Mein ad hoc File- und Netz-Server, der seit über 4 Jahren gute Dienste geleistet hat und dabei stetig gewachsen bzw. gewuchert ist, muss weg. Wir brauchen "plötzlich" ein Kinderzimmer und haben in keinem Raum der Wohnung mehr Platz für so ein lärmendes Ungetüm, aber er soll natürlich schon noch irgendwie erreichbar bleiben.
Inzwischen denke ich den perfekten Platz gefunden zu haben. Das "Case" war im Prinzip schon da und musste nur etwas modifiziert werden, es erfordert allerdings etwas Mühe den Server da rein zu bekommen und gut zu belüften. Es ist gewissermaßen ein Non-Standard-Case, welches man auf den ersten Blick nicht unbedingt für ein Servergehäuse halten würde, und somit musste ich diverse Non-Standard-Teile basteln...
Als erstes wären da mal diverse Lüfter. Ich hab von Arlt, über CoolerMaster, easyNova, Nanoxia, Noiseblocker, Noctua bis Scythe jede Menge Lüfter ausprobiert, aber wirklich leiser als die dicken von ArcticCooling bei vergleichbarem Luftstrom war keiner. Wenn man die ArcticCooling Teile runterregelt auf Noctua Niveau werden sie genauso leise, aber sie können bei Bedarf auch ganz ordentlich blasen. Die neuen weißen sind 3mm schmaler und schaufeln etwas mehr Luft als die alten schwarzen. Außerdem ist der Preis von knapp 3 Euro, inklusive PWM-Endstufe und elastischer Aufhängung wirklich unschlagbar und richtig schlecht sehen sie auch nicht aus. Nur die Kabel sind etwas kurz und im Original irgendwie zu schwarz gesleevt. Das hier sind erst mal drei 120er und drei 92er mit PWM:
Dann noch ein etwas spezieller Lüfter, der alleine die ganze Luft wieder raus schaufeln muss. Diesmal ein Scythe Kaze Maru mit 140mm Durchmesser. Ich hab gleich alle drei Versionen gekauft, und mit dem mit 1900U/min angefangen zu testen (knapp 180m³/h). Das Ding bläst trotz seines Auspuffs zum Glück wesentlich besser als ich befürchtet hatte, zumal der Auslass mit 8mm doch arg schmal ist. Das war der heikelste Teil des Belüftungskonzepts, aber nach den ersten Tests bin ich sehr zuversichtlich, dass die Belüftung insgesamt funktionieren und ausreichen wird. Leider gibt es diese Lüfter nicht mit PWM-Endstufe, so dass ich mir die später noch dazu basteln muss und mich dann wohl mit einem unsauberen Tachosignal rumärgern darf. Am Ende werde ich wohl die mittlere Version nehmen. Der ganz langsame ist definitiv zu schwach und kommt deshalb in meinen nächsten PC.Spoiler: Anzeigen
Jetzt zu den Festplatten und SATA-Stromkabeln. An deren Anordnung und Befestigung hab ich einige Zeit rumgeknoblet und daran dann die Anordnung der restlichen Komponenten ausgerichtet. Oberste Priorität war für mich, abgesehen davon, dass sie natürlich in den beengten Platz passen mussten, dass sie gut gekühlt werden und möglichst wenig Vibrationen auf's Chassis abgeben, aber auch gegenseitig in Bezug auf Vibrationen einigermaßen gut entkoppelt sind. Einer der wichtigsten Unterschiede von speziellen RAID-Platten gegenüber normalen Consumer-Platten ist nämlich, dass die RAID-Varianten besonders robust gegenüber Vibrationen sind, wie sie in Serverschränken mit vielen Platten normalerweise entstehen. Da ich aber gerne teure Komponenten vermeide, wollte ich mit normalen Platten auskommen können ohne zu riskieren, dass die sich mit der Zeit gegenseitig kaputt rütteln. Ob sich die Platten schnell austauschen lassen war mir weniger wichtig. Ich hab bisher erst einmal in vier Jahren eine Platte unplanmäßig austauschen müssen. Da kann ich mit 5 Minuten für's ein- und ausbauen leben und brauche keine Einschübe mit Backplane wie sie in richtigen Server-Racks üblich sind, zumal ich für sowas eh keinen Platz gehabt hätte.Spoiler: Anzeigen
Ich hatte vorher schon mit diversen käuflich erwerblichen Antivibrations-Lösungen rumexperimentiert und dabei festgestellt, dass sie alle für meine Zwecke untauglich sind. Entweder waren die Gummibefestigungen viel zu hart um effektiv Vibrationen zu absorbieren oder sie basierten auf einer Box um die Platte, was sie erstens sehr teuer macht, zweitens die Kühlung verschlechtert und drittens zu viel Platz braucht. Solche Ansätze, wie die Platten in ein Gummiband zu klemmen oder einfach auf einen Schwamm zu legen, waren mir wiederum zu windig. Ich wollte meine Platten schon ordentlich mechanisch fixieren.
