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NVIDIA GeForce GTX 980 und 970 mit Maxwell-Architektur im XXL-Test

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Seite 30: Fazit

Die beiden neuen Grafikkarten aus dem Frühjahr mit Maxwell-Architektur der 1. Generation gaben bereits einen Ausblick auf das, was uns mit der 2. Generation erwarten sollte. NVIDIA konnte das Performance/Watt-Verhältnis in etwa verdoppeln und selbst die positivsten Hochrechnungen konnten wohl kaum ein Ergebnis vermuten lassen, das wir heute mit der GeForce GTX 980 sehen. NVIDIA hat die Leistungsaufnahme auf dem Papier dramatisch reduzieren können und bewegt sich mit 165 bzw. 145 Watt auf Mittelklasse-Niveau, greift bei der Performance aber die bisherigen Platzhirsche Radeon R9 290X und GeForce GTX 780 Ti an. Diese werden in den Benchmarks auch in weiten Teilen geschlagen, auch wenn der Sieg für die GeForce GTX 980 nicht immer so eindeutig ausfällt. Dennoch können wir getrost sagen, dass die GeForce GTX 980 die aktuell schnellste Single-GPU-Grafikkarten am Markt ist.

Zu verdanken hat sie dies zum einen den zahlreichen Verbesserungen an der Maxwell-Architektur, die im Vergleich zur Kepler-Architektur besonders auf die Energieeffizienz abzielen. Das für den vermutlich mittlere Maxwell-Chip kleinere Speicherinterface gleicht man mit einem intelligenten Komprimierungsverfahren aus. In der Praxis lassen sich aber sicherlich auch Anwendungsfälle finden, in denen die 256 Bit spürbar zu schmal sind. Den aktuellen Gegebenheiten beim Speicherbedarf passt man sich durch die verbauten 4 GB Grafikspeicher an - dies war einer der Hauptkritikpunkte an den High-End-Karten der GTX-700-Serie. Neben der Energieeffizienz eröffnet die Maxwell-Architektur auch neue Technologie wie Dynamic Super Resolution, was ab sofort für eine bessere Bildqualität sorgen wird. Auf einen späteren Zeitpunkt verschieben müssen wir die Beurteilung von Multiframe Sampled Anti Aliasing, ein weiterer AA-Algorithmus, der bei gleicher Bildqualität deutlich sparsamer mit den Leistungsanforderungen umgehen soll. In diesem Jahr wohl noch keine Rolle spielen werden Technologien wie Voxel Global Illumination, DirectX 12neue GameWorks-APIs für die realistische Simulation von Vegetation und Flüssigkeiten sowie die bessere Unterstützung der Oculus Rift.

Modellübergreifend kann Maxwell noch mit einigen weiteren interessanten Features aufwarten. Dazu gehört die Unterstützung von HDMI 2.0, einen Anschlusstyp den wir an zahlreichen Displays in Kürze häufiger finden werden. NVIDIA bietet ebenfalls die Möglichkeit mehr Displays bei höherer Auflösung anzuschließen. Allerdings gilt wie auch schon bei der Kepler-Architektur, dass GM204 in Sachen Double-Precision-Performance nicht mit GK110 mithalten kann. Dies dürfte aber wohl nur einen sehr kleinen Nutzerkreis treffen.

NVIDIA GeForce GTX 980 mit Maxwell-GPU
NVIDIA GeForce GTX 980 mit Maxwell-GPU

Zur Gesamtbeurteilung der GeForce GTX 980 gehört auch, dass neben der Performance die versprochene Verbesserung der Energieeffizienz auch für den Nutzer spürbar ist - und das ist sie. So messen wir für die GeForce GTX 980 eine um 40 Watt niedrigere Leistungsaufnahme im Vergleich zur GeForce GTX 780 Ti. Gegenüber der Radeon R9 290X sind es sogar 64 Watt. Eine geringere Leistungsaufnahme bei gleichzeitig gesteigerter Leistung sind Zielvorgaben, die wir mit jeder neuen Generation stellen, welche aber in den seltensten Fällen auch eingehalten werden können. Dieses mal hat NVIDIA es geschafft und das mit einem schon als veraltet geltenden Fertigungsverfahren.

