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Netzteil-Roundup H1 2005

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Seite 5: Kaufberatung

Um das richtige Netzteil zu finden, bedarf es einiger Vorabüberlegungen, wovon wir einige kurz schildern möchten:

Die wichtigste Anforderung an das gewählte Netzteil sollte sein, dass es jederzeit einen stabilen und sicheren Betrieb der angeschlossenen Komponenten ermöglicht. Leider ist diese Fähigkeit in ihrer Qualität vom User schwerer zu beurteilen, als z.B. die Lüfterlautstärke oder die Leuchtkraft der verbauten Modding-Stilmittel. Das Versagen fällt nämlich erst dann auf, wenn der Rechner abstürzt oder andersartige Fehler zeigt.

Das Netzteil hat die Aufgabe, die Wechselspannung aus dem Leitungsnetz sicher und stabil auf die von den Rechnerkomponenten geforderten Spannungen zu transformieren und das mit möglichst hoher Effizienz. Dabei hat es mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen, angefangen von Störungen im Leitungsnetz bis hin zu extrem stark schwankenden Leistungsanforderungen auf der Sekundärseite. Herzstück der Netzteile sind elektronische Regelkreise, die dafür sorgen, dass die Ausgangsspannungen stets innerhalb ihrer erlaubten Grenzen gehalten werden und daher  zuverlässig und schnell funktionieren müssen. Die Qualität der Ausgangsspannungen lässt sich daher als Qualitätsmerkmal für die Netzteilelektronik heranziehen.

Natürlich kann das Netzteil nur dann richtig funktionieren, solange es innerhalb seiner Spezifikation betrieben wird, d.h. man darf dem Netzteil nicht mehr Leistung abverlangen als es eigentlich leisten kann. Daher braucht man ein Netzteil mit ausreichend großer Reserve. Diese Reserve sollte aber nicht zu groß sein, denn dann verschenkt man bares Geld, zum einem durch den erhöhten Anschaffungspreis und zum anderen durch den erhöhten Stromverbrauch bei einem ineffizienten Wirkungsgrad. Bei Netzteilen ist der Wirkungsgrad, d.h. das Verhältnis der aus dem Leitungsnetz aufgenommen Energie zu der an die Rechnerkomponenten abgegebenen Energie, von der Last abhängig. Bei geringen Lasten ist der Wirkungsgrad geringer und erreicht sein Maximum meist bei Auslastungen von über 50%. Ein ineffizientes oder stark unterfordertes Netzteil verbraucht in einem Rechner daher mehr Strom.

Das wirklich genau passende Netzteil zu finden, ist eine schwierige Angelegenheit. Die Leistungsaufnahme des eigenen Rechners lässt sich in der Praxis nur grob abschätzen, entweder über vorhandene Daten von ähnlichen Systemen oder den Messwert eines Energiekostenmessgerätes, den man mit einem geschätzten Netzteilwirkungsgrad (z.B. 65 %) multipliziert. Weiterhin sind manche Netzteilhersteller bei der Beschreibung der Leistungsfähigkeit - vorsichtig ausgedrückt - etwas optimistisch, jedenfalls liest man des Öfteren von Netzteilen, die vor Erreichen der 80%-Last das Zeitliche segnen. Da man beim Kauf auch noch auf weitere Merkmale des Netzteils Wert legt, bleibt einem letztendlich nur die Festlegung auf eine gewisse Leistungsklasse.

Weiterhin stellen sich einige Fragen, die beachtet werden sollten:

1. Welche Systemkonfiguration möchte ich mit dem Netzteil betreiben?

Die Antwort auf diese Frage ist existentiell für die Entscheidung über den Kauf eines Netzteils:

Dabei sollte man unterscheiden zwischen einem Spielerrechner, einem Officerechner oder einem Allrounder! Prinzipiell verbrauchen Spielerechner und Allroundrechner am meisten Strom. Je nach der Peripherie des Systems wäre hier eher ein 450-Watt- bis 500-Watt-Netzteil teilweise schon angebracht. Für Officeanwendungen etc. raten wir zu einem kleineren 350- bis 400-Watt-Netzteil.

Bei unseren Messungen haben wir einige Beispielkonfigurationen gehabt, die wir hier kurz als Richtsysteme vorstellen wollen:

2. Betreibe ich einen Athlon 64-, Athlon XP- oder ein Intel Pentium 4-System?

Der Käufer sollte sich im Klaren darüber sein, dass grundsätzlich ein Intel Pentium 4- oder Athlon XP-System erheblich mehr Strom zieht, als ein vergleichbares Athlon 64-System! Was bei einem Athlon 64 noch als ausreichend gilt, kann für den Pentium 4-Rechner ein Problem bedeuten und zu Systemabstürzen führen. Natürlich sollte man auch die verschiedenen Prozessorkerne berücksichtigen, die deutlich unterschiedliche Stromaufnahmen haben, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Hochgetaktete Prescott-Prozessoren (z.B. Pentium 4 570J und 660 oder Extreme Edition 3.73) sowie der neue Athlon 64 FX-55 sind die aktuellen Stromfresser Nr. 1.

