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Der Konflikt zwischen der GEMA und YouTube: Hintergründe und Analysen

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Seite 3: Das aktuelle Verfahren vor dem Hamburger Landgericht und die Entscheidung vom Freitag

Kann nun vor dem Hintergrund dieser Entwicklung des Konflikts von einer Zäsur durch das richterliche Urteil am Freitag (wir berichteten) gesprochen werden? Vieles spricht dafür, denn nun herrscht Gewissheit darüber, dass die GEMA sich nicht durch weitere Verfahren erhoffen kann, die Tochter des Google-Konzerns für vergangene Rechtsverstöße zur Verantwortung zu ziehen.

Die wegweisende Entscheidung klassifiziert YouTube nicht als „Täterin“ sondern als „Störerin“. Damit haftet die Video-Plattform für Verstöße gegen das Urheberrecht, sobald ihr der Missbrauch angezeigt wird und sie nichts dagegen, zum Beispiel durch Löschung des Videos, unternimmt. Indem die Richter die rechtliche Position YouTubes verortet haben und die Aktivität prinzipiell zulässig nannten, herrscht für YouTube nun einerseits Rechtssicherheit und andererseits kann die GEMA nicht mehr darauf spekulieren, durch Schadensersatzforderungen eine Einigung in dem Konflikt hinauszuzögern.

Das Content-ID-Programm und der Wortfilter

Die Richter sahen es als zumutbar an, dass die Video-Plattform mit einem Algorithmus erneut hochgeladene Videos überprüft und nicht in Deutschland veröffentlicht, sollten deren ID mit der eines gesperrten Titels übereinstimmen – dieses Software-Verfahren wird Content-ID genannt. Damit soll einem erneutem Einstellen von bereits gesperrten Musiktiteln vorgebeugt werden. Darüber hinaus muss Google die Begleittexte und Titel hochgeladener Dateien scannen, um Live-Aufnahmen oder Remixe eines geschützten Songs erkennen zu können – ob der Wortfilter bei chiffrierten Texten funktioniert ist unklar.

In der Vergangenheit stritten die beiden Kontrahenten darüber, wer das Content-ID-Verfahren anwenden müsse. YouTube besaß bereits eine Softwarelösung, um die Dateien zu scannen und zu vergleichen, wollte die Aufgabe aber der GEMA aufbürden. Diese wehrte sich gegen den zusätzlichen Aufwand und vertrat die Ansicht, dass der Inhaltsanbieter diese Tests durchführen müsse. Da über den Vorschlag YouTubes nicht viel bekannt ist, kann über den genauen technischen Vorgang und den Aufwand nur spekuliert werden. Es lässt sich aber immerhin feststellen, dass von der richterlichen Entscheidung beide Parteien profitieren: Die GEMA muss nicht mit dem erhöhten Aufwand rechnen, um Rechteverletzungen anzuzeigen und das Google-Tochterunternehmen ist immerhin nicht verpflichtet, das bereits bestehende Repertoire zu scannen, sondern muss lediglich zukünftig hochgeladenes Material überprüfen. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand, wenn man der Darstellung Googles folgt, dass jede Minute 60 Stunden Filmmaterial hochgeladen würden.

Nicht überraschend feierten beide Parteien den Urteilsspruch als Erfolg. Die GEMA-Anwältin Kerstin Becker sah in dem Urteil einen „herausragenden Erfolg“ und der Google-Sprecher Kay Oberbeck bemerkte, dass es ein „wichtige[r] Teilerfolg für YouTube“ sei. Allein für die User bringt das Urteil keine unmittelbare Erlösung, da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Beide Parteien könnten mit dem Verfahren in die nächste Instanz ziehen.

 

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Kommentare (18)

#9
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Registriert seit: 02.07.2003
Benztown
IT-Kernel
Beiträge: 1215
Hä, ich versteh das nicht:

Wenn 6.560 Euro bei dem genannten Beispielsong 10,25 Prozent der Werbeeinnahmen sind.
Dann wären die Gesamteinnahmen zu diesem Beispielsong ca. 65.600 Euro.

Wie soll dann ernsthaft darüber diskutiert werden können, 76.800 Euro basierend auf dieser Mindestkalkulation an Rechtevergütung zu verlangen??
#10
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Registriert seit: 23.03.2012

Korvettenkapitän
Beiträge: 2111
Zitat 7even;18789277
Wie soll dann ernsthaft darüber diskutiert werden können, 76.800 Euro basierend auf dieser Mindestkalkulation an Rechtevergütung zu verlangen??