Doch wo viel Licht ist, da muss auch zumindest ein wenig Schatten sein. Diesen sehen wir bei der GeForce GTX 980 eindeutig in der Referenzkühlung. Nach nur einer kurzen Aufwärmphase befindet sich die GPU-Temperatur bereits im kritischen Bereich für ein Eingriffen des Boost-Mechanismus und aus den versprochenen 1.216 MHz werden ganz schnell nur noch 1.151 MHz - trotz guter Belüftung des Gehäuses. Von ihren Fesseln befreit wird die GeForce GTX 980 erst, wenn man ihr Temperatur-Ziel heraufsetzt oder aber den Lüfter schneller arbeiten lässt. Dieser ist aber schon im Werkszustand unter Last nicht gerade leise und auch das Spulenfiepen unseres Samples ist nicht zu überhören. Vermutlich werden erst die Custom-Design-Modelle der Partner mit ihren eigenen Kühlungen dafür sorgen können, dass die GeForce GTX 980 "frei laufen" kann.

Zu guter Letzt bleibt da noch der Preis. 539 Euro ruft NVIDIA als unverbindliche Preisempfehlung auf. Bei den Händlern werden wir höchst unterschiedliche Preise sehen, je nachdem ob es sich um Referenzversionen handelt, die vom Hersteller einfach nur weitergegeben werden oder aber um Custom-Designs mit eigener Kühlung und werksseitiger Übertaktung. In den kommenden Tagen wird man zum Preis mehr sagen können.

Positive Aspekte der NVIDIA GeForce GTX 980:

  • sehr gute Performance in hohen Auflösungen
  • Anti-Aliasing und Anisotropische Filterung immer möglich
  • UltraHD/4K möglich
  • gutes Performance/Watt-Verhältnis
  • 4.096 MB GDDR5 Grafikspeicher
  • einfaches Downsampling via DSR
  • DirectX-12-Kompatibilität (zumindest teilweise in aktueller Auslegung)
  • HDMI 2.0

Negative Aspekte der NVIDIA GeForce GTX 980:

  • Referenzkühler kann Karte nicht auf Boost-Takt halten
  • mit 539 Euro nicht ganz günstig
GeForce GTX 980 Award
Stellvertretend für die Karten mit Maxwell-Architektur der 2. Generation verleihen wir der GeForce GTX 980 den Hardwareluxx-"Excellent Hardware"-Award.

Etwas getrennt von der Einschätzung der GeForce GTX 980 sehen wir das Fazit zur GeForce GTX 970 bzw. dem Modell von EVGA. Gerade in den höheren Auflösungen machen sich die fehlenden Shadereinheiten und sonstigen Komponenten des beschnittenen Maxwell-Chips deutlich bemerkbar. Dies gilt allerdings nur im Vergleich zur GeForce GTX 980, denn selbst auf Referenzniveau macht die GeForce GTX 970 in den Benchmarks der GeForce GTX 780 und Radeon R9 290 das Leben schwer. Wählt man als Hersteller wie EVGA auch noch eine entsprechend hohe Übertaktung, kann sich die GeForce GTX 970 Superclocked sogar vor diese Modelle setzen und greift die bisher schnellsten Karten im Testfeld an.

EVGA GeForce GTX 970 Superclocked
EVGA GeForce GTX 970 Superclocked

Möglich gemacht wird ihr dies aber maßgeblich durch den guten ACX-2.0-Kühler von EVGA. Dieser hält die GPU-Temperatur immer in einem Bereich, in dem die Karte ihren vollen Boost-Takt anlegen kann. Im Vergleich zur Referenzversion der GeForce GTX 980 gut fallen auch die Messungen für die Lautstärke aus. Hier sollte man aber nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und erst wenn wir mehrere Custom-Modelle der GeForce GTX 980 und GTX 970 in Händen halten konnten, kann dieser Punkt abschließend beurteilt werden. Für die GeForce GTX 970 etwas weniger gut fällt auch die Bilanz bei der Leistungsaufnahme aus. Hier scheint das Sparpotenzial weniger ausgeprägt zu sein als beim größeren Modell.

