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ASRock X99 WS-E (/10G) mit 64 PCIe-3.0-Lanes im Test

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Seite 9: Fazit

ASRocks X99 WS-E/10G ist aktuell das einzige Desktop-Mainboard auf dem Markt, das eine Fusion zwischen einem gut ausgestatteten, leistungsfähigen Workstation-Unterbau mit gleich zwei 10-GBit/s-LAN-Anschlüssen darstellt. Die Taiwaner setzen in diesem Fall auf den Intel-X540-Netzwerkcontroller, der sich direkt zwischen dem I/O-Panel und den vier linken DDR4-DIMM-Speicherbänken befindet und auch gleich mit einem passenden Kühlkörper auf akzeptabler Temperatur gehalten wird. Insgesamt wurde das E-ATX-Mainboard luxuriös ausgestattet, mit acht DDR4-DIMM-Speicherbänken, die selbst registrierte ECC-DIMMs annehmen, sofern eine Intel-Xeon-E5-v3-CPU ausgewählt wird. Generell lässt sich der Arbeitsspeicher auf 128 GB ausbauen. Einziger Nachteil zum Thema Arbeitsspeicher: Auch bei diesem Modell konnte der 125-MHz-BCLK nicht erfolgreich aktiviert werden, sodass auch dieses Mal DDR4-2666 das Höchste der Gefühle war.

Großzügig und dafür funktionell waren dagegen die insgesamt 64 PCI-Express-3.0-Lanes, die sich über die sieben mechanischen PCIe-3.0-x16-Steckplätze verteilen lassen. Möglich wird dies dank der beiden PEX8747-Gen3-Switches von PLX-Technology, die jeweils 32 Lanes bereitstellen können. Auf diese Weise kann der Anwender im Höchstfall auf ein 4-Way-Multi-GPU-Gespann setzen, bei dem alle vier Grafikkarten mit jeweils 16 Leitungen versorgt werden. Alternativ lassen sich auch andere diverse Kombinationen einrichten, wie wir auf der zweiten Seite im Detail erläutert haben. Ähnlich großflächig wurde der Storage-Bereich gestaltet, denn es werden zehn SATA-6GBit/s-Ports, eine SATA-Express-Schnittstelle mit 10 GBit/s-Anbindung, ein M.2-Steckplatz mit 20 GBit/s-Anbindung sowie eine eSATA-6GBit/s-Buchse und einen SATA-DOM-Port (Disk on Module).

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Auch war das Overclocking ein Thema beim X99 WS-E/10G, auch wenn es sich trotz der zwölf 60A-Spulen eine Spur schwächer als das ASUS X99-E WS gezeigt hat. Doch haben es einzelne Overclocking-Features auf das PCB geschafft, wie ein Power- und Reset-Button, ein BIOS-Switch sowie eine Debug-LED. Dazu bringt das Board acht USB-3.0- und neun USB-2.0-Schnittstellen mit. Einer der USB-2.0-Anschlüsse befindet sich direkt unterhalb des CPU-Sockels und dient als USB-DOM-Anschluss. Von den beiden 10-GBit/s-LAN-Ports einmal abgesehen, gehören auch noch zwei gewöhnliche 1-GBit/s-LAN-Anschlüsse zur festen Ausstattung. Die Besonderheit dabei: Durch den Anwender lassen sich auf Wunsch die beiden kleinen, die beiden großen oder alle vier Netzwerk-Anschlüsse im Teaming zusammenschalten. Dazu gibt es auch noch ASRocks Purity-Sound-2-Feature obendrauf, das aus dem Realtek ALC1150 und zwei Texas Instruments NE5532 besteht. Einer der beiden Amplifier dient als Kopfhörerverstärker (600 Ohm), der andere als Differential-Verstärker. Das ASRock X99 WS-E bietet bis auf den Intel-X540-Netzwerkcontroller und den beiden 10-GBit/s-LAN-Ports exakt die gleiche Ausstattung, sodass wir das kleine Modell mit in unserem Test aufgenommen haben.

