen Seite argumentiert YouTube, dass man sich mit 24 Verwertungsgesellschaften aus 42 Ländern bereits geeinigt habe, auf der anderen Seite sträubt sich die GEMA gegen eine solche Einigung internationalen Vorbilds. „Wir sehen, wie erschreckend niedrig die Einnahmen der Künstler in Ländern wie Großbritannien und Italien aus den Verträgen mit Youtube sind. Das bestätigt uns darin, dass wir die Youtube-Vorschläge nicht akzeptieren können“, sagte Alexander Wolf gegenüber iRights. Eine Abgabe pro Stream lehnt die Video-Plattform mit dem Argument ab, dass nicht jeder Stream Einnahmen bringe und deshalb eine flexible Lösung gefragt sei und nicht „das Korsett einer Mindestvergütung pro Aufruf“, wie es Mounira Latrache nennt.

Das Ringen um ein angemessenes Lizenzabkommen bleibt also weiterhin spannend, aber mit dem Hamburger Urteil scheint zumindest Bewegung in die verhärteten Fronten gekommen zu sein. Eine schnelle Einigung scheint nicht unmöglich, denn beide Seiten bekräftigen immer wieder, dass ihnen eine angemessene Vergütung der Künstler und die Zufriedenheit der Konsumenten am Herzen lägen.

 

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Kommentare (18)

#9
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Registriert seit: 02.07.2003
Benztown
IT-Kernel
Beiträge: 1215
Hä, ich versteh das nicht:

Wenn 6.560 Euro bei dem genannten Beispielsong 10,25 Prozent der Werbeeinnahmen sind.
Dann wären die Gesamteinnahmen zu diesem Beispielsong ca. 65.600 Euro.

Wie soll dann ernsthaft darüber diskutiert werden können, 76.800 Euro basierend auf dieser Mindestkalkulation an Rechtevergütung zu verlangen??
#10
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Registriert seit: 23.03.2012

Korvettenkapitän
Beiträge: 2111
Zitat 7even;18789277
Wie soll dann ernsthaft darüber diskutiert werden können, 76.800 Euro basierend auf dieser Mindestkalkulation an Rechtevergütung zu verlangen??


Ist der GEMA doch egal woher sie ihr Geld bekommen, die würden auch alle YT-Mitarbeiter anschaffen schicken, hauptsache sie kriegen was sie wollen. Ganz fiese Mafia diese GEMA!
#11
Registriert seit: 30.12.2010

Banned
Beiträge: 695
GEMA größter scheiß ,man kann manche Sachen die von Deutschen sind nicht angucken und am ende sind sie auch nicht wiederum so toll ,GEMA ist Scheiße ! ,Bald kommt eine GEMA für Hwluxx !!!
#12
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Registriert seit: 10.05.2007


Beiträge: 12891
Gema muss weg und alle anderen Verwerter mit ihr wie VG Wort etc.
#13
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Registriert seit: 19.08.2010

Bootsmann
Beiträge: 736
Zitat Bob.Dig;18791962
Gema muss weg und alle anderen Verwerter mit ihr wie VG Wort etc.
Das halte ich für unrealistisch und auch für höchst unsinnig. Man kann sich natürlich trefflich über die Gebührenstruktur der GEMA streiten und kann sicherlich auch diverse Fristen etc. verändern, IMHO ist ein gewisses Maß an Content Industrie aber einfach nötig.
Einerseits hat eine kleine Band ohne ein Label oder die GEMA im Rücken finanziell kaum die Möglichkeit ihre Rechte im Zweifelsfall einzuklagen und zweitens ist die Musikproduktion teuer, weshalb Studios das vorfinanzieren, im Tausch gegen bestimmte Verwertungsrechte.
Zudem müsste sich plötzlich jeder Künstler einzeln mit Radio-/TV-Serndern, Youtube etc. auseinandersetzen und über eine Vergütung verhandeln.

Es hat doch heute bereits jeder Künstler die Möglichkeit seine Musik unabhängig von irgendwelcher Content-Industrie zu produzieren und zu vertreiben. Das passiert aber nur äußerst selten. Überwiegen da also vielleicht eifnach die Vorteile?
#14
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Registriert seit: 15.09.2011
Europe
Hauptgefreiter
Beiträge: 221
Nope. Neue Zeiten neue Methoden. Die GEMA versucht mit alten Methoden neue Zeiten zu beherrschen und löst damit nur Probleme aus. Auch die Künstler müssen sich umstellen, ebenso Verlage, TV und Filmproduktionen. Noch schaffen sie es mit Hilfe von Geld, Einfluss und Politik ihre Interessen durchzusetzen doch ganz koscher ist das nicht. Unter normalen Marktbedingungen hätte schon längst eine Marktbereinigung stattgefunden und neue Mechanismen hätten sich herausgebildet. Und man kann nur hoffen, dass hier, sobald gewisse Altherren und Altfrauen nicht mehr das Sagen haben, ein Umdenken erfolgen wird.
#15
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Registriert seit: 03.04.2012
Winsen (Luhe) - Niedersachsen
Oberstabsgefreiter
Beiträge: 501
Zitat Deepbreath;19136515

...
Und man kann nur hoffen, dass hier, sobald gewisse Altherren und Altfrauen nicht mehr das Sagen haben, ein Umdenken erfolgen wird.


Das wünsche ich mir ja auch. Aber solange 70% der Deutschen Michels weiterhin die Europäische Zentralistische Einheitspartei (CDU/SPD/GRÜNE/FDP) mit nichtigen Wahlgesetz wählen, sehe ich schwarz.


MfG

Peter
#16
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Registriert seit: 26.05.2008
Mannheim
Moderator
Beiträge: 2815
Ein kleines Wortspiel? :P
Ich bin echt mal gespannt wie sich diese Gebühren, die CLubs (und Bars?) bald abdrücken sollen, so will es ja die GEMA, wirklich auswirkt.
Wird ja immer stark hochgerechnet, was das alles kosten kann.
Ich finde das einfach nurnoch lachhaft und bin überhaupt nicht dabei wenn es darum geht dieses intransparente Vorgehen zu unterstützen.
#17
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Registriert seit: 15.09.2011
Europe
Hauptgefreiter
Beiträge: 221
Zitat BdMdesigN;19136574
Das wünsche ich mir ja auch. Aber solange 70% der Deutschen Michels weiterhin die Europäische Zentralistische Einheitspartei (CDU/SPD/GRÜNE/FDP) mit nichtigen Wahlgesetz wählen, sehe ich schwarz.


jup leider, ein guter Anfang wäre schon mal, wenn Wahlbetrug verboten wäre

Zitat SljnX;19137523
Ich finde das einfach nurnoch lachhaft und bin überhaupt nicht dabei wenn es darum geht dieses intransparente Vorgehen zu unterstützen.


dito
#18
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Registriert seit: 19.05.2006
unterwegs
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Märchenonkel
Jar Jar Bings
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Zu dem Thema empfehle ich die aktuelle Ausgabe der Brand eins: brand eins Online: Aktuelle Ausgabe
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