Nachdem ich mich dann mal für einen konkreten Aufbau entschieden hatte, stellte es sich als zeimlich schwierig raus einen geeigneten Gummi oder Schaumstoff für die Befestigung zu finden, bis mir in einem Baumarkt durch Zufall diese leuchtend orangenen Ohrstöpsel aufgefallen sind. Die waren von der Größe und Form fast perfekt, aber die Konsistenz war leider völlig unbrauchbar. Wenn man die zusammendrückt bleiben die einfach so und gehen nur ganz langsam wieder in den Urzustand zurück. Ich hab trotzdem mal welche mitgenommen um damit rumzuspielen. Wie sich rausstellte werden sie plötzlich super elastisch (und auch etwas größer) wenn man sie gut mit Wasser ausspült. Aber leider hält das nur solange an, solange sie noch nicht wieder ausgetrocknet sind. Also hab ich sie testweise in Feinmechaniköl gebadet und danach so gut wie irgend möglich ausgequetscht, damit später möglichst kein Öl mehr ausfließt. Das hat tatsächlich wunderbar funktioniert und die Ohrstöpsel hatten auch nach einem mehrwöchigen Test noch die gewünschte Konstistenz. Das Material dieser Dinger ist eh fast unverwüstlich, sie halten alle möglichen mechanischen Belastungen anstandslos aus, bei denen alle anderen Materialien, die ich ausprobiert hatte, schön längst zerbröselt waren - und ich hab fast alles was irgendwie elastisch war und in Baumärkten, Bastel-, Modellbauer- oder Künstlerbedarfsgeschäften aufzufinden war ausprobiert.
Zusätzlich braucht der Server noch einiges an Netzhardware, da er auch als Router und http/ftp-Server für meine Kunden herhalten soll. Der Netzzugang ist ein 50/10MBit VDSL2 von der guten alten Telekom. Der beim Anschluss mitgelieferte Plastik-Router Speedport 701 war für die Leitung völlig untauglich. Damit kam ich selbst mit LAN-Kabel nicht mal auf die Hälfte der angegebenen Geschwindigkeit. Das 54MBit WLAN hab ich gar nicht erst versucht. Erst seit dem direkten Anschluss des Modems an die Ethernetkarte des Servers läuft die Leitung wunderbar. Die Konfiguration mit VLAN ID und IGMP-Router/Proxy war zwar etwas nervig, aber inzwischen tut es zuverlässig. Der Onboard Ethernet-Controller von Realtek ließ sich mit einer alten Treiberversion am Ende doch noch unter Windows 2003 für VLAN konfigurieren. Trotz des nun weggefallenen Routers waren aber noch immer etliche Plastikkisten mit unzähligen Kabeln für DSL und ISDN übrig, die wertvollen Platz verschwendet haben. Also mussten sie etwas komprimiert werden:Spoiler: Anzeigen
Über die Steckdose für den Server, die Netzhardware, die Telefone und den gelegentlich anzuschließenden Monitor hatte ich mir ursprünglich kaum Gedanken gemacht und hatte geplant mir was zusammen stecken, was eben irgendwie rein passt. Das stelle sich dann aber als Problem dar. Die Dinger waren entweder zu groß, hatten zu wenig Steckdosen oder es fehlte der Platz für den Überspannungsschutzschutz und ein Hauptschalter wäre auch ganz nett gewesen. Dann habe ich vergeblich versucht ein fertiges kleines quaderförmiges Gehäuse zu finden, welches ich zur Steckdose hätte umbauen können und hab mich schlussendlich dazu entschieden mir schnell ein Gehäuse aus Polystyrol selbst zu bauen. Ich hatte mir das ziemlich einfach vorgestellt, 6 Seiten, also 5 Platten zusammenkleben und eine schrauben. Dann noch ein paar Löcher und Schrauben und fertig ist die Laube. Aber beim Sägen und Feilen der Teile fielen mir immer mehr Sachen ein, die eigentlich auch ganz nützlich wären, z.B. eine Beleuchtung, da es da wo der Server hin soll ziemlich dunkel ist und im Notfall etwas Licht ganz praktisch wäre. Am Ende habe ich 4 volle Tage damit zugebracht, wovon einer komplett für die Beleuchtungssteuerung drauf ging, und hier ist das Ergebnis:Spoiler: Anzeigen
