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Test: Gigabyte Z68X-UD7-B3 (Update) - Bios

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Seite 4: Bios

Für den Test verwendeten wir die zum entsprechenden Zeitpunkt aktuelle BIOS-Version F8 vom 20.07.2011. Gigabyte setzt auf dem Gigabyte Z68X-UD7 ein klassisches BIOS im alten "Look" ein, liefert aber mit dem "Touch-Bios" eine interessante Erweiterung mit. Das "Touch-Bios" ist eine Software unter Windows, die vollständigen Zugriff auf die BIOS-Funktionen erlaubt, aber entsprechend den üblichen UEFI-BIOS-Versionen über eine graphisch ansprechende Oberfläche verfügt. Warum Gigabyte nicht gleich ein UEFI-BIOS implementiert hat, lässt sich vielleicht so erklären: Gigabyte will zum einen die "Hardcore-User" nicht abschrecken, die an das klassische BIOS gewöhnt sind, welches sich seit der MS-DOS-Ära nicht mehr grundlegend verändert hat, zum anderen sollen durch die schicke Oberfläche auch User angesprochen werden, die sich bisher nicht ins BIOS "getraut" haben.

Das BIOS des Z68X-UD7 bietet alle gängigen Overclocking-Optionen und ist in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. Die Aufteilung der Optionen ist soweit auch nachvollziehbar und logisch. Einzig das manchmal etwas träge Bedienungsgefühl fällt störend auf, aber das liegt vermutlich an der Fülle von Live-Anzeigen, die Gigabyte im Bereich der Overclocking-Optionen integriert hat.

Alle Onboardkomponenten lassen sich einzeln deaktivieren, die Einstellungen für Speicher und CPU sind recht umfassend. Insgesamt ist zu sagen, dass es etliche Optionen gibt, die man auf anderen Boards sonst nicht sieht. Positiv ist in dem Zusammenhang, dass zumindest die meisten der eher speziellen BIOS-Optionen im Handbuch auch genauer erklärt werden. Speicherbare Profile sind ebenfalls vorhanden, nur ein Tool zum Flashen des BIOS ist nicht integriert. Die gängigen Energiespar-Einstellungen sind vorhanden, aber als speziell auf Energiesparen ausgerichtet könnte man das Z68X-UD7 nicht bezeichnen. Für die meisten Einstellungen ist der Auto-Betrieb voreingestellt, was soweit auch gut zu funktionieren scheint, zumindest im Betrieb bei Default-Einstellungen. Ein Schwachpunkt des Z68X-UD7-B3 ist aber, dass bei aktiviertem "C3/C6 state support" die Schreibleistung unserer SSD bei größeren Blöcken von 550 auf 350 MB/s einbrach.

Das BIOS des Z68X-UD7 macht ansonsten einen recht ausgereiften Eindruck, wobei aber zumindest noch eine weitere Sache der BIOS-Version F8 sehr negativ auffiel. Die i7-2600K-CPU unseres Testsystems läuft bekanntermaßen standardmäßig mit dem CPU-Multiplikator 34, welcher im Prinzip vom Board auch richtig erkannt wird. Das Z68X-UD7 hat nur die Angewohnheit, ihn nach einem Reboot von selbst auf 38 (höchster Turbo-Multiplikator) zu erhöhen. Nach einigem Ausprobieren steht fest, dass dies Verhalten insbesondere erfolgt, wenn der Speicherteiler manuell auf DDR3-1600 oder höher eingestellt ist. Auch XMP-Profile sind betroffen. Ob das nun ein Bug oder ein von Gigabyte gewolltes Feature ist, ist erst einmal fraglich. Eigentlich würde man es als Bug einordnen, aber dieses Verhalten betrifft laut Userberichten auch andere Z68-Mainboards von Gigabyte neben dem UD7. Mittlerweile gibt es auch inoffizielle Äußerungen von Gigabyte im deutschen Forum, dass dies ein von Taiwan gewolltes Feature sei. Das Ergebnis dieses - wir bleiben bei der unserer Meinung nach zutreffenden Bezeichnung - "Bugs" ist, dass in einigen Situationen die CPU vom Board gegen den Willen des User übertaktet wird, wobei auch eine etwas erhöhte Kernspannung mit zum Einsatz kommt. Bei Last auf allen Kernen würde der i7-2600K normalerweise mit 3,5 GHz (erste Turbostufe) laufen, dank Gigabyte wird er dann mit 3,8 GHz betrieben. Aufgrund des höheren "Grundmultiplikators" wird die Kernspannung etwas nach oben angepasst, was aber in dieser Situation ganz normal ist. Es ist aber leider nicht so, dass dadurch nur der Betrieb mit Standard-Takt und schnellen Speichereinstellungen behindert wird. Betroffen sind auch höhere Overclocking-Einstellungen, die dann vom Board einfach so wieder auf CPU-Multi 38x ohne Turbo heruntergesetzt werden.

