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Motorola Moto X Play im Test

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Seite 2: Kamera, Software, Gehäuse, Fazit

Mitunter gute Fotos

Detaillierte Fotos verspricht die rückseitige Hauptkamera mit ihren 21 Megapixeln. Dem Sensor zur Seite gestellt hat man eine Optik mit Blende f2.0 sowie einen Truetone-Dual-LED-Blitz. Einen optischen Bildstabilisator gibt es hingegen nicht. Dass es auch ohne diesen gute Aufnahmen geben kann, zeigen einige der Testfotos.

Bei guten äußeren Bedingungen gefallen die Fotos
Bei guten äußeren Bedingungen gefallen die Fotos

Am helllichten Tag bieten diese natürliche Farben, zahlreiche Details und realistische Helligkeitsverläufe. Einzig hier und da stört ein zu hoher Blauanteil. Probleme treten jedoch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen auf. Dann reagiert die ISO-Automatik teils zu früh, was in unübersehbarem Bildrauschen mündet. Zudem werden Farben verfälscht, insgesamt wirken die Fotos matschig. Besser gefällt die HDR-Automatik, die zuverlässig agiert. Entsprechende Fotos bieten überzeugende Kontraste.

Auch bei ausreichendem Kunstlicht bleiben Details und Farben erhalten
Auch bei ausreichendem Kunstlicht bleiben Details und Farben erhalten

Ansprechende Ergebnisse bietet aber auch die Frontkamera mit ihren fünf Megapixeln. Die Bilder sind ebenfalls detailliert und bieten natürliche Farben, allerdings ist die Abhängigkeit von den äußeren Bedingungen weitaus höher als bei der Hauptkamera. Selfies verkommen damit schnell zu Schnappschüssen. Als anfällig entpuppt sich der Video-Modus. Hier kann es schnell zur Bildung von Artefakten und anderen Bildfehlern kommen.

Anders sieht es hingegen bei schlechtem Licht aus
Anders sieht es hingegen bei schlechtem Licht aus.

Erschwerend für alle Einsatzgebiete hinzu kommt die Kamera-Applikation. Diese wirkt zunächst sehr aufgeräumt, allerdings fehlen an mehrere Stellen eindeutige Bezeichnungen. Zudem wird die Bedienung durch die Platzierung einiger Funktionen unnötig erschwert – so mancher Konkurrent bietet hier mehr Komfort.

Nacktes Android

Ärgerlich ist dies vor allem angesichts der Tatsache, dass Motorola in puncto Software sonst alles richtigmacht. Denn erneut setzt man auf ein nahezu unverändertes Android, das man lediglich mit einigen Applikationen erweitert hat, die Updates des Betriebssystems jedoch nicht erschweren. Zu nennen sind hier in erster Linie der Umzugshelfer Migrate sowie der Assistent Moto.

Wie gehabt: Motorola verzichtet auf eine eigene Oberfläche und setzt auf ein aktuelles Android
Wie gehabt: Motorola verzichtet auf eine eigene Oberfläche und setzt auf ein aktuelles Android.

Letzterer umfasst nicht nur bestimmte Gesten wie das Starten der Kamera per Handdrehung, sondern auch die Steuerung per Sprache. Damit lassen sich beispielsweise WhatsApp-Nachrichten oder Facebook-Posts verfassen, Anrufe einleiten oder Fotos aufnehmen. Eine ungewollte Benutzung zu verhindern, reagiert das Smartphone nur auf den antrainierten Schlüsselsatz. Die Erkennung gesprochener Worte fiel im Test zufriedenstellend aus, Microsofts Cortana oder Apples Siri arbeiten jedoch zuverlässiger und vor allem schneller. Denn Moto lässt sich mitunter viel Zeit.

Ausgeliefert wird das Moto X Play mit Android 5.1.1, ein Update auf Version 6.0 wurde jedoch bereits in Aussicht gestellt. Zwar wird Motorola damit nicht der erste Hersteller sein, LG verteilt bereits ein Update für das G4, der Verzicht auf eine eigene Oberfläche entpuppt sich diesbezüglich jedoch als ein großer Vorteil.

Bekannte Linie

Sich treu bleibt Motorola aber auch beim Design des Moto X Play. Zwar verzichtet man auf der Front auf ein Logo, das Gerät kann dank der gebogenen Rückseite jedoch problemlos der Lenovo-Tochter zugeordnet werden. Denn erneut fällt das Gehäuse überdurchschnittlich groß und schwer aus, 148,0 x 75,0 x 10,9 mm und 169 g werden von so manchem Mitbewerber klar unterboten – vor allem in Hinblick auf die Dicke. Diese geht jedoch vor allem auf das Konto des Akkus.

