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Test: Roamer App vergünstigt Roaming-Kosten (manchmal)

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Seite 2: Technische Seite, Billig oder nicht? und Fazit

Die technische Seite oder "Wie funktioniert das eigentlich?"

Die "Magie", wie Roamer es auf der Seite gerne nennt, ist natürlich gar keine. Dahinter steckt nur ein ausgeklügeltes System von Anrufweiterleitungen, offenen Systemen und einer gut programmierten Applikation.

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Im Zielland angekommen muss die SIM-Karte eingelegt und validiert werden.

So wird beim Einrichten providerseitig eine Rufweiterleitung auf eine deutsche Festnetznummer eingerichtet. Von dort aus wird entsprechend eine Verbindung hergestellt. Was beim angerufenwerden sowieso in Deutschland passiert und daher mit dem eigenen Gerät nichts zu tun hat, ist im Ausland mit einer Callback-Anfrage an den Servern von Roamer verbunden. Das kostet zwar keine großen Datenmengen, braucht aber zumindest kurzfristig eine Internetverbindung, um die gewünschte Rufnummer an Roamer zu übermitteln, um den Callback auszulösen; danach handelt es sich wie schon erwähnt um eine normale GSM-Verbindung. Roamer gibt an, dass dies auch über WiFi funktioniert und so prinzipiell nicht einmal eine lokale Prepaid-Karte mit mobilem Internetvolumen benötigt wird, sofern man ein WLAN hat, um den Anruf zu starten.

Was nicht geht

Einmal eingerichtet scheint Roamer die perfekte Alternative zum teuren Roaming. Doch es gibt auch Nachteile. So können SMS-Freunde nicht auf Roamer zählen. SMS empfangen oder senden, das ist nicht von der deutschen Nummer möglich. Die FAQs von Roamer bieten aber auch dafür eine Lösung: Einfach die SIM in ein anderes Smartphone (oder in den Dual-SIM-Slot) stecken und dort die SMS senden und empfangen - nur Telefonieren sollte man dann mit der Karte nicht.

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Die App ist übersichtlich gestaltet und kann mit vielen Informationen punkten.

Ebenfalls kann man seine Nummer nicht nachträglich im Ausland parken, sagt Roamer. Doch auch das ist kein Problem. Der Dienst weist dann eine temporäre deutsche Nummer zu, die man seinen Kontakten "zuhause" geben kann und unter der man für diese dann zu deutschen Konditionen erreichbar ist. Roamer selbst gibt an, die günstigen Tarife für 212 Länder anzubieten - jedoch sollte man auch aus einem der 56 Länder kommen, in der man seine heimische Nummer parken kann.

Lohnt sich das? Ein Rechenexempel.

Ob sich Roamer lohnt, hängt ganz von den eigenen Bedürfnissen ab. Eine kleine Rechnung soll in diesem Fall aber illustrieren, ob sich die Verwendung der App lohnt.

Vodafone will, sofern man Red-Vertragskunde und im EU-Ausland ist, für je 100 Einheiten Telefonie, SMS und Internet 3 Euro pro Tag (alle anderen Vertragskunden erhalten je 50 Einheiten). Über eine Woche müssten also 21 Euro eingeplant werden, da Restvolumina, die am Buchungstag nicht genutzt werden, verfallen. Es gibt zwar Hinweise, wenn die Inklusiv-Einheiten zu 80 und 100 Prozent aufgebraucht sind, darüber hinaus wird jedoch beim Internet nicht gekappt - es werden 20 Cent pro MB fällig. Das Paket kann nur einmal pro Tag gebucht werden, für die meisten Kunden sollten 50 bzw. 100 MB pro Tag im Ausland jedoch ausreichend sein. Eingehende Anrufe werden weiterhin mit 8,33 Cent in der EU und 71 Cent in den USA abgerechnet.

Bei Hitsmobile kostet die reine SIM-Karte 5 Euro, minimal können 10 Euro auf die Karte aufgeladen werden. Dafür erhält man für 5,93 Euro 500 MB Internetvolumen für einen Kalendermonat. Auch bei Roamer können minimal 10 Euro für ein- und ausgehende Anrufe aufgeladen werden. Insgesamt ist man also bei 25 Euro für 500 MB Internet für 30 Tage und 100 Telefonminuten (ausgehend). Zudem hat man noch gut 4 Euro auf der Hitsmobile-Karte für SMS oder nationale Anrufe.

Ganz klar zu erkennen ist hier, dass sich Roamer erst lohnt, wenn man länger oder öfter im EU-Ausland, aber vor allem dann, wenn man in den USA unterwegs ist. Der klare Vorteil: Das Roamer-Guthaben ist länderunabhängig gültig, wodurch man bspw. auch in den USA für 5 Cent (statt 71 Cent) angerufen werden kann und für 10 Cent selbst anruft (Vergleich: 1,63 Euro). Eine lokale SIM-Karte ist ebenfalls schnell günstiger (Vodafone Roaming USA: 15 Euro, 24h, 5 MB oder 30 Euro, 7d, 10 MB).

Fazit

Roaming wurde mit Roamer auf ein neues Level an Komfort und vor allem Preis gehoben. Natürlich ist zusätzlich eine lokale SIM-Karte im Ausland für die problemlose Nutzung notwendig, wer aber auch unterwegs mobiles Internet nutzen will, bekommt hier gerade bei einer USA-Reise eine extreme Preisersparnis im Gegensatz zu den Angeboten, die die Provider (in diesem Fall Vodafone) machen.

Wer lange Zeiten im EU-Ausland unterwegs ist, profitiert ebenfalls von Roamer. Für den Kurztrip nach Spanien lohnt es sich für den Vodafone-Vertragskunden, wie unser Rechenexempel zeigt, aber nur bedingt. Vor allem, da man keine SMS mehr empfangen kann und die App zunächst einrichten muss - da ist die Buchung eines 3 Euro teuren Tagespaketes für den gelegentlichen Urlaub vermutlich billiger.

Dennoch sollte man Roamer immer im Hinterkopf haben - gerade für Nutzer von Prepaid-Karten könnte sich das Ganze auch schnell im EU-Ausland lohnen. Vor dem Urlaub oder der Geschäftsreise sollte also unbedingt verglichen werden, mit welcher Variante man günstiger fährt. Eine pauschale Empfehlung für jede Reise und jeden Tarif können wir in diesem Fall deshalb nicht geben - das hängt von zu vielen einzelnen Faktoren - Kosten der lokalen SIM-Karte und deren Konditionen, Roaming-Angeboten des eigenen Anbieters, Prepaid- oder Vertragskunde, Telefonie und Surfgewohnheiten - ab.

Positive Aspekte von Roamer:

  • sehr günstige Konditionen vor allem für USA-Reisen
  • GSM-Verbindung für beste Sprachqualität (netzabhängig)
  • einfache Einrichtung und Nutzung
  • kein Dual-SIM-Smartphone notwendig um erreichbar zu sein

Negative Aspekte von Roamer:

  • kein SMS Empfang
  • kleinster In-App-Purchase 10 Euro
  • App-Abstürze
  • Ersparnis in EU oft nicht so groß