Wenn man beispielsweise die Turbomultiplikatoren (beim i7-2600K 38x, 37x, 36x, 35x) manuell von Hand (und per Ziffernblock) eingibt und den CPU-Multi auf 34x setzt, dann funktioniert das Board wie vom User gewünscht auch mit Speicherteilern von 1600 MHz und höher, auch nach weiteren Neustarts. Insofern hat Gigabyte recht damit, dass man im Prinzip wohl weiterhin beliebige Settings fahren kann. Leider behält das Board diese Einstellungen nur im Hintergrund bei, im BIOS selber wird nach dem nächsten Neustart bereits wieder CPU-Multiplikator 38x zusammen mit automatischen Turbomultiplikatoren angezeigt. Ändert man nichts, dann bleibt es im Hintergrund bei den korrekten Einstellungen, aber sobald man Änderungen im OC-Bereich vornehmen will, ist man gezwungen, alle Multiplikatoren wieder neu einzustellen, denn bei einem Speichern würde wieder "Gigabytes automatisches Overclocking" zuschlagen. Angenommen, dieses Verhalten wäre nur ein Bug in Gigabytes neuem "Feature", dann wirft das aber auch kein gutes Licht auf Gigabyte, denn schließlich reden wir hier nicht von einer Beta-BIOS-Version, sondern von offziellen Releases.

Gigabyte scheint davon auszugehen, dass jemand, der schnellen Speicher einsetzt, auch gleich übertakten möchte. Diese Annahme ist vermutlich gar nicht verkehrt, aber das bedeutet unserer Meinung nach nicht, dass man es dem User vorschreiben darf. Gerade für Overclocker, die ja schließlich volle Kontrolle über jeden Aspekt ihres Systems haben möchten, ist dies eigentlich überhaupt nicht akzeptabel.

UPDATE 07.09.11: Gigabyte hat inzwischen ein Beta-BIOS F9C herausgebracht, welches laut Changelog Probleme mit OCZ PCIe SSDs beheben soll. Der CPU-Multi-Bug ist in dieser Version aber weiterhin vorhanden.

UPDATE 15.09.11: In der Zwischenzeit hat Gigabyte Deutschland mit uns Kontakt aufgenommen. Die Problematik wurde an Gigabyte Taiwan weitergeleitet und inzwischen auch gelöst. Gestern haben wir das Beta-BIOS F9D von Gigabyte erhalten, welches eine Lösung enthält. Der User hat nun die Wahl, ob Gigabytes "Tuning-Feature" aktiv sein soll oder nicht.

bios_update

Wird das erste Mal manuell ein Speicherteiler von 16 oder größer gewählt, wird der User gefragt, ob er die "CPU-Leistung verbessern" möchte. Antwortet man mit "Yes", verhält sich das BIOS wie die Version F8, d.h., es wird automatisch ein CPU-Multiplikator von 38 gewählt. Wählt man hingegen "No", so erfolgt kein Eingriff in die Steuerung der CPU-Multiplikatoren und das Board verhält sich normal, betreibt die CPU also auch beim Einsatz von schnellerem Speicher im Rahmen ihrer Spezifikation. Laut Gigabyte erhalten alle von diese "Feature betroffenen" Boards entsprechend angepasste BIOS-Versionen.

Es ist schön zu sehen, dass Gigabyte letztendlich doch auf die Wünsche der User eingangen ist und das "CPU Enhancement", welches in unseren Augen überhaupt nicht zu einem High-End-Mainboard passt, auf eine optionalen Status reduziert hat. Da wir annehmen, dass Gigabyte allen Usern zeitnah ein überarbeitetes Bios für das Z68X-UD7-B3 zur Verfügung stellen wird, können wir dem Gigabyte Z68X-UD7-B3 von Seiten des BIOS her nun wieder eine Empfehlung aussprechen.

 

Sämtliche BIOS-Funktionen haben wir in der folgenden Galerie aufgeführt: