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Test: ECS P67H2-A Black Extreme

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Seite 5: Overclocking

Für Overclocker ist es natürlich zunächst einmal interessant, welche BIOS-Optionen das Board bietet. Weiterhin darf das Board auch gerne mit einer besonderen Spannungsversorgung ausgestattet sein, die eine höhere Leistungsfähigkeit aufweist als von Intel vorgesehen, denn durch die Übertaktung der CPU steigt in der Regel deren Leistungsaufnahme stark an. Weiterhin ist es wichtig, dass auch die Signallaufzeiten auf dem Board (z.B. CPU-Speichercontroller - DRAM) einwandfrei geroutet sind, damit das Board auch bei Übertaktung noch stabile Signale überträgt.

Mit dem P55H-AK hatten wir bereits ein Mainboard aus der Black-Serie von ECS Elitegroup im Test gehabt. Das P55-Board konnte zwar in Bezug auf Ausstattung und Layout überzeugen, zeigte aber gleichzeitig auch größere Defizite in den Bereichen BIOS und Overclocking. Wir waren daher sehr gespannt, wie das P67H2-A als inoffizieller Nachfolger in diesen Disziplinen abschneiden würde. Um das Ergebnis vorwegzunehmen, ECS hat sich zwar bemüht, aber kann dennoch noch nicht mit den etablierten Marken mithalten.

Da bei Sandy Bridge das Übertakten über die Base Clock in der Praxis fast keine Bedeutung mehr hat, ist die komplizierte Bedienung des P67H2-A in diesem Bereich nicht zu negativ zu bewerten. Solange das "Intel ME Subsystem" aktiviert ist, findet sich im "MB Intelligent BIOS X"-Bereich der Punkt "Integrated Clock Chip Configuration", über den man diverse Untermenus erreicht, in den z.B. die BCLK verändert werden kann. Auf den ersten Blick möchte man meinen, dass dieser BIOS-Bereich noch eine Baustelle ist und in einer späteren BIOS-Version auch eine benutzerfreundlichere "Oberfläche" kommen wird. Aber immerhin lassen sich hier einige wenige Einstellungen vornehmen.

Sehr positiv beim P67H2-A ist das einfache Übertakten über entsprechend konfigurierte Turbomodus-Einstellungen. Sämtliche Spannungen lassen sich nur über Offset-Werte verändern und somit funktionieren auch alle Stromsparmodi im "übertakteten" Zustand.

Stark irritierend ist die Tatsache, wie das P67H2-A mit der Anzeige der Spannungen im BIOS umgeht. Angenommen, die CPU wird normal mit 1,200 Volt betrieben und es wird dann als Offset +200mV eingestellt. Nach einem Neustart zeigt die Spannungsanzeige im BIOS folglich 1,400 Volt an und die Offset-Einstellung steht auch weiterhin bei +200mV. Ändert man dann aber den Offset-Wert, springt die Vorschau-Anzeige um und geht plötzlich von den 1,400 Volt als normaler Prozessorspannung aus. Die Folge ist, dass wenn man dann von +200 mV auf +150 mV zurückstellt, die Vorschauanzeige nicht auf 1,35 Volt mitzieht, sondern 1,55 Volt anzeigt, da sie von einem falschen Bezugswert ausgeht. Die gute Nachricht ist aber, dass dies nur ein Anzeigefehler ist und die tatsächliche Spannung stimmt, im obigen Beispiel also 1,35 Volt als Ergebnis von 1,20 Volt plus 0,15V Offset.

Diese Anzeigefehler - zusammen mit einigen anderen kleineren Ungereimtheiten - fallen durchaus negativ auf. So fehlen auch jegliche Einstellmöglichkeiten bezüglich der CPU Loadline Calibration, sodass neben dem Offset-Wert für die CPU-Spannung quasi keine Möglichkeit zur Einflussnahme auf die CPU-Spannung besteht.

Ein letzter Kritikpunkt am P67H2-A ist die Tatsache, dass für die Konfiguration des Arbeitsspeichers gerade einmal sechs Parameter zur Verfügung stehen: Speicherteiler, Command Rate und die vier Haupt-Timings. Die wichtigsten Einstellungen sind zwar somit vorhanden, aber normalerweise bietet ein Overclocker-Board da mehr Möglichkeiten zum Feintuning.

