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Vier Mittelklasse-Netzteile mit 80PLUS Gold im Test

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Seite 4: Thermaltake Paris 650W

Die Marke Thermaltake ist im Netzteilbereich insbesondere dank der Toughpower-Modelle schon lange ein feste Größe. Neben den Toughpower-Netzteilen als Aushängeschild versucht sich Thermaltake auch noch mit anderen Modellreihen am Markt zu platzieren. Eine davon ist die sogenannte "European Gold Series", die momentan mit dem 550W-Modell "London" und dem 650W-Modell "Paris" zwei Ausführungen umfasst. Beiden Modellen gemein ist Effizienz nach 80Plus Gold, ein modulares Kabelmanagement und fünf Jahre Herstellergarantie. In Sachen Preis hebt sich das Thermaltake Paris 650W Gold von der Konkurrenz ab, denn mit nur ca. 80 Euro Marktpreis ist es momentan das günstigste Netzteil seiner Klasse. Premium-Qualität beim Paris 650W vorausgesetzt, dann wäre das Corsair CS650M mit ca. 85 Euro der nächste direkte Vergleichspartner.

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Das Thermaltake Paris 650W in charakteristischer Optik.

Beim Auspacken des Thermaltake Paris 650W macht sich der niedrigere Preis nicht bemerkbar. Zwar ist das Netzteil nicht in Schaumstoff verpackt, aber dafür liegt z.B. eine Aufbewahrungstasche für nicht benötigte Anschlusskabel bei. Weiterhin sind natürlich auch Netzkabel, Kabelbinder, Schrauben und ein Mini-Handbuch im Lieferumfang zu finden.

In Sachen Optik bietet das Thermaltake Paris 650W nur wenige Besonderheiten, aber so mancher User kann dies zu Gunsten eines besseren Preises sicher verschmerzen. Das Stahlblechgehäuse ist anthrazitfarben lackiert und mit 160 mm Länge von normaler Größe. Der 140-mm-Lüfter verbirgt sich hinter einem klassischen ebenfalls schwarz lackierten Lüftergitter. An den Seiten zieren große Label das Paris 650W, u.a. auch versehen mit dem Wahrzeichnen der namensgebenden Metropole. Als weitere Auffälligkeit wären sonst nur noch die farblich unterschiedlichen Buchsen des Kabelmanagements zu nennen.

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Das Thermaltake ist das günstigste Netzteil in diesem Roundup.

Das Thermaltake Paris 650W Gold ist ein Single-Rail-Netzteil, dessen 12V-Schiene nominal bis zu 54 Ampere respektive 648 Watt zu leisten vermag. Die Nebenspannungen 3,3 Volt und 5 Volt sind dabei mit je 20 Ampere und zusammen bis 100 Watt belastbar. Beim Paris 650W ist die Gesamtleistung von 650 Watt ist für den Temperaturbereich bis 40°C freigegen. Die von CWT gefertigte Platine beherbergt eine Standard-Topologie (Double Forward) mit DC-DC-Wandlern für 3,3 Volt und 5 Volt. Der Satz "Hochqualitätskondensatoren aus Japan" hat leider einen Grammatikfehler: Es ist nämlich eigentlich nur ein japanisches Modell verbaut, nämlich der Primärkondensator von Nippon Chemicon (420V, 470uF, 105°C). Die Sekundärkondensatoren sind allesamt 105°C-Modelle von CapXon und JunFu, stammen also von taiwanesischen Firmen. Weiterhin sind noch einige Polymerkondensatoren verbaut, deren Herstellerbestimmung aber wie immer schwierig ist.