Mit einem Preis von etwa 319 Euro bewegt sich die GeForce GTX 970 in einem extrem beliebten Preisbereich, zumal wenn die gebotene Leistung mit einbezogen wird. Wir kennen aktuell noch nicht die Endkundenpreise, da diese sich in den kommenden Tagen noch einpendeln müssen. Dies gilt vor allem für die zahlreichen Custom-Design der Hersteller. 

Limitierte Speichergeschwindigkeit bei der GeForce GTX 970:

Inzwichen hat NVIDIA eingeräumt, dass bei der Nennung der Spezifikationen der GeForce GTX 970 einige Fehler unterlaufen sind, die unter anderem dafür sorgen, dass nur 3,5 der 4 GB Grafikspeicher schnell angesprochen werden können und auch die Größe des L2-Caches sowie die Anzahl der ROPs unterscheidet sich von den ursprünglichen Angaben. Daher möchten wir an dieser Stelle auf einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema verweisen: Limitierte Speichergeschwindigkeit bei der GeForce GTX 970

Positive Aspekte der EVGA GeForce GTX 970 Superclocked:

  • Spielen in 1.080p, 1.440p und 1.600p durchgängig möglich
  • Anti Aliasing und Anisotropische Filterung teilweise möglich
  • Kühler hält GPU immer im Boost-Takt
  • 4.096 MB GDDR Grafikspeicher
  • DirectX-12-Kompatibilität (zumindest teilweise in aktueller Auslegung)
  • HDMI 2.0
  • gutes Preis/Leistungsverhältnis

Negative Aspekte der EVGA GeForce GTX 970 Superclocked:

  • durch Beschneidung des Maxwell-Chips unbekannte Auswirkungen auf Zukunftstechnologien

Noch einmal zur Preis- und Produktgestaltung: Die GeForce GTX 980 wird ab 539 Euro starten. Bei der GeForce GTX 970 geht es ab 319 Euro los. Zeitgleich senkt NVIDIA den Preis der GeForce GTX 760 auf 219 Euro (UVP, sie ist bereits billiger zu haben). Mit dem Launch der GeForce GTX 980 und GTX 970 stellt NVIDIA die GeForce GTX 780 Ti, GTX 780  und GTX 770 ein. Sie werden nur noch so lange verkauft, wie Händler die Modelle auf Lager haben.

 

Persönliche Meinung

Als im Frühjahr die Maxwell-Architektur der 1. Generation vorgestellt und die ersten Ergebnisse bekannt wurden, blickte ich mehr als zuversichtlich auf die kommende GPU-Generation aus dem Hause NVIDIA. Damals war noch nicht ganz klar, ob TSMC einen ausreichend guten Prozess in 20 nm wird bereitstellen könne, doch auch in 28 nm waren die Ergebnisse beeindruckend. Gleichzeitig kamen die Gerüchte auf, AMD arbeite ebenfalls an einer überarbeiteten Architektur, die ebenfalls auf ein besonders gutes Performance/Watt-Verhältnis abzielt. Letztendlich aber konnte Tonga nicht ganz die Erwartungen erfüllen und somit bleibt wohl nur der Blick auf den Hawaii-Nachfolger.

Die GeForce GTX 980 ist in meinen Augen das eigentliche Highlight der Maxwell-Generation. Geringere Leistungsaufnahme bei gesteigerter Leistung - mehr kann man wohl kaum verlangen. Noch viel spannender aber ist, was NVIDIA mit diesem Plus an Leistung anfangen will. VXGI, DSR, MFAA und eine realistischere Physik geben einen Ausblick auf das, was die Maxwell-Architektur im kommenden Jahr ermöglichen wird. Jetzt fehlt es nur noch an der Umsetzung. Im Zusammenspiel mit einem G-Sync-Monitor wie dem ASUS ROG Swift PG278Q ist die GeForce GTX 980 aktuell meine Wahl - ich werde mir aber sicher noch einige Custom-Modelle anschauen. (Andreas Schilling)