Das Chassis ist im Prinzip nur ein 5mm dickes Alu-Blech (AlMgSi1), welches ich als Reststück von einer Metallverarbeitungsfirma günstig für 20 Euro bekommen habe. Daher ist es eigentlich auch etwas zu klein. Es könnte ca. 12cm länger und 1cm breiter sein um die gesamte Bodenfläche auszufüllen. Die Anordnung der Komponenten auf dem Chassis ergab sich mehr oder weniger zwangsläufig aus dem zur Verfügung stehenden Platz und den Anmessungen der Komponenten. Die Abstände der Plattenblöcke zueinander und zum Mainboard sind durch die Länge des Netzteilkabels zum Mainboard beschränkt, so dass es da etwas enger geworden ist als eigentlich geplant.Spoiler: Anzeigen
Jetzt zum Gehäuse mit Geräuschdämmung, Beleuchtung und Kindersicherung. Das Geäuse selbst war der einfachste Teil, denn es war schon da. Es ergibt sich aus dem Platz unter einem Schrank und besteht somit aus Fußboden, Wand, Unterseite des Schranks und einer Blende aus lackiertem 8mm Buche-Sperrholz. Der Platz unter dem Schrank ist knapp 160mm hoch, minus 18mm für Chassis, Filzgleiter und Schalldämmplatte bleiben ca. 141mm für die Hardware. Die Tiefe beträgt etwa 320mm minus 2x Dämmung von zusammen 20mm. Die Schalldämmung besteht aus 10mm bzw. 30mm dicken Basotect-Platten, das ist ein spezieller Akustikschaumstoff mit besonders guter Schallabsorbtion der normalerweise z.B. in Tonstudios eingesetzt wird. Außerdem ist er schön weiß und lässt sich mit einem Teppichmesser einigermaßen gut zurecht schneiden. Kleben kann man das Zeug am besten mit Kontaktkleber aus der Tube oder als Sprühkleber.Spoiler: AnzeigenSpoiler: Anzeigen
Die verwendete Hardware:
Mainboard: Asus P5B VM (µATX, Sockel 775, Intel G965, 1x PCIe x16, 1x PCIe x4, 2x PCI)
Prozessor: Intel E2140 Dual Core (2x 1,6GHz, 65nm, 65W TDP, 1MB shared L2-Cache)
Speicher: A-DATA XPG (2x 2GB, DDR2-800, CL4-4-4-12 @1,9V)
Controller: HighPoint RocketRaid 2320 (8x SATA @PCIe x4) • ICH8 (onboard, 4x SATA) • JMB363 (onboard, 1x SATA, 1x eSATA, 1xIDE)
Festplatten: Toshiba MK3263GSX (2,5", 320GB, 5400rpm @JMB363) • 12x WD10EADS Green Caviar (1TB, 5400rpm @ICH8+RR2320)
Ethernet: Realtek RTL 8111 onboard (1000Base-T, VLAN) • Longshine LCS-8337TXR (RTL 8111, 1000Base-T, VLAN @PCIe x1)
WLAN: TP-Link TL-WN620G WLAN USB-Adapter (108Mbps, Atheros, @USB 2.0)
ISDN: AVM Fritz!Card PCI V2.1
Netzteil: Cooler Master Silent Pro M600 (600W, 20A@3.3V, 20A@5V, 40A@12V Single Rail, 87% Effizienz @230V/~130W)
D/A+A/D-Wandler: AD1988 onboard (6Ch LineOut, 2Ch LineIn, 2Ch MicIn, jeweils max. 24Bit@192kHz)
CPU-Kühler: Arctic Cooling Freezer 7 Pro (PWM @900-2500rpm, max. 77m³/h, 126.5mm Höhe)
Gehäuselüfter: 3x Arctic Cooling F12 Pro PWM (120²x34mm, 400-1500rpm, 96.8m³/h) • 3x Arctic Cooling F9 Pro PWM (92²x34mm, 700-2000rpm, 59.5m³/h) • Scythe Kaze Maru (140²x25mm, 1900rpm, 177.61m³/h)
noch nicht realisierte geplante Erweiterungen:
• Lüftersteuerung und Bedienpanel (Power/Reset/LEDs)
• Activity-LEDs pro RAID-Platte am SATA-Power-Kabel
• externe universelle Handyladestation, gespeist vom Server-Netzteil

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