3. Welche Grafikkarte betreibe ich in meinem System?

Grafikkarten verbrauchen heute eine Menge Strom mehr als noch vor einigen Jahren. Als Stromfresser gelten aber auch Systeme mit einer Radeon 9500/9700/9800 oder ein System mit einer Nvidia FX 59XXer Serie. Bei neueren Modellen mit Radeon X800- oder GeForce 6xxx-Kern sollte man sich aber auch hier Gedanken über den Stromverbrauch machen.

4. Welche Peripherie verwende ich?

Damit ist die Verwendung diverser Gerätschaften im und außerhalb des Rechners gemeint, die das Netzteil zusätzlich belasten. So z.B. eine Wasserkühlung, Lüfter, Festplatten, USB-Geräte etc.. Alles Gerätschaften, die zwar relativ wenig Strom konsumieren, aber wie sagt man so schön: "Kleinvieh macht auch Mist!"

Bei der Peripherie ist ebenfalls zu beachten, welche Anschlüsse das Netzteil bieten muss. Die genauen Daten über unsere Probanden kann man unserer ausführlichen Liste auf der 2. Seite entnehmen.

5. Welche Punkte sollte man noch beachten?

  • Vorsichtig mit lüfterlosen Netzteilen. Die heutigen Netzteile lüften zwar nur noch vereinzelt das gesamte Gehäuse mit, aber sie tun es, wenn auch nur sehr gering. Versiegt dieser vom Netzteil hervorgerufene Luftstrom im Gehäuse, kann dies durchaus zu Hitzestaus und somit zu instabilen Systemen führen, wenn nicht gar Komponenten beschädigen. Grundsätzlich ist nicht jeder Rechner dazu geeignet, komplett lautlos betrieben zu werden. Ein kurzes Beispiel: Einen übertakteten Spielerrechner mit einer Luftkühlung komplett lautlos zu betreiben, ist eine diffizile Angelegenheit und nur die wenigsten Hobbywerkler bekommen das hin. Ein solches System erzeugt enorme Abwärme, die durch aktive Lüftung abtransportiert werden sollte, ansonsten droht ein Systemausfall. In diesem Beispiel wäre ein dauerhafter Betrieb eines lüfterlosen Netzteils wahrscheinlich nicht möglich. Hinzu kommt, dass lüfterlose Netzteile teilweise für den Zimmertemperaturbetrieb gedacht sind, also ca. 20 °C - 25 °C. Dabei sind sie dementsprechend auf die von Gehäuselüftern ausgelöste Luftzirkulation angewiesen. Hochleistungssysteme sollten daher nicht damit betrieben werden - weniger weil die Wattzahlen nicht reichen, sondern weil die Komponenten sich zu sehr aufheizen könnten. Bei Mediacentern, Officerechnern oder ähnlichen Computern sind sie selbstverständlich ein Segen.
  • Ein weiterer Punkt, dem Beachtung geschenkt werden sollte, ist die Reduktion der Stromkosten durch verringerten Verbrauch. Wer seine Stromkosten reduzieren möchte, kann auch diverse Tools verwenden, um seinen Stromverbrauch z.B. beim Internetsurfen oder bei Officeanwendungen zu senken. Für Athlon XP-Systeme bietet sich hier das kostenlose 8RDAVCORE an, um die Stromzufuhr zur CPU und den Takt in Realzeit den Bedingungen anzupassen (ähnlich dem Cool´n´Quite-Prinzip beim AMD Athlon 64, der diese Funktion hardwareseitig bereits mitliefert).
  • Prinzipiell ist die Glaubwürdigkeit von Herstellerangaben bei günstigen Netzteilen als eher kritisch zu betrachten. Da der Kunde nicht in der Lage ist, die Qualität der Herstellerangaben zu überprüfen, neigen Billiganbieter oft dazu, überzogene Angaben zu machen, um mit den großen Firmen mithalten zu können. Aus Unwissenheit heraus greifen Konsumenten dann zu der günstigen Alternative und zwingen ehrliche, gute Hersteller indirekt, ihre Herstellungskosten und somit auch die Qualität zu senken. Auch oder gerade wegen unserer Tests, raten wir daher immer dazu, eher ein höherwertiges, ausreichend dimensioniertes Netzteil vom Markenhersteller anstelle eines billigen, überdimensionierten Netzteils, welches durch die schlechten Komponenten nach kurzer Zeit Spannungsschwankungen hat und daher zu Systeminstabilitäten führen kann, zu kaufen.

Nachdem wir nun die wichtigsten Neuerungen und einige Tipps erläutert haben, beginnen wir mit der Vorstellung des ersten Netzteils.