Ist der GEMA doch egal woher sie ihr Geld bekommen, die würden auch alle YT-Mitarbeiter anschaffen schicken, hauptsache sie kriegen was sie wollen. Ganz fiese Mafia diese GEMA!
#11
Registriert seit: 30.12.2010

Banned
Beiträge: 695
GEMA größter scheiß ,man kann manche Sachen die von Deutschen sind nicht angucken und am ende sind sie auch nicht wiederum so toll ,GEMA ist Scheiße ! ,Bald kommt eine GEMA für Hwluxx !!!
#12
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Registriert seit: 10.05.2007


Beiträge: 12886
Gema muss weg und alle anderen Verwerter mit ihr wie VG Wort etc.
#13
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Registriert seit: 19.08.2010

Bootsmann
Beiträge: 736
Zitat Bob.Dig;18791962
Gema muss weg und alle anderen Verwerter mit ihr wie VG Wort etc.
Das halte ich für unrealistisch und auch für höchst unsinnig. Man kann sich natürlich trefflich über die Gebührenstruktur der GEMA streiten und kann sicherlich auch diverse Fristen etc. verändern, IMHO ist ein gewisses Maß an Content Industrie aber einfach nötig.
Einerseits hat eine kleine Band ohne ein Label oder die GEMA im Rücken finanziell kaum die Möglichkeit ihre Rechte im Zweifelsfall einzuklagen und zweitens ist die Musikproduktion teuer, weshalb Studios das vorfinanzieren, im Tausch gegen bestimmte Verwertungsrechte.
Zudem müsste sich plötzlich jeder Künstler einzeln mit Radio-/TV-Serndern, Youtube etc. auseinandersetzen und über eine Vergütung verhandeln.

Es hat doch heute bereits jeder Künstler die Möglichkeit seine Musik unabhängig von irgendwelcher Content-Industrie zu produzieren und zu vertreiben. Das passiert aber nur äußerst selten. Überwiegen da also vielleicht eifnach die Vorteile?
#14
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Registriert seit: 15.09.2011
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Hauptgefreiter
Beiträge: 221
Nope. Neue Zeiten neue Methoden. Die GEMA versucht mit alten Methoden neue Zeiten zu beherrschen und löst damit nur Probleme aus. Auch die Künstler müssen sich umstellen, ebenso Verlage, TV und Filmproduktionen. Noch schaffen sie es mit Hilfe von Geld, Einfluss und Politik ihre Interessen durchzusetzen doch ganz koscher ist das nicht. Unter normalen Marktbedingungen hätte schon längst eine Marktbereinigung stattgefunden und neue Mechanismen hätten sich herausgebildet. Und man kann nur hoffen, dass hier, sobald gewisse Altherren und Altfrauen nicht mehr das Sagen haben, ein Umdenken erfolgen wird.
#15
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Registriert seit: 03.04.2012
Winsen (Luhe) - Niedersachsen
Oberstabsgefreiter
Beiträge: 501
Zitat Deepbreath;19136515

...
Und man kann nur hoffen, dass hier, sobald gewisse Altherren und Altfrauen nicht mehr das Sagen haben, ein Umdenken erfolgen wird.


Das wünsche ich mir ja auch. Aber solange 70% der Deutschen Michels weiterhin die Europäische Zentralistische Einheitspartei (CDU/SPD/GRÜNE/FDP) mit nichtigen Wahlgesetz wählen, sehe ich schwarz.


MfG

Peter
#16
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Registriert seit: 26.05.2008
Mannheim
Moderator
Beiträge: 2815
Ein kleines Wortspiel? :P
Ich bin echt mal gespannt wie sich diese Gebühren, die CLubs (und Bars?) bald abdrücken sollen, so will es ja die GEMA, wirklich auswirkt.
Wird ja immer stark hochgerechnet, was das alles kosten kann.
Ich finde das einfach nurnoch lachhaft und bin überhaupt nicht dabei wenn es darum geht dieses intransparente Vorgehen zu unterstützen.
#17
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Registriert seit: 15.09.2011
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Hauptgefreiter
Beiträge: 221
Zitat BdMdesigN;19136574
Das wünsche ich mir ja auch. Aber solange 70% der Deutschen Michels weiterhin die Europäische Zentralistische Einheitspartei (CDU/SPD/GRÜNE/FDP) mit nichtigen Wahlgesetz wählen, sehe ich schwarz.


jup leider, ein guter Anfang wäre schon mal, wenn Wahlbetrug verboten wäre

Zitat SljnX;19137523
Ich finde das einfach nurnoch lachhaft und bin überhaupt nicht dabei wenn es darum geht dieses intransparente Vorgehen zu unterstützen.


dito
#18
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Registriert seit: 19.05.2006
unterwegs
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Märchenonkel
Jar Jar Bings
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Zu dem Thema empfehle ich die aktuelle Ausgabe der Brand eins: brand eins Online: Aktuelle Ausgabe
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