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Test: OCZ Octane SSD mit Indilinx-Everest-Controller

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Seite 2: Der Controller im Detail

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Bei dem uns vorliegenden Sample der OCZ Octane handelt es sich um ein Modell mit 512 GB und SATA-6 Gb/s-Interface. Wer etwas Geld sparen möchte und/oder kein Mainboard mit SATA-6 Gb/s-Port hat, kann zur SATA-3 Gb/s-Version der Octane greifen. Durch das langsamere Interface sind die Transferraten auf effektiv 270-280 MB/s beschränkt. Das Herzstück der Octane ist der neu entwickelte Indilinx-Controller, der auf den Codenamen "Everest" hört und die Bezeichnung IDX300 trägt. Während der letzte Indilinx-Controller, Codename "Barefoot", noch entwickelt wurde, als Indilinx eine eigenständige Firma war, stammt der neue Controller nun von OCZ - wobei man die Bezeichnung Indilinx offensichtlich beibehalten und auf ein OCZ-Branding verzichtet hat. Es ist allerdings trotzdem davon auszugehen, dass OCZ den Everest-Controller nicht an andere Hersteller verkaufen wird.

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Der MLC-Flash-Speicher stammt von Intel und ist in 25 nm gefertigt. Wie man es von einem High-End-Laufwerk erwartet, wird der Flash synchron betrieben. Der Cache der OCZ Octane ist insgesamt 512 MB groß, wobei sich die Kapazität auf zwei Chips aufteilt, einer ist auf dem ersten Foto oben rechts zu sehen, der andere auf dem zweiten Foto unten rechts. Diese Cache-Größe ist enorm und steht im direkten Gegensatz zur Philosophie von SandForce, wo man komplett auf einen externen Cache verzichtet. An dieser Stelle sei daher auch erwähnt, dass die Größe des Caches keinen Einfluss auf die Performance des Laufwerks hat, vielmehr hängt es vom Design des Controllers ab, ob ein zusätzlicher Cache benötigt wird oder nicht. Problematisch kann ein externer Cache, in welchem Daten zwischengespeichert werden, allerdings bei einem Stromausfall werden, denn in diesem Fall sind Daten, die noch nicht in den Flash-Speicher geschrieben wurden, verloren. Für die meisten Heimanwender dürfte dieses Szenario allerdings keine Relevanz besitzen.

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OCZ wirbt mit einer "265-Bit AES-Verschlüsselung". Dahinter verbirgt sich eine transparente Verschlüsselung, wie man sie schon von SandForce-Laufwerken und der Intel SSD 320 Series kennt, d.h. alle Daten werden in Echtzeit verschlüsselt. Ob der AES-Schlüssel beim Setzen eines ATA-Passworts zusätzlich gesichert wird, wie es bei den anderen Controllern der Fall ist, konnte man uns nicht sagen. Bei einem Secure Erase wird der AES-Schlüssel nicht verworfen, der Schlüssel wird bei der Produktion festgelegt und bleibt immer gleich. Das ist unverständlich, denn würde man den AES-Schlüssel bei einem Secure Erase neu generieren, wären damit alle Daten auf einen Schlag unbrauchbar - ein sichereres Löschen als das Verwerfen des Schlüssels gibt es kaum (abgesehen von der physischen Zerstörung des Datenträgers).

Des Weiteren wird eine "nDurance" genannte Technologie angepriesen, die die Lebensdauer des Flash-Speichers verlängern soll. Was kann dahinter stecken? Die OCZ Octane bzw. ihr Controller arbeitet nicht mit einer transparenten Kompression, wie es z.B. SandForce-Laufwerke machen. Das ist allerdings die einzige Möglichkeit, die Write Amplification (Verhältnis aus Menge der Nutzdaten und tatsächlich in den Flash-Speicher geschriebenen Daten) auf einen Wert kleiner als eins zu drücken. Auf diese Weise kann man die Haltbarkeit des Flashs tatsächlich vergrößern, da weniger Daten geschrieben werden (müssen), als vom Host gesendet wurden. Die Write Amplification der Octane ist aber zwangsweise immer größer gleich eins, da wie gesagt die Kompression fehlt. Solange man davon ausgeht, dass es sich bei nDurance um ein reines Software-Feature handelt, versteckt sich hinter diesem Begriff also nicht mehr als die üblichen Mechanismen zum Wear Leveling (gleichmäßige Abnutzung der Zellen) und zur Garbage Collection (verwerfen von verwaisten Daten), wie sie von jeder SSD genutzt werden - verpackt in einem Marketing-Begriff. Eine genauere Erklärung zu nDurance konnte oder wollte man uns leider nicht geben.

Pikant ist allerdings, dass OCZ explizit mit einer gleichmäßigen Performance wirbt, die "nahe" am fabrikneuen Zustand bleiben soll. Zumindest ohne TRIM ist bei der OCZ Octane sehr schnell ein Zustand mit einer merklich niedrigeren Leistung erreicht. Der folgende Screenshot zeigt das Laufwerk im Neuzustand, der darauffolgende nach starker Belastung (Iometer 4K random write über die komplette Kapazität):

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Es bleibt eine durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit von 7,5 MB/s (von ursprünglich knapp 300 MB/s), was ein neuer Negativrekord ist - mit Abstand. Auch ein zweiter Durchlauf ändert nichts an diesem Ergebnis, andere SSDs, die ebenfalls (mehr oder weniger) stark einbrechen, erholen sich meistens wenigstens durch sequenzielles Schreiben (zum Vergleich die Intel 510 SSD), die OCZ Octane schafft das aber nicht. Lediglich das Senden des TRIM-Befehls erlaubt es dem Laufwerk, sich wieder zu erholen. Wer also daran denkt, die Octane in einem System ohne TRIM einzusetzen (ältere Betriebssysteme oder RAID-Volumes), sollte von dieser Idee unbedingt Abstand nehmen.

Noch ein Wort zu den folgenden Benchmarks: Die Performance von SSDs sollte man eigentlich nur zwischen Laufwerken gleicher Kapazität vergleichen, da SSDs mit größerer Kapazität in der Regel auch eine höhere Leistung erreichen. Die meisten bisher von uns getesteten Laufwerke sind entweder 120 oder 240 GB groß (mit Ausnahme der Samsung SSD 830 Series, welche wir ebenfalls in der 512 GB-Version getestet haben), die folgenden Benchmarks sind daher mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten.