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Honor 5X im Test

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Seite 2: Kamera, Akku, Gehäuse, Fazit

Die Kamera kann eigentlich mehr

Gleicher SoC mit mehr Leistung, gleiches Display mit besseren Werten: In beiden Punkten zeigt sich, dass günstiger nicht gleich schlechter bedeuten muss. Vermutlich haben Honor und Huawei das erkannt und deshalb an werbewirksamer Stelle den Rotstift angesetzt. Denn während man die Sensoren der Front- und Hauptkamera 1:1 vom GX8 übernommen hat, blieb der optische Bildstabilisator auf der Strecke. Damit wird zumindest auf dem Papier der Abstand gehalten, gegenüber anderen Smartphones der 200-Euro-Klasse verliert man aber ein gewichtiges Argument.

Bei gutem Licht stimmen Details, Farben und Schärfe
Bei gutem Licht stimmen Details, Farben und Schärfe.

Vor allem, da es dem Honor 5X gut zu Gesicht stehen würde, wie die Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen zeigen. Denn der 13-Megapixel-Sensor hat schnell und unübersehbar mit Bildrauschen zu kämpfen, der Einsatz des HDR-Modus - der Huawei/Honor-typisch über keine Automatik verfügt - verschlimmert die Ergebnisse noch. Zusätzlich enttäuscht er mit einer schlechten Balance, was in zu viel Helligkeit resultiert. Aber auch der Detailgrad der Aufnahmen ist alles andere als überzeugend. Von Blende f2.0 ist wenig zu erkennen. Besser sieht es am helllichten Tag aus. Zwar täte den Bildern auch dann stellenweise etwas mehr Schärfe gut, insgesamt sortiert sich das Honor 5X unter guten Bedingungen im Mittelfeld ein.

Bildrauschen und fehlende Details sind bei schlechtem Licht unübersehbar
Bildrauschen und fehlende Details sind bei schlechtem Licht unübersehbar.

Ähnlich fallen Selfies aus. Der Frontsensor mit seinen 5 Megapixeln neigt zwar auch schnell zu unschönen Fehlern, für den ein oder anderen Schnappschuss reicht das Gebotene aber. Wer das Smartphone für Videoaufzeichnungen nutzen will, sollte über eine sehr ruhige Hand verfügen. Die Full-HD-Aufnahmen verwackeln schnell, Artefakte treten schon bei vergleichsweise langsamen Bewegungen auf. Wie gehabt erscheint die Kamera-Applikation. Der Aufbau ist übersichtlich, Filter und Effekte sorgen für Abwechslung. Im Vergleich zu den Schwestermodellen fällt jedoch der geringere Funktionsumfang aus, unter anderem fehlen die Modi Lichtmalerei und Nacht.

Auch der HDR-Modus sorgt für keine Qualitätssteigerung
Auch der HDR-Modus sorgt für keine Qualitätssteigerung.

Am Ende kann es aber nicht nur der Bildstabilsator sein, der für die deutlich geringe Foto- und Video-Qualität als beim GX8 sorgt.

Mehr Laufzeit als versprochen

Die vierte große Parallele zeigt sich beim Akku. Denn auch hier übernimmt Honor die Hardware des GX8, macht aber - anders als bei der Kamera - mehr daraus. Denn nicht nur in den Benchmarks schneidet der fest verbaute 3.000 mAh fassende Energiespeicher gut ab, auch im Alltag sieht es etwas besser aus. In der Video-Schleife reichte es im Test für 10:08 h, im PCMark mit einer deutlich höheren Last 7:47 h. Beides sind keine Spitzenwerte, für das obere Mittelfeld reicht es aber.

Ähnlich lautet das Fazit im Praxis-Einsatz. Mit mehreren kurzen Telefonaten, dem Surfen per WLAN und LTE sowie einigen Hintergrundaktivitäten konnten mit einer Ladung des Akkus nicht ganz zweieinhalb Tage überbrückt werden. Damit wird die vom Hersteller genannte Laufzeit klar übertroffen, Honor verspricht knapp eineinhalb Tage bei durchschnittlichem Einsatz.

Nicht überprüft werden konnte hingegen, ob die Aussage zur Ladezeit stimmt. Während der Präsentation des Honor 5X versprach man die Unterstützung von Fast Charge mit bis zu 18 W. Allerdings lag dem Testgerät weder ein entsprechendes Ladegerät bei, noch wurde mit einer Drittanbieterlösung eine auffällig kurze Ladedauer erreicht. Zwar bietet der in 28 nm gefertigte Snapdragon 616 eine Schnellladefunktion, aber auch das GX8 muss ohne auskommen.

Aluminium ist kein Allheilmittel

Ein klares Ausrufezeichen setzt man beim Gehäuse. Denn in der Kunststoff durchfluteten unteren Mittelklasse hebt sich die Aluminiumhülle wohltuend hervor. Optisch herrscht hingegen eher Tristesse. Die Front ist nüchtern gehalten, auf der Rückseite sticht lediglich die leicht hervorstehende Kamera ins Auge. Seitlich betrachtet fällt die nicht durchgängig ausgeführte Fase auf, die am Kunstoffbesatz am oberen und unteren Ende der Rückseite endet. Durch den sich zum linken und rechten Rand hin verjüngenden Rücken erhält das Smartphone eine etwas bauchige Form, an der dicksten Stelle misst das Gerät 8,1 mm.

Mit Aluminium setzt sich das Honor 5X von vielen Mitbewerbern ab
Mit Aluminium setzt sich das Honor 5X von vielen Mitbewerbern ab.