Beim Design folgt das Moto X Play seinen Schwestermodellen
Beim Design folgt das Moto X Play seinen Schwestermodellen.

Dass angesichts des Preises kein Metall geboten wird, überrascht nicht. Zum Einsatz kommt lediglich Kunststoff, der am Rahmen Aluminium optisch jedoch sehr nahekommt. Schon der erste Fingerkontakt entlarvt die Täuschung jedoch. Die austauschbare Rückseite ist leicht gummiert, was für einen guten Halt in der Hand sorgt. Dass man angesichts der Display-Größe für die Bedienung zwei Hände benötigt, ist keine Überraschung. Immerhin nimmt der Bildschirm drei Viertel der Front ein, ein leicht überdurchschnittlicher Wert.

Der Kartenträger auf der Oberseite ist hinsichtlich der Verarbeitung einer der Schwachpunkte
Der Kartenträger auf der Oberseite ist hinsichtlich der Verarbeitung einer der Schwachpunkte

Die Verarbeitung ist insgesamt noch gut. Die am rechten Rand untergebrachten Tasten für Standby und Lautstärke sind gut eingepasst und bieten kein überflüssiges Spiel, der am oberen Ende platzierte Einschub für Nano-SIM und Speicherkarte ist hingegen nicht mittig und bündig platziert. Mehr Schutz als üblich soll die Nano-Versiegelung der Technik bieten. Motorola selbst spricht von einer wasserabweisenden Beschichtung der empfindlichen Bauteile, einer IP-Zertifizierug entspricht dies jedoch nicht.

Neben den im Handel angebotenen Standardmodellen in Schwarz und Weiß bietet Motorola auch zahlreiche weiteren Varianten im Moto Maker an. Unter anderem kann zwischen 14 verschiedenen Farben für die Rückseite und sieben Farbakzenten gewählt werden. Dafür werden jedoch mindestens 379 Euro fällig.

Fazit

Warum Motorola beim Moto X Play auf den Namen der Oberklassereihe zurückgegriffen hat, ist nach dem Test die große offene Frage. Denn nur in sehr wenigen Punkten wird das Smartphone dem gerecht, was man von einem Moto X erwartet. Dies gilt vor allem für die Leistung, die in einer mitunter stockenden Darstellung der Oberfläche mündet, aber auch für das Gehäuse. Hier reicht es zwar noch für eine gute Note, Mängel sind aber unübersehbar. Weitere Kritikpunkte betreffen die teils launischen Kameras, deren Ergebnisse zwischen überzeugend und enttäuschend pendeln, sowie die Schnittstellenbestückung.

Es gibt aber auch einige eindeutige Stärken. Hierzu gehören die Akkulaufzeit ebenso wie das unveränderte Android oder die guten Telefonieeigenschaften. Das Display ist hingegen zwischen Pro und Contra gefangen – der sehr guten Helligkeit steht der Blaustich entgegen.

Der Name täuscht: Das Moto X Play müsste eigentlich Moto G XL heißen
Der Name täuscht: Das Moto X Play müsste eigentlich Moto G XL heißen.

Insgesamt sorgt vor allem die Software dafür, dass sich das Moto X Play für diejenigen anbietet, die ein Nexus-Smartphone suchen, denen die aktuellen Modelle von LG und Huawei aber zu teuer sind. Denn billiger als das Nexus 5X und Nexus 6P ist der Motorola-Konkurrent im Handel allemal. Dieser ruft derzeit knapp 340 Euro auf. Für einen ähnlichen Preis gibt es das Samsung Galaxy A7 (AMOLED-Display, kleinerer Akku), das Honor 7 (kleineres Display, schnellerer SoC, Aluminium-Gehäuse) oder das Samsung Galaxy S5 Neo (kleineres AMOLED-Display, bessere Ausstattung, IP-Zertifizierung), das ASUS ZenFone 2 wird hingegen beispielsweise bereits für weniger als 300 Euro angeboten.

Am Ende wäre die Bezeichnung Moto G XL die bessere gewesen, von einem Moto X ist die Play-Variante zu weit entfernt.

Positive Eindrücke des Motorola Moto X Play:

  • sehr helles Display
  • Speicher ist erweiterbar
  • gute Telefonieeigenschaften
  • gute Akkulaufzeiten
  • Kameras mit teilweise überzeugenden Aufnahmen
  • aktuelles und unverändertes Android

Negative Eindrücke des Motorola Moto X Play:

  • Farbtemperatur des Displays enttäuscht
  • teilweise keine flüssige Darstellung der Oberfläche
  • Schnittstellen nicht immer zeitgemäß
  • Akku fest verbaut