Zu erwähnen ist leider auch, dass das Handbuch des P67H2-A eines der dürftigeren Sorte ist. So fehlt eine Legende zur Postcode-Anzeige und der Bereich der "Integrated Clock Chip Configuration" findet keine Erwähnung.


Die Overclocking-Funktionen in der Übersicht
Base Clock Rate 99,5 bis 200 MHz, stufenlos
CPU-Spannung -200 mV bis +630 mV in 0,01V-Schritten (negative Seite: 0,05V-Schritte)
DRAM-Spannung -200 mV bis +630 mV in 0,01V-Schritten (negative Seite: 0,05V-Schritte)
IMC-Spannung (VCCIO/VTT) 0 bis +375 mV in 0,015V-Schritten
CPU PLL-Spannung
default, 1,93V, 2,02V, 2,13V
PCH-Spannung
default, 1,13V, 1,18V, 1,23V
PCIe-Takt - nicht möglich -
Weitere Spannungen
PLL-Spannung (vier Werte)
Speicher-Optionen
Taktraten CPU-abhängig, DDR3-1066 bis DDR3-2133
Command Rate
einstellbar (auto, 1T, 2T)
Timings einstellbar (insgesamt 4 Parameter: CAS Latency, Row Precharge Time, RAS-to-CAS Delay, RAS Active Tine)
XMP wird unterstützt
Weitere Funktionen
Turbo-Mode
manuelle Konfiguration (max. Ratio jeweils für 1-4 Cores)
Maximum Power einstellbar (5 Parameter insgesamt, zwei Power Limits frei einstellbar)
Weitere Besonderheiten

funktionierende Stromsparmodi, Postcode-Anzeige, CMOS-Clear-Taster am I/O-Panel

Hier noch eine Galerie der für den Overclocking-Betrieb interessanten BIOS-Optionen

In unseren Overclocking-Versuchen zeigte das ECS eine durchwachsene Performance. Es gelang uns trotz entsprechender Spannungserhöhung nicht, die CPU im Turbobetrieb auf 5 GHz zu bringen. Mit einer Multiplikatorstufe weniger waren die 4,9 GHz hingegen relativ problemlos möglich. Der zweite Weg, nämlich die Turbo-Funktion zu deaktivieren und einen festen CPU-Multiplikator einzustellen, funktionierte bei unserem P67H2-A leider auch nicht, denn es ignoriert die im BIOS eingestellten Multiplikatoren einfach und läuft stattdessen mit Standardmultiplikator x34.

Eine Erklärung für das schlechte Overclocking-Verhalten des P67H2-A liegt vermutlich daran, dass in dem uns zur Verfügung stehenden BIOS die "CPU PLL Overvoltage"-Option fehlt, welche für den Betrieb bei hohen Multiplikatoren sehr wichtig ist und die andere Hersteller bei ihren Boards inzwischen weitestgehend implementiert haben. Dass das Board eingestellte CPU-Multiplikatoren ignoriert, ist vermutlich ein Bug unserer BIOS-Version. Beim Übertakten über die Base Clock zeigten sich schon bei ca. 105 MHz Instabilitäten.

Mit der momentan zur Verfügung stehenden BIOS-Version ist die Overclocking-Fähigkeit des P67H2-A bestenfalls als "ausreichend" einzustufen. Ein Übertakten über die Turbostufen war bei unserem Testsystem bis ca. 4,9 GHz problemlos möglich. Spannung und Takt wurden im Idle reduziert, sodass dann auch der Stromverbrauch erfreulich gering war. Für die meisten User wird das für 24/7-Einstellungen auch völlig ausreichen. Für alle diejenigen, die mehr erreichen möchten, ist das P67H2-A nach derzeitigem Stand eher weniger geeignet. Mit einer besseren BIOS-Version kann das schon ganz anders aussehen, aber bis ECS diese liefern kann, bleibt leider nur dieses Fazit übrig.