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ATI RS480 und RX480 - der Radeon Xpress 200

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ATI stellt heute den Radeon Xpress-Chipsatz in zwei Varianten für den AMD Athlon 64 vor - die unter dem Codenamen RS480 und RX480 entwickelten Chipsätze sollen NVIDIA und VIA im AMD-Marktsegment den Rang ablaufen. ATI hat sich hohe Ziele gesetzt und möchte bereits in kurzer Zeit an den Konkurrenten vorbeiziehen, entsprechend hoch sollten natürlich die Ansprüche an die Chipsätze sein. Die Radeon Xpress 200-Modelle unterscheiden sich dabei nur in der Möglichkeit, auf eine integrierte Grafik zurückzugreifen - der Radeon Xpress 200P besitzt keine integrierte Grafik, der Xpress 200 hingegen einen auf der X300 basierenden Grafikkern.

VIA und NVIDIA haben die PCI-Express-Chipsätze für den Athlon 64 schon vorgestellt - VIA versucht mit dem K8T890 zu Punkten, NVIDIA mit dem nForce 4. Beide Firmen bieten zudem auch noch eine SLI-Version an, um NVIDIAs SLI-Feature zu unterstützen. Derartiges sieht man von ATI natürlich nicht, aber generell wird SLI sicherlich nur in wirklich verschwindend geringen Stückzahlen eine Rolle spielen. Die Masse macht hingegen der normale Desktop-Markt und vor allen Dingen der OEM-Bereich, wo sich ein integrierter Chipsatz besonders gut macht. Hier steht nur der K8M890 von VIA dem ATI Radeon Xtreme 200 entgegen, wie schnell die integrierte Grafik der Chips ist, muß sich in den nächsten Wochen in Reviews zeigen.

Betrachten wir zunächst den ATI Radeon Xpress 200P:

Der Chipsatz bietet zunächst ein 1 Ghz Hypertransport-Interface zur CPU - es können sowohl Sockel 754 wie auch Sockel 939-CPUs angesteuert werden. Selbstverständlich ist der Chipsatz auch "abwärtskompatibel" und kommt mit den älteren 800 Mhz Modellen zurecht. An die Northbridge ist ein x16-Interface für Grafikkarten angebunden, weiterhin befinden sich vier einzelne x1-Lanes in der Northbridge, um weitere PCI-Express-Geräte anzuschließen. Die Southbridge ist über PCI-Express angebunden.

Die Version mit integrierter Grafik ist die ATI Radeon Xpress 200:

Alles wie oben - nur ist in der Northbridge nun ein X300-Kern enthalten. Den X300 haben wir in einer kurzen Newsmitteilung bereits vorgestellt, hatten den der Radeon 9600 ähnlichen PCI-Express-GPU allerdings noch nicht im Test. Der RV370 besitzt vier Pixelpipelines, Vertex-Shader 2.0 und Pixel-Shader 2.0. Allerdings wird er so nicht als integrierte Grafik eingesetzt. Hier besitzt er nur zwei Pixelpipelines, die Vertexshader sind zudem "CPU assisted", werden also wie bei Intels GMC900 teilweise über die CPU berechnet. Dem Mainboardhersteller ist dabei freigestellt, mit welcher Taktfrequenz er den GPU laufen lässt - zwischen 300 und 350 Mhz wird der Kern getaktet sein.

Im Vergleich zur VIA-Grafik sollte der Chip schon aufgrund der Catalyst-Treiber einige Vorteile bieten, denn die Treiber sind ausgereifter als die VIA/S3-Grafiktreiber. Wie es mit der Leistung aussieht, muß man abwarten. Aber Shared-Memory-Grafiksysteme sind selten für gute Performance bekannt, eher als Bürografik gedacht und sollten vor allen Dingen also qualitativ gute Bilder liefern und das System recht wenig belasten. Wenn dann ab und zu auch noch ein Spielchen möglich ist - um so besser.

Problematisch ist bei integrierten Chipsätzen im AMD-Bereich die "Umleitung" der Speicherzugriffe für den Grafikkern über die CPU. Bei einem Pentium 4 oder Athlon XP-Chipsatz war der Speicher direkt angebunden, seit AMD den Memory-Controller jedoch in die CPU integriert hat, ist es schwieriger geworden, einen integrierten Chipsatz herzustellen, da die Speicherzugriffe koordiniert werden müssen. ATI verwendet für diese Zugriffe eine "Hypermemory" genannte Technik, die im Endeffekt mit AGP Texturing vergleichbar ist und sich Teilbereiche aus dem Speicher dediziert reserviert. Das Problem bleibt natürlich weiterhin die Übertragungsbandbreite - denn beim Athlon 64 wird durch einen integrierten Chipsatz nicht nur die Speicherbandbreite um den Anteil des Datentransfers von der Grafikkarte zum Speicher minimiert, sondern auch die Bandbreite von der CPU zum Chipsatz.

