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Ivy Bridge im Test: Intel Core i7-3770K und alle i5-Modelle

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Seite 9: Overclocking

Viele Leser werden insbesondere darauf scharf sein, den neuen Core i7-3770K bis ans Limit zu übertakten. Normalerweise sind kleinere Fertigungsstrukturen auch immer ein Ausgangspunkt für höhere Taktresultate – und einige Leaks in der Overclocking-Szene ließen darauf hoffen, dass Ivy Bridge sich gut übertakten lässt.

In der Tat denkt Intel bei den K-Prozessoren wieder einmal an die Overclocker: Der Multiplikator des Prozessors kann nun auch auf x63 hochgefahren werden, zudem hat man Speicherteiler in 200- und 266-MHz-Schritten hinterlegt, bietet die Möglichkeit der Veränderung der Teiler und Multiplikatoren in Echtzeit und bohrt die XMP-Profile auf die Version 1.3 auf.

Vergleich Overclocking-Features
CPU-Modell Sandy Bridge Sandy Bridge E Ivy Bridge
Real-Time Core Ratio Change nein teilweise (non-turbo) ja, inkl. Turbo
PL1, PL2, Tau & ICC Max. Overrides ja ja ja
SVID Extra Voltage ja ja ja
maximaler Prozessor-Multiplikator 57 unlimitiert 63
Real-Time-Veränderung
des GPU-Multiplikators
nein n.a. ja
DDR3-Ratio bis 2133 MHz bis 2400 MHz bis 2667 MHz
DDR-Stufen 266 MHz 266 MHz 200 / 266 MHz
DDR Timings einstellbar ja ja ja
XMP-Version 1.2 1.2 oder 1.3 1.3
Base Clock Overclocking limitiert, +7% CPU Strap mit 1,25/1,67
Multiplikator, +7%
limitiert, +7%

Leider hat man ein entscheidendes Feature, welches Intel zuletzt beim X79-Chipsatz eingeführt hatte, nicht mit auf die Sockel-1155-Platform übernommen: Bei Sandy-Bridge-E im Sockel 2011 war es möglich über einen sogenannten CPU Strap die Base Clock Rate auf 133 oder 166 MHz zu erhöhen. Dies ist bei Ivy Bridge nicht möglich – man hängt also an den +7 bis +8 Prozent, die maximal bei der Base Clock Rate übertaktet werden können. Weiterhin wird also nur selten ein stabiles System über 108 MHz zu bekommen sein.

Unseren Core i7-3770K haben wir natürlich auch übertaktet. Auf einem ASUS P8Z77-V Deluxe musste sich der neue Prozessor beweisen. Zu unserem Glück konnten wir unsere Ergebnisse auch noch mit einer zweiten CPU validieren, die ein ähnliches Übertaktungsverhalten zeigte.

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Humane Übertaktung mit nur wenig Spannungserhöhung:
Stabil lief der Core i7-3770K auf 4,5 und 4,6 GHz Taktfrequenz.

overclocking47soverclocking48s 

Erhöhte Core-Spannung, aber nicht mehr 100%ig stabil:
Mit 1,232 und 1,32 V erreichten wir 4,7 und 4,8 GHz, allerdings nicht mehr Prime95-stabil.

overclocking49s

1,4 V Spannung sind für 22nm sicherlich etwas viel.
4,9 GHz liefen aber - wenn auch instabil - mit dieser hohen Spannung.

Insgesamt darf man also bei dem aktuellen Ivy-Bridge-Stepping auf einen Übertaktungserfolg zwischen 4,6 bis 4,7 GHz hoffen, je nach eingesetzter Spannung. Fährt man die Prozessorspannung mit +0,1 V nur knapp über Intels Standard, sind nur 4,6 GHz möglich, bei erhöhter Spannung von 0,2 V sogar 4,7 GHz. Allerdings wird der Prozessor dann schon recht gefräßig, was die Abwärme angeht.

Hierfür haben wir einen Chart erstellt, in dem wir die Spannung des Prozessors variiert haben und die Leistungsaufnahme unter Last protokolliert haben:

verbrauch

Im Vergleich zu anderen CPUs verläuft diese Kurve noch recht linear. Trotzdem ist zu sehen, dass bei erhöhter Spannung die Leistungsaufnahme durchaus heftiger ansteigt. Der Verbrauch steigt normalerweise quadratisch zur angelegten Spannung. Wenn Intel für einen im Turbo-Betrieb arbeitenden Ivy-Bridge-Prozessor eine TDP von 77 Watt vorsieht und wir im Lastbetrieb des Gesamtsystems knapp 115 Watt messen, dann kann man hochrechnen, welche Abwärme der Prozessor bei knapp 180 Watt generiert - die zusätzlichen 65 Watt gehen nämlich vollständig auf seine Kappe.

Im Test stieg auch die Temperatur des Core i7-3770K entsprechend an: Von 39 °C im Dauerlastbetrieb im Normalzustand stieg die Temperatur bei 1,5 V Spannung auf 70 °C an. Entsprechend sollte die Spannung nicht über 1,3 V erhöht werden, die empfindlichen 22-nm-Strukturen könnten schon bei einer geringen Spannungserhöhung Schaden nehmen. 

Es ist also momentan davon auszugehen, dass eine Übertaktung von mehr als 4,7 GHz recht utopisch ist – oder zumindest nur für Benchmarkrekorde, aber auf keinen Fall für den Dauerbetrieb geeignet ist. Bei Sandy Bridge erreichte man durchaus 4,8 bis 5 GHz – somit wäre der geringe Performance-Vorteil von Ivy Bridge hier obsolet. Leider ist dies also ein etwas ernüchterndes Ergebnis.

Bei der Base Clock Rate ist, da Intel die CPU-Strap-Einstellung nicht für den Ivy-Bridge-Prozessor vorgesehen hat, weiterhin bei maximal 107 MHz Schluss. Unser Sample schaffte sogar nur 105,7 MHz stabil:

baseclock

Entsprechend kann man also davon ausgehen, dass das Übertakten per Multiplikator weiterhin der einzige sinnige Weg bei Ivy Bridge ist.