Vorbildlich war wieder einmal das gut strukturierte UEFI-BIOS, dessen Bedienung per Maus und/oder Tastatur sehr komfortabel gestaltet wurde. Alle selektierten Einstellungen wurden zu unserer vollsten Zufriedenheit übernommen, wie es sein soll. Dabei befand sich die Stabilität auf einem sehr hohen Niveau. Wesentlich weniger gefällt uns allerdings die hohe Leistungsaufnahme, die gerade bei einem Workstation-Mainboard schon fast normal ist. Die große Ausstattung macht sich eben beim Stromverbrauch bemerkbar. Etwas störend war allerdings der kleine Lüfter auf dem PCH-Kühlkörper. Im Leerlauf konnte man ihn nur leise wahrnehmen, doch wenn das System unter Last gesetzt wurde, drehte sich auch der kleine Lüfter bedeutend schneller, sodass ein störendes Surren deutlich zu hören war.

Was jedoch happig ist, ist natürlich der verlangte Preis für die beiden Mainboards. Das ASRock X99 WS-E ist ab etwa 490 Euro zu haben, das X99 WS-E/10G mit den beiden 10-GBit/s-LAN-Anschlüssen schlägt gleich über 200 Euro mehr zu Buche und kommt auf rund 700 Euro. Für die Ausstattung und die Leistung ist das X99 WS-E preislich etwas zu hoch angesetzt, wenn wir nun das ASUS X99-E WS dagegenhalten, das zum einen die bessere Ausstattung bietet und zudem beim Overclocking überzeugender aufgetreten ist. Beim Aufpreis für das X99 WS-E/10G muss man hingegen die Netzwerkkarte mit einbeziehen: Für eine dedizierte Netzwerkkarte mit zwei 10-GBit/s-LAN-Buchsen, die ihre Instruktionen vom Intel-X540-Netzwerkcontroller erhalten, müssen in Deutschland mindestens 450 Euro auf den Tisch gelegt werden. Verglichen damit wären die zirka 210 Euro Aufpreis gut angelegt, wenn zwingend solche schnellen Netzwerk-Anschlüsse zur Verfügung stehen sollen.

Positive Eigenschaften des ASRock X99 WS-E(/10G):

  • gute Leistungsfähigkeit mit einer starken CPU-Spannungsversorgung und vielen Overclocking-Funktionen
  • ausreichende Ausstattung, u.a. zehn SATA-6G-Ports, acht USB-3.0-Anschlüsse und eine SATA-Express-Schnittstelle
  • PCI-Express-3.0-Unterstützung an sieben PEG-Slots
  • sehr gute Gesamtperformance und sehr gute Stabilität
  • Purity Sound 2
  • 2x 10-GBit/s-LAN (nur beim X99 WS-E/10G)
  • zwei PEX8747-Gen3-Switches (64 PCIe-3.0-Lanes)
  • M.2-Slot

Negative Eigenschaften des ASRock X99 WS-E(/10G):

  • extrem hoher Preis (aber gutes Preis-Leistungsverhältnis für die X99 WS-E/10G-Variante)
  • aufgrund der Ausstattung erhöhter Stromverbrauch
  • M.2 nur mit 20 GBit/s-Anbindung
  • Probleme beim RAM-Overclocking

Vor allem das X99 WS-E/10G ist in jeder Hinsicht ein absolutes Luxusprodukt und bietet neben 64 PCIe-3.0-Lanes auch gleich zwei 10-GBit/s-LAN-Anschlüsse. Insgesamt bieten beide Platinen viele positive Argumente, doch sollte man besonders die letzten beiden negativen Aspekte im Hinterkopf behalten. Für einen Award reichte es allerdings leider nicht aus, wer die negativen Punkte aber nicht stark bewertet, kann bedenkenlos zugreifen.

Alternativen? Wer sich an den Negativpunkten stört, kann ruhig einen Blick auf das ASUS X99-E WS werfen, das bei einem günstigeren Anschaffungspreis auch eine etwas bessere Ausstattung zu bieten hat.

 

Persönliche Meinung

Die Tatsache, dass sich auf einem Desktop-Mainboard zwei 10-GBit/s-LAN-Ports befinden, ist schon beeindruckend. Vor allem, wenn sich der Interessent die teure, dedizierte Erweiterungskarte sparen möchte. Dennoch halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass gerade das X99 WS-E/10G im großen Stil gekauft wird. Wir reden hier immerhin von einem Mainboard, das für 700 Euro über die Ladentheke wandert. Da kommt dann noch eine passende CPU und der kostenintensive DDR4-Arbeitsspeicher hinzu, welche die Kosten ohnehin noch vervielfachen. Wir jedoch viel will, muss auch bereit sein, eine Menge Geld auf den Tisch zu legen. (Marcel Niederste-Berg)