Laut Handbuch sollen beim Thermaltake Paris 650W Schutzschaltungen gegen Überspannung (OVP), Überlast (OPP) und Kurzschluss (SCP) vorhanden sein, was für ein Netzteil mit einem gewissen Anspruch eine sehr kurze Liste darstellt. Im Test konnten wir Folgendes beobachten: Auf 3,3 Volt führten 40 Ampere - das Doppelte des Nominalwertes - nach 15 Sekunden zur Abschaltung, auf 5 Volt passierte dies bei 40 Ampere bereits nach 5 Sekunden. Bei 36 Ampere hingegen erfolgte eine Abschaltung erst nach 30 Sekunden. Das Thermaltake hat sich also "zuverlässig" (reproduzierbar) abgeschaltet, nur zu einem Zeitpunkt, wo eine leichte Geruchsentwicklung schon von der Belastung der betroffenden Bauteile zeugt. Auf 12 Volt ist ebenfalls keine scharf definierte Abschaltschwelle vorhanden. Wo bei 86 Ampere eine Abschaltung innerhalb von 5 Sekunden erfolgt, sind 80 Ampere anscheinend länger möglich. Nach einer Minute haben wir den Test aber abgebrochen. Klar ist, dass das Paris 650W hier nicht den Standard erreicht, den z.B. das Edison M 650W zeigen konnte.

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Auch das Thermaltake bietet relativ gute Anschlussmöglichkeiten.

In Sachen Ausstattung braucht sich das Thermaltake Paris 650W Gold nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken. Ein teil-modulares Kabelmanagement wurde seitens Thermaltake mit schwarzen Flachbandkabeln kombiniert. Auch das ATX-Kabel ist als Flachband-Variante ausgeführt. Ebenfalls fest angebracht ist ein 8-Pin-EPS-Kabel. Über das Kabelmanagement lassen sich dann bis zu vier PCI-Express-, zwölf SATA- und vier Molex-Anschlüsse nutzen. Insgesamt also eine sehr umfangreiche Ausstattung, inbesondere die zwölf SATA-Anschlüsse sind in dieser Klasse deutlich über Durchschnitt. Aus unserer Sicht machen die zusätzlichen SATA-Anschlüsse des Thermaltake auch mehr Sinn als die PCI-Express-Anschlüsse Nr. 5 und 6 beim Fractal Design Edisom M 650W. An der Verarbeitung lässt sich beim Paris 650W nichts aussetzen, auch die Kabellängen gehen insgesamt in Ordnung. Sofern beim Thermaltake Paris 650W Gold jemand Bedenken aufgrund der nicht 100% japanischen Kondensatoren oder den eher dürftigen Schutzschaltungen hat, so dürfte die Herstellergarantie von 5 Jahren sicher beruhigend wirken.

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Das Thermaltake Paris 650W bietet gute Leistungswerte.

In Sachen Lautstärke kann das Thermaltake ebenfalls eine gute Leistung zeigen. Der doppelt kugelgelagerte 140-mm-Lüfter vom Typ TT-1425B - ein auf Thermaltake gelabeltes Modell von Yate Loon - wird von der aktiven Lüftersteuerung mit einer Startdrehzahl von ca. 600 U/min betrieben. Diese Drehzahl behält der Lüfter bis knapp 35 Prozent Last bei, bevor diese langsam hochgefahren wird. In diesem Bereich arbeitet das Paris 650W sehr leise. Weder das Lüfterlager noch die Luftbewegung verursacht besondere Geräusche. Überhaupt bleibt das Paris 650W über den kompletten Lastbereich von elektronischen Störgeräuschen verschont. Bei 50 Prozent Last liegen dann 780 U/min und bei 60 Prozent 850 U/min an. Das Paris 650W bleibt angenehm leise, nur macht sich etwas das Lager des Lüfters bemerkbar. Bei 80 Prozent Last und ca. 1.000 U/min bleibt das Paris noch relativ leise, aber das Lagersurren hat weiter zugenommen und ist nun auch aus etwas Abstand wahrnehmbar. Bei Volllast und 1.200 U/min bleibt das Luftrauschen sehr unauffällig, aber das Lagersurren ist nun sehr deutlich und eigentlich schon fast als laut zu bezeichnen. Insgesamt ist das Thermaltake Paris 650W ein normal leises Netzteil: Bei Niedrig- bis Mittellast ist es relativ leise, bei höheren Lasten naturgemäß nicht mehr ganz so leise, aber üblicherweise sorgen zu dem Zeitpunkt auch andere Komponenten für Lautstärke.

Weiter Bilder vom Thermaltake Paris 650W Gold sind in der Galerie zu finden:

Auf der nächsten Seite stellen wir mit dem Super Flower Leadex Gold 650W den vierten Testkandidaten dieses kleinen Round-Ups vor.