Aber nicht nur optisch kann das Honor 5X nicht ganz überzeugen, auch die Verarbeitung könnte zumindest an der ein oder anderen Stelle besser ausfallen. Das gilt vor allem für die Übergänge zwischen den Kunststoffkappen und der restlichen Rückseite, die nicht nur fühl-, sondern auch sichtbar sind, sowie für die am rechten Rand platzierten Tasten für Lautstärke und Standby. Diese wecken bei der Benutzung zwar Erinnerungen an eine Autotür, die satt ins Schloss fällt, weisen aber zu viel Spiel auf. Gemischte Gefühle kommen aber auch beim eingesetzten Aluminium auf. Optisch wirkt es hochwertig, die Haptik enttäuscht jedoch. Das mag daran liegen, dass Honor eventuell auf eine sehr dünne Außenhaut setzt, was auch das Gewicht von 158 g erklären würde.

Die Verarbeitung könnte besser sein, Übergänge fallen teilweise zu großzügig aus
Die Verarbeitung könnte besser sein, Übergänge fallen teilweise zu großzügig aus.

Hinsichtlich der Ergonomie gibt es die in diese Größenklasse übliche Kritik. Um das Honor 5X sicher zu halten, bedarf es schon einer großen Hand, die Bedienung mit nur einer ist bei 5,5 Zoll und 151,3 x 76,3 mm natürlich nicht möglich. Von Vorteil sind die leicht gerundete Rückseite mitsamt seitlicher Fase, ein Nachteil ist die schwache Ausnutzung der Front; das Display nimmt nur rund 72 % der Fläche ein.

Angestaubte Software

Musste das Honor 7 noch mit Android 5.0 und EMUI 3.0 auskommen, wird das Honor 5X mit Android 5.1.1 und EMUI 3.1 ausgeliefert. In puncto Software ist das Smartphones damit - keine große Überraschung - auf dem gleichen Stand wie das GX8. Ein Lob verdient das vier Monate nach dem Start von Android 6.0 nicht, zumal Huawei bereits auf die neue Version mitsamt aktuellem EMUI setzt. Im Vergleich zu Stock-Android und den meisten anderen Oberflächen fallen vor allem der fehlende dedizierte App Drawer sowie die ein oder andere Parallele zu iOS auf.

Bekannte Oberfläche, Zusatzfunktionen für den Fingerabdrucksensor und die Dual-SIM-Verwaltung
Bekannte Oberfläche, Zusatzfunktionen für den Fingerabdrucksensor und die Dual-SIM-Verwaltung

Auf die Installation von Werbe-Apps verzichtet Honor löblicherweise, einzig einige Spiele sind bereits ab Werk vorhanden; die Deinstallation ist aber kein Problem.

Ob und wann es ein Update auf eine neuere Android-Version geben wird, ist noch nicht bekannt.

Fazit

Wer das Honor 5X zum ersten Mal sieht, schätzt den Verkaufspreis deutlich höher als die verlangten 230 Euro ein. Denn das große Display sowie das Aluminiumgehäuse verleihen dem Smartphone ein hochwertig wirkendes Äußeres. Doch wer sich etwas intensiver mit dem Gerät beschäftigt, bemerkt schnell, warum Honor es so günstig anbieten kann. Die Kamera liefert nur bei guten Lichtverhältnissen brauchbare Aufnahmen, die Verarbeitung könnte hier und da besser ausfallen und vom versprochenen Fast Charge sowie dem guten Lautsprecher fehlen jede Spur. Und auch die versprochene Leistung für „nahtloses 3D Gaming“ sucht man vergebens.

Dichter an der Realität bewegt sich Honor mit seinen Aussagen zum schnellen und präzisen Fingerabdrucksensor, den guten Akkulaufzeiten und der Fähigkeit, zwei SIM-Karten und die Speicherweiterung gleichzeitig nutzen zu können. Das Display ist zwar nicht so überragend, wie es auf der Produktseite beschrieben wird, aber dennoch gut. Ignoriert man die Werbeaussagen und schaut lediglich auf die Mess- und Erfahrungswerte, ist das Honor 5X mit Blick auf den ein Preis gutes Smartphone, bei vielen anderen Herstellern muss man für vergleichbare aktuelle mehr Geld ausgeben.

Das Honor 5X hat seine Stärken, kann sich insgesamt aber nicht weit genug absetzen
Das Honor 5X hat seine Stärken, kann sich insgesamt aber nicht weit genug absetzen.

Eine Empfehlung verdient sich das Smartphone aber dennoch nicht. Denn insgesamt hat Honor an den falschen Ecken gespart, wenn man den Vergleich mit dem GX8 zieht. Zwar lässt Huawei sich dessen Vorteile mit aktuell etwa 310 Euro gut bezahlen, das Gesamtpaket ist aber stimmiger.

Liegt die Grenze des Budgets bei 250 Euro, sind das LG G Flex 2 (ca. 240 Euro) und das G3 (ca. 250 Euro) die klar bessere Wahl, wenn auf Aluminium verzichtet werden kann. Sind mehr als 230 Euro definitiv nicht möglich, ist das mit 5,2 Zoll etwas kleinere Motorola Moto X 2nd Gen. für 220 Euro eine gute Alternative. Zum Honor 5X sollte nur dann gegriffen werden, wenn dessen Stärken explizit gesucht werden.

Positive Eindrücke des Honor 5X:

  • Speicher erweiterbar
  • helles Display
  • zwei SIM-Karten und Speichererweiterung gleichzeitig nutzbar
  • schneller und präziser Fingerabdrucksensor
  • im Alltag gute Laufzeiten

Negative Eindrücke des Honor 5X:

  • Akku fest verbaut
  • Kamera enttäuscht bei schlechtem Licht
  • kleinere Verarbeitungsmängel

 

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