Praktisch ist hingegen wieder die Integration eines TMDS für die Verwendung von DVI-Anschlüssen in der integrierten Grafik. Zudem sind zwei RAMDACs enthalten, es können also zwei Displays gleichzeitig angesteuert werden. Setzt man eine x16-Grafikkarte ein, können mit den vorhandenen Ausgängen sogar vier Displays angesteuert werden - dies bietet ausser der ATI-Lösung kein anderer Chipsatz, hier muß man schon auf teure Grafiklösungen zurückgreifen, sich mit PCI-Karten etwas "zusammenbasteln" oder auf ein teures SLI-Setup aufbauen. Auch gefällt uns die Möglichkeit, einen ATI Theater 550 Pro-Chip auf das Mainboard zu befördern, um entsprechend High-Definition Video-Features wie z.B. mpeg2-Encoding zu ermöglichen. Somit werden mit den ATI-Chipsätzen auch günstige Media-Center-PCs möglich.

Die Southbridge :

Die aktuelle SB400-Southbridge (IXP400) unterstützt USB 2.0, Serial ATA Raid 0 und 1 mit insgesamt vier Geräten, zwei getrennte ATA/133-Kanäle für vier Geräte sowie 6 PCI-Slots und den üblichen Schnickschnack. Angebunden ist die Southbridge über einen x2-PCI-Express-Link, kann also bidirektional je 533 MB/s übertragen - das sollte für alle Anwendungen vollkommen ausreichen. Etwas zurück hängt ATI hier bei der Integration eines leistungsfähigen Sounds - so wird aktuell nur AC97 geboten, da man keine Dolby Digital Lizenz besitzt. VIA ist hier mit der neue K8T890-Southbridge als einziges Unternehmen bereits mit HD-Audio und dem eigenen Vinyl-Audio besser ausgestattet, aber auch NVIDIA bietet nur einen AC97-Codec.

Durch das PCI-Express-Interface ist es jedoch möglich, auch andere Southbridges zu verwenden. Beispielsweise die ALi M1573, die schon in Zusammenarbeit mit dem ATI-Chipsatz auf der Computex Taiwan gezeigt wurde. Hier ist dann Featurereichtum ohne Ende gegeben - unter anderem auch ein 10/100mbit Ethernet und HD-Audio-Unterstützung, denn ALi besitzt eine entsprechende Lizenz. ATI kann also hauptsächlich die Weiterentwicklung der Northbridge betreiben und ab und zu mal ein Southbridge-Update präsentieren, während ALi sich in das Segment Southbridgenetwicklung zurückzieht - strategisch eigentlich eine sehr gute Option. Wir sind gespannt, wie die Hersteller der Mainboards diese Option nutzen werden.

Mainboards mit den ATI-Chipsätzen wird man in Kürze von vielen Herstellern sehen. Im Bild unten sehen wir das ATI Referenzmainboard für den Sockel 939:

Praktisch stellt sich nun die Frage, wer bei den Athlon 64-Chipsätzen die Nase vorne haben wird. Bei den Versionen mit integrierten Chipsätzen werden sich VIA und ATI sicherlich in gleicher Form auf die Füsse treten, denn im OEM-Markt spielt neben der Qualität und dem Preis auch anderes eine Rolle. Treiber sind hier beispielsweise zu nennen, wobei VIA sicherlich bei den Chipsätzen einige Vorteile hat, ATI aber deutliche Vorteile bei der Unterstützung der GPU.

Für den Performance-Sektor werden sich ATI, NVIDIA und VIA gleichermaßen auf die Füsse treten. NVIDIA und VIA haben den SLI-Bonus, allerdings ist dieser nicht unbedingt als wichtig zu betrachten. Wichtiger sind die Performance des Chipsatzes und die Stabilität sowie die gebotenen Features. Die Performance wird bei allen Chipsätzen gleich sein - alle bieten ein 1 Ghz HT-Interface und da der MemoryController ausserhalb des Einflußbereiches liegt, werden alle Chipsätze innerhalb weniger Prozent Schwankungsbreite liegen. Auch nehmen wir einmal an, dass jeder Hersteller seine Hausaufgaben gemacht hat und die Chipsätze allesamt stabil sind - also kommt es nur auf die Features an, die der Hersteller bieten kann.

Ausführlicheres kommt von uns in Kürze, sobald wir ein Mainboard mit dem RS480 in den Händen halten können. Leider konnten wir im Gegensatz zum nForce 4 zum Launch-Termin nicht mit einem ausführlichen Test auftrumpfen. Während NVIDIA uns ein Mainboard zur Verüfgung stellen konnte, ist von ATI kein Board eingetroffen, weshalb wir uns bislang nur der Theorie widmen konnten. Wir hoffen aber, bereits in der nächsten Woche ein Mainboard zu erhalten - und werden uns dann sofort der Praxis widmen.

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